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Historisches: Der heilige Rauch
Alex Jahnke
Erst nachdem Columbus 1492 nach Amerika gelangt war, rückte der Tabak in das Blickfeld Europas. Seitdem gehört er, durch die auf ihm basierende Kultur, der Weltgeschichte an.
Wie lange die Sitte des Rauchens bereits in Amerika verbreitet war, als Columbus am 12. Oktober 1492 die heutige Watling-Insel der Bahamas-Gruppe, die ihre Ureinwohner Guanahani nannten und die die Spanier San Salvador tauften, betrat, wird sicher niemals eindeutig ergründet werden können.
Wenden wir uns vom rein profanen Rauchen aus Vergnügen ab und bewerten nur die spirituelle Bedeutung, so bieten sich einige Hinweise auf Feuer- und Rauchverehrung in der Alten Welt an, die in diesem Zusammenhang sicherlich gerechtfertigt erscheinen. Die Verbindung von Feuer und Rauch zu höheren Mächten wurde schon in prähistorischen Zeiten hergestellt und gehört sicher zu den ältesten religiösen Überzeugungen überhaupt. Fast alle Schöpfungsberichte in den unterschiedlichsten Kulturen erwähnen einen Feuerbringer als Kulturheros.
Um die Bewahrung des Feuers entstand sicherlich recht bald eine Priesterschaft. Das Feuer als göttliche Offenbarung, der aufsteigende Rauch als Verbindung zu Göttern und Geistern, war die Grundlage für die verschiedensten Kulte, die die unsichtbaren Mächte, die der Mensch nicht beherrschen, ja nicht einmal ergründen konnte, wohlgesonnen stimmen sollten.
Zu den frühesten Rauchopfern in diesem Sinn gehörte zweifellos das Abbrennen von wohlriechenden Kräutern und Harzen. Der Gebrauch von Weihrauch ist spätestens in den ältesten mesopotamischen und ägyptischen Kulturen bekannt gewesen. Aus ägyptischen Pyramidentexten späterer Zeit geht eindeutig hervor, daß die Opferung angenehm riechender Pflanzen, etwa Myrrhe, bis um etwa 3000 v.Chr. zurückverfolgt werden kann. In den Pharaonengräbern fanden sich kleine graubraune Kugeln aus wohlduftenden Pflanzen, die als Opfergaben in Schalen abgebrannt wurden.
Bei den alten lsraeliten stand im Tempel in Jerusalem vor dem Vorhang, der das Allerheiligste, das nur der Hohepriester betreten durfte, verbarg, ein Rauchaltar, auf dem am frühen Morgen und am späten Abend kostbare Spezereien verbrannt wurden. Auch im Alten und Neuen Testament werden derartige Rauchopfer oft erwähnt. In der Weihnachtsgeschichte der Christenheit brachten die Heiligen Drei Könige dem Jesuskind Gold, Weihrauch und Myrrhe dar.
In einer etwa 4000 Jahre alten kretischen Grabungsstätte in Klaudia auf Zypern wurde eine Steinröhre gefunden, die möglicherweise ein Rauchrohr war, das zum "Inhalieren des Rauches belebender oder berauschender Kräuter" (Dunhill, 1982) benutzt wurde. In einem indischen Werk aus dem 7. Jahrhundert v.Chr. werden "Duftzigarren" aus den Blättern heimischer Pflanzen erwähnt. Auch das antike Griechenland kannte Weihrauchopfer. Im Orakel von Delphi versetzten sich die Ratsuchenden durch das Einatmen von Rauch aus Gerstenmehl und Lorbeerlaub in einen rauschartigen Zustand.
Griechen und Römer setzten das Inhalieren von würzigem Rauch auch zu medizinischen Zwecken ein, etwa bei festsitzendem Husten. Dazu wurden Kräuter wie Lavendel, Majoran oder Alant benutzt. Menzel-Tettenborn (1974) vermutet, dass es in der Bronzezeit aus Bronze gegossene Pfeifen gegeben habe. Pfeifenfunde aus der römischen Kaiserzeit in keltischen und germanischen Siedlungsgebieten beweisen, dass geraucht wurde. Allerdings gibt es in der gesamten antiken Literatur keinen Hinweis auf die Sitte des Rauchens, wie es heute bekannt ist, so dass davon ausgegangen werden kann, dass die übliche Form des Rauchens zu jener Zeit unbekannt war, obwohl die narkotisierende Wirkung des Rauches verbrennender Kräuter weithin genutzt wurde. Es fehlte aber die kulturelle Ausstrahlung, die das Rauchen und die dazu gehörenden Rauchgeräte bei den nordamerikanischen Indianern entwickeln sollte. Auch wenn die spirituelle Wirkung sich bei den Europäern verlor, sind die Ursprünge des profanen Rauchens doch nach wie vor erkennbar.