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Historisches: Zur Geschichte des Tabakrauchens im Großherzogtum Baden

... aus BADENIA eine Zeitung für badische Geschichte

gefunden von Volker Götz

Nachdem in vielen Ländern die geistliche und weltliche Gewalt, das Oberhaupt der katholischen Kirche wie der protestantische Koenig Jakob der Erste von England, der russische Zar wie der Großmogul, gegen die sich einschleichende Gewohnheit des Tabakrauchens ohne großen Erfolg Maßregeln getroffen hatten, kam diese Gewohnheit im dreißigjährigen Kriege durch fremde Truppen auch zu uns, und die ältesten bisher bekannt gewordenen Spuren führen in das Jahr 1642 zurück, also in eine Zeit, welche jetzt gerade zwei Jahrhunderte vorüber ist. Damals ließ Johann Moscheros aus Willstaedt (zwischen Offenburg und Kehl) seine "Wunderlichen Gesichte Philanders von Sittewald" zum zweiten Male drucken, und in der Beschreibung, die er uns dort von den Sauerbrunnen am Kniebis entwirft, redet er auch von Buden der Tabakkrämer zu Griesbach, Ripplodsau und so weiter. Moscheros lässt sich teils in dieser zweiten, teils in der bald darauf folgenden dritten und vierten Ausgabe jener berühmten Schrift mit sehr lebhaftem Widerwillen gegen die neue Unsitte aus.

