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Historisches: Tabak und Pfeifen in der DDR
zusammengefasst aus diversen Artikeln in der Newsgroup von
Christian Probst
Pfeifen in der DDR...
waren meist in sehr klassischen Formen gehalten. Billard, Bent, Halfbent, Prince usw. waren die am häufigsten anzutreffenden Pfeifenformen. Relativ selten waren diese Pfeifen facettiert. Die Pfeifen waren größtenteils rötlich gebeizt oder rustiziert bzw. sandgestrahlt. Im Vergleich zu heutigen Pfeifen wurde auch sehr viel Kitt verwendet... ein Zeichen für mangelnde Qualität.
Besonders charakteristisch waren die flachen und weichen Mundstücke, die man sehr schnell durchbiss. Teilweise war das verwendete Material von so geringer Qualität, dass die Mundstücke nicht polierbar waren und einen matten, weichen Eindruck machten. Doch das Manko des schnellen Durchbeißens wurde dahingehend ausgeglichen, dass man in jedem x-beliebigen Tabakladen Mundstücke in Standard-Formen für wenig Geld neu kaufen konnte.
Es wurden verschiedene Hölzer zur Pfeifenherstellung benutzt. Buche und Kirschholz fand sehr breit Verwendung, doch hauptsächlich wurden Pfeifen aus Bruyere gefertigt. Dieses Bruyereholz stammte mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Algerien und war von durchschnittlicher Qualität. Relativ selten wurden Pfeifen aus französichem Bruyere gefertigt.
Wie bereits kurz angeschnitten waren diese Pfeifen relativ klein und erinnerten stark an sog. "Mutzpfeifen" d.h. Shagpfeifen mit denen Zigarettentabak konsumiert wurde. Besonders in den Anfängen der DDR wurden diese Pfeifen als Shagpfeifen verwendet. Da Zigarettenpapier anfangs noch besteuert wurde, war es eine preiswerte Alternative Zigarettentabak aus Shagpfeifen zu konsumieren. Später gab es auch größere Pfeifenformen, oftmals Billard oder Poker.

Pfeifen wurden nur selten mit einem Markennamen versehen. Doch die meist verbreiteten Pfeifenfirmen waren Howal, ARK, Old Briar, Real Briar oder March. Die alte Pfeifenfabrik C.S.Reich, wie sie vor und während des 2.Weltkriegs hieß, wurde 1952 enteignet und Howal einverleibt, ebenso ARK (August Richard Kühn) gehörte seit den siebziger Jahren zu Howal. Howal war VEB und produzierte auch für den Export. Die Modelle, die für den Export zu minderwertig waren, wurden in der DDR unter dem Namen Old Briar oder Briar International verkauft.
Die Firma Howal wurde nach der Wende Anfang der 90'er von Design Berlin (db) aufgekauft. In den ehem. Werkshallen von Howal werden heute db-Pfeifen hergestellt.
Der heute sehr bekannte Pfeifenmacher Kallenberg aus Thüringen produzierte Pfeifen, die er zeitweise in größeren Mengen nach Afrika exportierte. Diese Exportpfeifen waren hauptsächlich aus Buchenholz gefertigt. Kallenberg stempelte seine Pfeifen mit einem goldenen Punkt, was er allerdings aus Markenrechtlichen Gründen (Savinelli?) aufgab.

Erst nach der Wende wurden Kallenberg-Pfeifen mit einem Namenszug versehen, davor wurden Kallenberg Pfeifen nicht besonders gekennzeichnet. Eine Kuriosität: Pfeifenraucher in der DDR sahen sich ständig mit einem Mangel an Pfeifenreinigern konfrontiert, da sie sich wunderbar zum Basteln in Kindergärten etc. eigneten und rege benutzt wurden. Größere Mengen konnte man nur erwerben, wenn man verschiedene Tabakläden aufsuchte, oder man musste "Beziehungen" haben, damit man immer genug daheim hatte.
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Qualität der verkauften Pfeifen, sowie des verwendeten Holzes im Laufe der Zeit stark abnahm. In den 80'er Jahren waren Tabakpfeifen wohl hauptsächlich aus Buche o.ä. gefertigt. Im Umkehrschluss war die Qualität der Pfeifen in den 60'ern und 70'ern recht gut.
