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Pfeifen Lehrjahre

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Artikel: Lehrjahre

Georg Krall

Eine kleine Geschichte habe ich noch verfaßt über die erste Restauration einer Pfeife, die ich vor kurzem durchgeführt habe. Vielleicht findet der eine oder die andere daran erbauliches, erinnert sich eventuell sogar an eigene Erlebnisse. Ich hoffe, die Geschichte gefällt euch. Widmen tu ich sie euch allen, die ihr mir hier geholfen haben, eine neue Leidenschaft zu erschließen.

Jetzt ist sie also angekommen, die erste gebrauchte Pfeife, die ich bei ebay billig ersteigert habe. Die Alternative wäre ein Flohmarkt gewesen, aber wer steht am Samstag schon freiwillig zu nachtschlafener Zeit auf? Außerdem war das Ziel der Erwerbung ein billiges Übungsstück, mit der ich einmal eine Aufarbeitung eine Pfeife versuchen kann, ohne gleich eines meiner Liebingsrauchgeräte zu riskieren.
Also, zuerst einmal meiner BH klar gemacht, dass ich jetzt keinen Wildwuchs in der Sammlung anstrebe, dass dieses matte, dunkelbraune Trum mit dem matten Mundstück jetzt nicht mein Standard wird und das das überhaupt nur angeschafft wurde, um später einmal Geld zu sparen. Dann kann ich ja selber eine Aufarbeitung durchführen und muß nicht einen teuren Experten beauftragen. Mäßig überzeugt ist sie davongegangen, hat mich mit dem alten Pfeifenstück alleine gelassen.
Also wie war das, was sind die nächsten Schritte, was muß ich alles an Hilfsmitteln haben oder noch besorgen? Noch ein kurzer Blick ins Internet, daft befragt, google mit ein paar Stichwörtern auf die Suche geschickt und eine Liste zusamemngestellt. Nun, sehr feines Schmirgelpapier und Beize brauch ich noch. Wo zum Henker kriege ich Carnaubawachs her? Na, mal sehen, vielleicht hat es die Apotheke oder die Tante im Pfeifenfachgeschäft kann helfen.
Wie spät ist es jetzt, halb sieben? Da sollte der Baumarkt noch offen haben, hier in Wien schließt ja alles erst gegen sieben am Abend und dann kann ich schon einmal mit dem Abschleifen beginnen. Rein ins Auto und rüber. Fast die Nase angerannt, da der Laden ohne Gnade um 18:30 schließt. Frust. So voller Tatendrang und dann das.

Na gut, der Ehrgeiz kommt wieder und so wird der nächste Tag geplant. In der Mittagspause schmeiße ich mich in die U-Bahn und rausche zum Laden im Westbahnhof. Die Chefin ist nicht da, aber die beiden anderen Damen sind auch bemüht und ich lasse mich von der hinter mir rasch anwachsenden Menschenschlange nicht irritieren. Wer an Zigarettensucht leidet, der hat selber schuld! Außerdem geht es hier um die Zukunft MEINER Pfeifen, und da gibt es keine Gnade.
Zuerst einmal ist mir sofort aufgefallen, sie haben jetzt auch hier endlich die Papierfilter, die ich schon öfters nachgefragt habe. Dieser Widerstand ist also gebrochen, ich muß nicht immer zum Ostermann in die Innenstadt. Da geht also eine Packung gleich mit. Mit meinem Begehren nach Wachs überfordere ich die mir verbleibende Dame aber etwas. Zuerst will sie mir einen Schmierstift für den Holm verkaufen, den ich aber hartnäckig verweigere. Dann findet ich aber in den mir vorgelegten Dosen und Schächtelchen doch eine Dose Wachs für Pfeifenköpfe! Das Zeug ist zwar recht weich, aber mal sehen. Vielleicht hat hier die Technik doch einen Fortschritt gebracht und eine leichter verarbeitbare Variante auf den Markt gebracht.
Ach ja, da hinten im gut gefüllten Regal fällt mein Blick auf eine Packung Balkan Sobranie. Den kenne ich noch nicht, aber daft hat ihn sehr positiv bewertet. Was soll's, eine Packunggeht mit. Mal sehen. Wenn das Werk nicht gelingen will, dann stürze ich mich halt in einen Nebel des Vergessens.