Er nennt den Tabak ein giftiges Kraut, dessen Teufelsrauch die Leute toll und voll mache; durch die Spanier sei dieses Gift nach Europa, und durch die Franzosen, "die bereits ohne Tabak-Saufen nicht leben können, zu den nachäffichten Teutschen gekommen". Schon habe der Rauch bei unseren Herren von Adel, wie bei geringeren Ständen Beifall gefunden. Ja, Moscheros klagt, dass nicht nur Bauern, sondern sogar Weiber "Tubak saufen". Letztern Ausdruck braucht er ganz gewöhnlich statt der im Munde unseres oberländischen Volkes noch jetzt üblichen Bezeichnung "Tabak trinken", die der Verfasser der Geschichte von Basel mit Unrecht davon ableiten will, weil beim Rauchen auch getrunken worden sei. Haben wir aber aus dieser Zeit einen berühmten Feind des Tabakrauchens aufgeführt, so müssen wir andererseits unsern Blick auch auf einen berühmten Verehrer dieser Sitte wenden. Am 24. März eben jenes Jahres 1642 wurde auf der Brücke zu Dinglingen bei Lahr der bayrische General Johann von Werth gegen den schwedischen Marschall Gustav Horn ausgewechselt. Werth, ein Niederlaender von Geburt, war 1634 siegreich in unser Land eingedrungen, aber vier Jahre später infolge seiner Niederlage bei Rheinfelden in französische Gefangenschaft gebracht worden, und galt für einen unvergleichlichen Meister in der neuen Kunst zu rauchen, so dass während jener Gefangenschaft zu Vincennes die Pariser Damen sich ein Vergnügen daraus machten, Zeugen seiner Meisterschaft im Wein- und Tabaktrinken zu sein. Wieder frei geworden, trieb er sich noch bis zum Jahre 1646 teils innerhalb, teils an den Grenzen unseres Landes umher, und auch sein ausgezeichneter Waffenruhm half vermutlich der Gewohnheit, von der wir hier reden, immer zahlreichere Freunde zu gewinnen. Nach dem westfälischen Frieden fuhren die weltlichen und geistlichen Regenten in unserem Vaterlande, wie in den benachbarten Gebieten noch fort, gegen die neue Sitte zu eifern. So verbot zum Beispiel im Jahre 1650, gleichzeitig mit dem Rat zu Basel, der Abt von Schwarzach den Gebrauch und den Verkauf des Tabaks bei einer Strafe von drei Pfund. Hören wir aus der nun folgenden Zeit einige Stellen aus der Diözese Hochberg, Johann Fecht in Sulzburg, an das baden-durlachische Konsistorium eingesendet hat. Unter anderem klagt er 1662: "Christe Ledermann zu Bahlingen ist ein Saufer und Verschwender, darneben dem Tabaktrinken ergeben; da er am heiligen Ostertag zum Tisch des Herrn gangen, hat er den Pfarrer dermaßen angestunken, daß man schier nit hat bleiben können. Hans Kopp in Broggingen haltet unverantwortlich Haus, sauft Tabak, fangt Händel an und schlagt sich herum." Fünf Jahre später fand Fecht das Tabaktrinken in Ottoschwanden fast allgemein. "Wann diese Bauern in der kleinen Kirch vor dem Pfarrer sitzen und atmen, so geht dem Pfarrer ein solcher Gestank entgegen, dass er meinet, er müsse davon vergehen." Und in einem Berichte von 1669 bemerkt derselbe zürnend: "Der Herrenmüller in Emmendingen lebt übel mit seinen Frauwen, trinkt auch stetig Tabak, und wenn er in der Kirchen sitzt, also keinen trinken darf, so hat er doch denselben im Mund. Davon stinket er, dass die Leut neben ihm schier nit bleiben können." Im folgenden Jahr fing die vorderösterreichische Regierung an, finanziellen Vorteil aus der neuen Gewohnheit zu ziehen, und ordnete Tabakpacht an, welche bald Nachahmung fanden; namentlich begab sich Baden-Baden 1679 des Alleinhandels mit Brandwein, Essig und Tabak um ein Gewisses an einzelne Kraemer. Dagegen hörten die geistlichen nicht auf, das eingedrungene Kraut zu bekämpfen, welches bereits angepflanzt zu werden begann. "Wenn ich", so predigte damals der Pfarrer bei Basel, "Mäuler seh, die Tabak rauchen, so ist es mir, als sah ich lauter Kamine der Hölle." Nachdem übrigens gegen das Schnupfen gar niemals ein Verbot ergangen war, wurden jetzt die Edikte gegen die Raucher wenigstens gelinder. Eine Strafandrohung von zwei Gulden die der Abt von Schwarzach 1684 erließ, berücksichtigte hauptsächlich die Feuersgefahr, denn er erlaubte immerhin das Tabakrauchen am Herd. Zwei Jahre darauf klagte die Kanzlei des Johanniterpriors zu Heitersheim in einem Schreiben an das baden-durlachische Oberamt Badenweiler, dass zum Nachteil des Zehnt'beziehers viele Äcker in Britzingen mit den "ohnedem schädlichen Tabakpflanzen versehen seien, und der Zehnte dadurch geschwächt werde". Das solle der Oberamtmann verbieten. Auf beiliegendem Zettel standen die vier Jauchert Äcker bezeichnet, die nach Angabe des maltesischen Zehntknechtes mit "Duwackh" gepflanzt seien durch die Bauern Daniel Fin, Jerg Schoch und Hans Steger. Nach dem orleanischen Kriege, welcher unser Land und besonders die Pfalz so grausam verheert hatte, begann dort, wie im Speyerischen, wo man an einigen Orten schon lange Zehnten vom Tabak erhob, der Bau desselben allgemeiner zu werden, und am Schlusse des 17. Jhdts. wird in der südlichen Grenze des Grossherzogtums unter den Gefällen des Isteiner Bannes ebenfalls der Tabakzehnt genannt. Für die zum baden-durlachischen Unterland gehörigen Orte gebot Markgraf Karl Wilhelm 1718 und in der nächstfolgenden Zeit die Anpflanzung des Tabaks, und zwar in sehr ausgedehnter Weise; ja er befahl, dass außer dem Zehnten aller übrige Tabakertrag an seine Fabrik nach Pforzheim geliefert und dort dem Werte nach durch die herrschaftlichen Tabakspinner taxiert werde. Acht Jahre später betrug in dem hanau-lichtenbergischen Dorfe Linx, bei Rheinbischofsheim, der Tabakzehnte noch bloß vier Schillinge, während der Hanfzehnte sich auf 51 Gulden belief.

(26.03.2001)

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