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Artikel: Die Geschichte der Calabash-Pfeife
Lothar Winands
Unter all den traditionellen Tabakpfeifentypen, wie der Pfeifen aus Bruyereholz, der Wasser-, Meerschaum- und Tonpfeifen, hat sich bis heute der eigenartige Typus der Calabash-Pfeife halten können. Mit einigem Recht könnte man zwar diese Pfeifenart unter die Meerschaumpfeifen einreihen; sie weicht aber von der Erscheinungsform der Meerschaumpfeifen formal unübersehbar ab und wird deshalb als eigenständiger Pfeifentyp angesehen.
Es ist, wir sehen es auf den ersten Blick, die seltsame Form der Pfeife, die sie unverwechselbar prägt. Gewohnt in herkömmlichen "Pfeifendimensionen" zu denken, betrachten wir verwundert diese exotische, kelchartig geschweifte Rauchutensil, und unwillkürlich drängen sich uns Fragen auf. Fragen etwa über Herkunft, Funktion, Fabrikation und Raucheigenschaften. Dem interessierten Leser Aufschluss, Antwort und Information über den liebenswürdigen Pfeifentyp der Calabash zu vermitteln, ist der Sinn des nachfolgenden kleinen Exkurses.
Historische Reminiszenzen und Spekulationen
Schon seit undenklichen Zeiten und lange vor der Besiedlung des südlichen Afrikas durch die Buren, haben die ansässigen Eingeborenen den Kalebassenkürbis angebaut und zu mannigfaltigen Behältnissen genutzt. Die Verwendung des Kürbis als Pfeife lässt sich aber nirgends mit Sicherheit belegen. Selbst das erstmalige Erscheinen des Kalebassenkürbis als Pfeife in seiner heutigen Form ist nirgends genau verbürgt. Anstelle des sicheren historischen Nachweises über das erstmalige Erscheinen der Calabash-Pfeife tritt die Legende.
Die Herkunft der Calabash-Pfeife
Bereits im Namen gibt uns die Pfeife den Hinweis auf Ihren Ursprung. Der für die Fertigung benötigte Hauptbestandteil ist nämlich der im südlichen Afrika wachsende Calabash-Kürbis. Dieser dürfte seinen Namen von den im 16. Jahrhundert eingewanderten Hoftandem, den Buren, erhalten haben. Tatsächlich ist die sprachliche Verwandtschaft mit dem holländischen Wort "kalebas" als Synonym für Kalebasse und Flaschenkürbis unschwer zu erkennen.
Wahrscheinlich war es aber doch im Burenkrieg von 1899 - 1902 da die Pfeife zum ersten Mal in Truppen- und Bevölkerungsteilen geraucht wurde. Lokale Meerschaumvorkommen mögen das ihrige zur Entstehung des Typs beigetragen haben. Vielleicht dachte man sich die Pfeife in der Kriegsnot jener Tage als Ersatz für die schwer erhältlichen Bruyereholzpfeifen und entdeckt somit ganz nebenbei die vorzüglichen Eigenschaften des neuen
Produktes. Wir haben, wie gesagt, aus jener Zeit keine überprüfbaren Daten mehr zur Verfügung. Mit Sicherheit nachzuweisen ist nur, dass die Pfeife nach dem Ende des Burenkrieges keinesfalls wieder vergessen wurde. Im Gegenteil! Der Preis des verarbeitungsfertigen Kürbis stieg nämlich, ein Gradmesser für die schlagartige Beliebtheit der Pfeife, gleich um das Dreifache : Vom "Sixpence" auf achtzehn Pence je Stück. In der Nachkriegszeit damals ganz gewiss kein Pappenstiel. Im Jahre 1903 haben wir dann auch den ersten gesicherten Nachweis über den Export des Kürbis in englische Pfeifenmanufakturen: Ein neuer Pfeifentyp war geboren.