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Artikel: Holmbohrung aufbohren

Ralf Wassermann

Zu meinem Geburtstag habe ich von einer Nicht-Pfeifenraucherin eine Pfeife geschenkt bekommen.

Die Schenkerin hat sich sicherlich sehr viel Mühe gemacht beim Aussuchen. Das zeigt allein schon der Aufdruck der Verpackung, denn er stammt von einem Fachgeschäft.

Die Form der Pfeife ist auch absolut nach meinem Geschmack geraten und neugierig wie ich war, machte ich mich noch am gleichen Abend an das Stopfen um zu sehen, ob das neue Schätzchen sich genauso gut raucht, wie sie aussieht.

Aber was war das, habe ich beim Stopfen nicht aufgepaßt? Ich muß ziehen wie ein Stier, damit ich überhaubt etwas Rauch in den Mund bekomme. Also nochmal mit der Räumnadel den Rauchkanal freigestoßen, aber leider ohne Erfolg.

Es war eh schon spät am Abend, deshalb habe ich die Pfeife nach ein paar erfolglosen Zügen einfach liegen lassen und das Problem auf den nächsten Tag verschoben.

Als ich die Pfeife am nächsten Tag so ohne Tabak und Filter vor mir hatte, wurde mir die Ursache des Übels schnell klar: Die Bohrung des Mundstückes war zu eng und am Mundstück war die Bohrung zusätzlich durch einen Grat verschlossen.

Was tun? Einfach einen Bohrer nehmen geht nicht, denn es war zu allem Übel auch noch ein gebogenes Mundstück und "Kurvenbohrer" gibt es noch nicht, oder doch?

Lange stand ich mit dem Mundstück in der Hand in meiner Werkstatt vor verschiedenen Werkzeugen, aber keines versprach Erfolg, bis ich durch Zufall eine Fahrradspeiche in die Hand bekommen habe. Und da kam mir die Idee!!!

Also habe ich die Speiche auf eine handliche Länge abgeschnitten, damit sie beim Bohren nicht so "umherschlackert". Anschließend versuchte ich am Schleifbock der Spitze zumindest in etwa die Form einer Bohrerspitze zu geben, was mir auch gelungen sein muß, denn die Probebohrung in einem Holzbrett war erfolgreich.

Ich hatte somit einen "Kurvenbohrer" in der Hand, welcher in der Lage war, der Holmbohrung zu folgen und sie hoffentlich auf ein zugfreundlicheres Maß zu erweitern.

Also spannte ich den "Speichenbohrer" in die Bohrmaschine und befestigte die Maschine mit einer Schraubzwinge an der Werkbank, den ich wollte beide Hände frei haben.

Dann ließ ich die Maschine auf Höchstdrehzahl laufen und stütze dabei die Spitze der Speiche mit einer Hand ab, um sie zu stabilisieren. Mit der anderen Hand führte ich vorsichtig das Mundstück zur Speiche und, oh Wunder, die Speiche fraß sich ohne Anstrengung durch die krumme Bohrung und kam ohne Schwierigkeiten zum Mundstück wieder heraus.

Ich senkte beide Bohrungsenden noch mit einem konventionellen Bohrer an, welcher etwas größer als die Speiche (3mm) war und fertig war die Arbeit.

Seitdem kann ich mich auch an meinem letzten Neuzugang rauchenderweise erfreuen, ohne bei jedem Zug blau anzulaufen.

(16.05.2003)

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