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Artikel: Anbau, Pflege und Ernte des Calabash-Kürbis
Lothar Winands
Betrachten wir das versandbereite, getrocknete Produkt des verarbeitungsfertigen Kürbis, können wir kaum ermessen, welches Maß an Sorgfalt und Aufmerksamkeit seitens des Pflanzers bis zu diesem Stadium erfolgreich war. Das für die Pfeifenherstellung notwendige gebogene Wachstum ist nämlich durchaus kein natürlicher Vorgang. Es muss dem Kürbis "aufgezwungen" werden. Hierzu muss jeder einzelne Kürbis von Hand in eine für das gebogene Endprodukt nötige, vorteilhafte Stellung gebracht werden. Der Kürbis wird dazu leicht eingegraben und mehrfach in der Woche, dem Wachstum folgend, manuell gerichtet. Diese Pflege erstreckt sich über einen Zeitraum von etlichen Monaten. Das Richten muss am Anfang, kurz nach der Blüte der Pflanze, ganz behutsam vorgenommen werden, denn die noch sehr weiche Frucht bricht sofort bei der geringsten Überlastung. Auch wird sie durch Eindrücke und unachtsames Pressen unbrauchbar.
Während der Reifezeit bedrohen verschiedene Insektenarten, die das Fruchtfleisch anbohren wollen, die Pflanzungen. Durch sie kann ein Teil des Anbaus ohne weiteres zunichte gemacht werden. Ist der Kürbis reif zur Ernte, wird er gesammelt, und der für die Pfeifenfabrikation bestimmte Teil abgesägt.
In großen Bottichen, die bis gegen 500 Exemplare fassen, werden die Kürbisse etwa 12 Stunden lang ununterbrochen gesotten. Anschließend nimmt man sie heraus und muss sie nun von einer hartnäckig haltenden Haut befreien, die jeden Kürbis umhüllt. Diese Arbeit wurde früher von Hand gemacht und es ist interessant, dass eine Spitzenarbeiterin nicht mehr als hundert Stück in einem Arbeitstag schälen konnte. Heute allerdings hat man mechanische Vorrichtungen für diese mühsame Prozedur. Das verbleibende Fruchtfleisch muss aber immer noch von Hand entfernt werden.
Nach nochmaligem Waschen werden die Kürbisse schließlich gelagert. Dieser Prozess bedingt extremste Sorgfalt: Der leichteste Durchzug, unpassende Luftfeuchtigkeit und Lagertemperatur, lassen den Kürbis einreißen und als Folge davon bilden sich hässliche Narben.
Wird der Trocknungsprozess zu langsam vorgenommen, befällt ein Pilz die inneren Teile der Pflanze und macht ihn unbrauchbar zur Pfeifenherstellung. Trotz aller aufgewendeten Sorgfalt ist es deshalb sehr schwierig, nur makelloses und fehlerfreies Rohmaterial zu erhalten. Diesem Umstand trägt der Pflanzer Rechnung, indem er die Ernte in etwa 4 Qualitätsstufen unterteilt, bevor sie zum Versand gelangt. Dass all diese aufwendigen Arbeiten nicht um Gotteslohn gemacht werden, ist verständlich: Ein Kürbis kostet heute nicht mehr "Sixpence".
Die Art der Fertigung und die Eigenschaften der Calabash-Pfeife
Der für die Pfeifenherstellung bestimmte Kürbis wird durchbohrt, plangeschliffen, geglättet und poliert. Ein Korkring fasst den Einsatz aus Blockmeerschaum. Meerschaum selbst, mineralogisch eigentlich ein Magnesiumsilikat, verfügt seit seiner Entdeckung durch einen Budapester Schuhmachermeister über berühmte und unübertroffene Raucheigenschaften.
Ein kurzer Sattel aus Holz am dünnen Ende des gebogenen Stiels fasst mittels einer Bohrung das Mundstück. Dieses bestand in früheren Jahren fast durchwegs aus Bernstein, dem versteinerten Harz der Bernsteinkiefer. Weicher Biss, Geschmacksneutralität und die Schönheit des Materials berechtigten zu dieser Verwendung. Bernstein ist heute ein derart seltenes und teures Mineral, dass man an seiner Stelle Mundstücke aus Ebonit verwendet.
Raucheigenschaften
Form und verwendete Materialien bedingen zwangsläufig die Raucheigenschaften der fertiggestellten Pfeife. Sie sind einmalig! Der Blockmeerschaumeinsatz sichert der Pfeife das absolute Optimum an Entfaltung des Tabakaromas. Zusätzlich wird der Rauchstrom durch die Luftkammer im Kürbis und den langen Weg zum Mund gekühlt und gereinigt. Bitterer Tabaksaft, Schärfe und Zungenbrennen entfallen. Allerdings kann man feststellen, dass der gewohnte Tabak etwas verfeinert schmeckt. Es können deshalb ohne weiteres kräftigere Tabake der gleichen Geschmacksrichtung verwendet werden, ja man sollte dies sogar.
Dem fröhlichen Experimentieren sind hier keine Grenzen gesetzt! Die genannten Eigenschaften machen auch den Einbau von Filtersystemen unnötig. Die Calabash-Pfeife ist, wenn wir aus unserer Reserve gegenüber einer exotischen Form heraustreten können, eine ideale Ergänzung für jede Pfeifenkollektion, mag sie nun größer oder kleiner sein. Eine Calabash im Pfeifenschrank gewährt uns genussvolle Abrundung einer Mußestunde, begleitet uns gutmütig während des Lesens und ist als Folge ihrer Eigenschaften auch die ideale Pfeife für den Anfänger des Pfeifenrauchens.