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Historisches Tabak Verarbeitung 1914

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Historisches: Der Tabak und seine Verarbeitung ca. 1914

Jörg Theling

Als Kolumbus 1492 Amerika endeckte, lernte er dort eine eigentümliche Sitte der Kubaner kennen, welche getrocknete Blätter einer Pflanze zu langen Röhren zusammenrollten und rauchten. Die Eingeborenen nannten diese Röhren "tabaco",und von diesem Worte stammt der heute für die Pflanze gebräuchliche Name "Tabak".
Im Jahre 1496, brachte ein spanischer Mönch die ersten Proben des Tabakes nach Europa, und im Jahre 1558 führte Don Francesco Hermandes, der Leibartzt Phillips II die Pflanze in größerer Menge in Spanien und Portugal ein. Zuerst jedoch wurde Sie nur als Arznei verwandt. So schickte der französiche Gesandte Nicot in Lissabon einige Proben seinem König Franz II. als gutes Heilmittel gegen Kopfschmerzen nach Paris, und die Wissenschaft hat ihm zu Ehren das im Tabak hauptsächlich wirkende Gift "Nikotin" genannt.

Das Verdienst jedoch, das Tabakrauchen in Europa eingeführt zu haben, gebührt dem englischen Staatsmanne Sir Walter Raleigh, der den Tabak aus der nordamerikanichen Kolonie Virginia nach England verpflanzte Man rauchte die Tabakblätter aus langen Tonpfeifen. Allmählich kam dann im 17 Jahrhundert an Stelle des Tabakrauchens das Schnupfen auf, und zwar zuerst in Paris. In allen Kreisen schnupfte man, und auch die Damenwelt wußte damals den Wert einer guten Prise wohl zu schätzen. Nach dieser günstigen Aufnahme, trat bald eine Rückwirkung ein. Sein Genuß wurde als etwas Unwürdiges, Unfeines verboten und in vielen Ländern mit Strafen geahndet. So wurde in Rußland auf das Tabakrauchen und Schnupfen die Strafe des Nasenabschneidens und der Verbannung nach (Richtig gelesen!) gelegt. In Berlin wurde dem jenigen, der sich gegen dieses Verbot verging, die Nase Nase durchstochen. Der Papst Urban VIII. erließ sogar einen Bann gegen die Tabakraucher, der erst von Innozens XII. wieder aufgehoben wurde. Im zweifelos nützlicher Weise Schritt Jakob I. von England gegen den Tabakgenuß ein, indem er als erster auf den Tabak eine hohe Steuer legte und so aus der menschlichen Genußsucht einen nicht unbedeutenden Gewinn für den Staatssäckel zu ziehen wußte. Auch in den deutschen Staaten war das Tabakrauchen auf den öffentlichen Straßen und Plätzen noch bis 1848 streng verboten. das Tabakkauen, das bei den Seeleuten schon lange im Gebrauch gekommen war, hat bei uns in den letzten 25 Jahren infolge der Steuerhöhung von 1878 sehr zugenommen, doch hat es in die besseren Gesellschaftsteile keinen Eingang finden können. Heute hat der Tabak die ihm gebührende Wertschätzung gefunden. Er ist nicht mehr ein Genußmittel für einzelne, sondern ist ein Volksbedürfnis geworden und von großer Wichtigkeit für Industrie und Handel.

(Ende erstes Kapitel) Quellverweis:
Der Tabak und seine Verarbeitung von Dr. Böhm
Verlag für Kunst und Wissenschaft Albert Otto Paul
Miniaturbibliothek Nr. 849
Preis 15 Pf.
Buchdruckerei und Graphik Leipzig 1914
Buchdruckerei Gutenberg Albert Paul, Leipzig

(20.12.2001)

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