Die in der DDR erhältlichen Pfeifentabake...
waren zumeist aromatisierte Mixturen. Die verbreitesten waren: Prestige Gelb, mit Vanillearoma; Prestige Braun, mit Honig-Kakaoaroma; Prestige Grün, mit Whiskyaroma; Prestige Rot, mit Kirscharoma.
Der Prestige Gelb und Braun sind auch heute noch erhältlich, werden allerdings von Amphora hergestellt und vertrieben. Die Schnittart war eine Art "ready rubbed" und die verwendeten Tabake waren Black Cavendish sowie Virginia (Burley?).
Woher die verwendeten Tabake stammten lässt sich nur schwer sagen. Ich mutmaße, dass viele Tabake aus Sozialistischen Balkanländern, sowie aus Ungarn, Bulgarien und aus der DDR selbst stammten. Für die Shagpfeife, die wie bereits erwähnt in den 50'er und 60'er breite Verwendung fand, waren Feinschnitttabake wie z.B. Kolumbus oder Schwarzer Krauser erhältlich. Außerdem wurde noch eine Englische Mixture hergestellt, die sich Unitas Exellent nannte. Verwendete Tabake: Virginia, Orient und Latakia. Diese Mixture war allerdings nur sehr schwer erhältlich und bei weitem nicht so populär wie die Prestige-Tabake. Ausserdem soll sie sehr stark gewesen sein.
Hergestellt wurden diese Tabake höchstwahrscheinlich bei Nortak/Nordhausen und Unitas/Schwerin. Ab den 70'er Jahren gab es auch Lizenzproduktionen von Amphora Rot, Blau und Grün sowie Lincoln Cavendish.
In Delikat-Geschäften war auch der Stanwell Mild und Unitas Brigg erhältlich. Zum Unitas Brigg habe ich leider keine weiteren Informationen. Im Intershop konnte man auch importierte Tabake bekommen, wie z.B. die Amphora Tabakserie, Clan, Prince Albert, Half&Half sowie die Erinmore Mixture. Wer Verwandte in der BRD hatte, ließ sich manchmal Tabake mitbringen, da das Angebot, wie beschrieben, doch sehr eingeschränkt war. Durch dieses mangelnde Angebot konnte man sehr schnell einen Tabak "leid werden", doch Alternativen zu seiner Lieblingsmixture gab es schlicht nicht.
Flake-Tabake waren meines Wissens überhaupt nicht erhältlich, alle hier beschriebenen Tabake sind Mixtures.
Resümee
Die Pfeifenraucher in der DDR konnten erst nach der Wende wirkliche Tabakvielfalt ermessen, das Angebot war wie gesagt sehr eingeschränkt. Damit verhält es sich bei den Tabaken genau so wie bei dem Rest der in der DDR erhältlichen Konsumgüter, Lebensmittel usw. Letzten Endes hat also der Pfeifenraucher in Ostdeutschland von der Wende Anfang der Neunziger profitiert. Auch das Pfeifenangebot, sowie die Qualität der Pfeifen wurden erst nach der Wende besser, auch wenn alte Firmen wie z.B. Howal die Produktion einstellten. Im Gegenzug hat der Westdeutsche Pfeifenraucher nach der Wende von Pfeifenmachern wie Kallenberg eindeutig profitiert. Wobei es interessant ist, dass der Grossteil der Westdeutschen Pfeifen mit einem 9mm Filtersystem rauchten und Pfeifen aus ostdeutscher Produktion meist ohne Filterbohrung ausgeliefert wurden. Auch die Preise für Pfeifen waren in der BRD natürlich höher als in der DDR. Insofern mussten sich die ostdeutschen Pfeifenraucher umstellen. Doch mittlerweile hat sicherlich auch die Einheit im Rauchverhalten der größten Teile der Pfeifenraucher in den neuen Bundsländern Station gehalten und den "Siegeszug" des 9mm-Aktivkohlefilters (leider) weiter voran getrieben.