Nächster Akt, Vorhang auf. Die Szene zeigt einen Baumarkt, mich und einen Mitarbeiter der Farbenabteilung. Welche Beize für Pfeifenköpfe aus Bruyereholz geeignet ist, da kann er mir leider nicht wirklich hilfreiche Auskünfte geben. Balkonverkleidungen und Holzhütten sind mehr sein Fach. Ich entscheide mich dann aufs gerate wohl für eine Beize auf Wasserbasis, Farbton Mahagony. Pinsel sowie Schleifpapier in verschiedenen Stufen gehen auch noch mit.

Jetzt aber ab nach Hause. Nach dem Abendmahl wird der Korken der frisch geöffneten Weinflasche gleich konfisziert (War ein guter Tip!), der paßt genau in die Kopföffnung. So, jetzt geht's ans abschleifen. Da ich nur einen normal ausgerüsteten Haushalt bewohne, besitze ich zwar eine Kaffemaschine aber keine Drehbank und leider auch keinen Schleifbock. Aber selbst ist der Mann, wozu habe ich zwei linke Hände? Nach einiger Zeit stelle ich mir die Frage, ob es eigentlich gut oder schlecht ist, dass das Holz so verdammt hart ist. Einerseits ist dadurch die Gefahr "tiefschürfender" Fehler nicht so groß. Andererseits wird es doch etwas mühsam dadurch. Meine BH schaut hin und wieder vorbei, schüttelt bedenklich den Kopf und füllt aber mitleidvoll das Weinglas neu an. Derweilen arbeite ich im Schweiße meines Angesichts weiter. Wenn ich den Stundenlohn hochrechne, dann erscheint eine Dunhill auf einmal als eine günstige Alternative. Der Vorhang senkt sich wieder, dahinter hört man noch leise das Schleifpapier über das Holz gleiten.

Einige Zeit später, am selben Abend. Nächste Szene. Ich halte einen matten Holzblock in den Händen. Die Form ist noch immer eindeutig als Pfeifenkopf zu erkennen, er war unheimlich resistent gegen meine Bearbeitung. Allerdings ist die häßliche Farbe jetzt weg, er hat anscheinend den Naturton wieder. Der nächste Schritt ist also das Beizen. Dies geschieht auch mit flottem Pinselstrich. Der Korken als Haltegriff erspart die gleichzeitige Mitbehandlung der Finger.
Allerdings gibt das Ergebnis zuerst einmal Anlaß zur Sorge. Die Beize überdeckt die, zugegebener Maßen nicht besonders tolle, Maserung des Holzes vollständig. Habe ich etwas falsch gemacht? Oder läßt sich die Oberfläche nach der Trocknung leicht aufpolieren, sodaß man wieder die Holzstruktur sieht?
Auch ist das Mundstück zwar nicht mehr braungrau sondern ziemlich schwarz. Aber leider vollständig matt. Hier ist also auch noch was zu tun.
Von solchen Sorgen und Zweifeln geplagt sinke ich in die Kissen des nächtlichen Lagers. Das Dunkel der Nacht breitet sich über die Bühne.

Der dritte Tag bringt wieder strahlenden Sonnenschein, welcher die Fragwürdigkeit des Zustandes des Objekts meiner Bemühungen gnadenlos ans Tageslicht bringt. Der morgendliche Beschau läßt mich etwas ratlos und mit Sorgenfalten ins Büro fahren.
Aber ein Alpinbewohner gibt so schnell nicht auf, er ist die Unpäßlichkeiten des harten Alltagslebens gewohnt. Somit beginne ich am Nachmittag damit, alle notwendig erscheinenden Utensilien auf die Terasse zu bringen. Um das Ereignis etwas aufzuheitern kommt auch noch eine meiner normalen Pfeifen zum Einsatz, eine Stanwell wird mit DTM Malthouse gefüllt. Zuerst einmal kommt wieder feinstes Schleifpapier zum Einsatz. Die Beize leistet wesentlich weniger Widerstand als das Holz und so tritt nach wenigen Minuten die Maserung wieder hervor. Aber was ist mit der Farbe? So ganz das kann es doch noch nicht sein. Jetzt wende ich mich einmal dem Mundstück zu. Eine Polierpaste habe ich, glücklicherweise auch eine kleine Maschine zum Schleifen und Polieren mit einigen Aufsätzen. Ich versuche es einmal mit einer Baumwollscheibe. Die verteilt zuerst einmal einen Teil der Paste in der Umgebung, bringt aber nach kurzer Zeit eine deutliche Verbesserung der Oberfläche. Ein Tip am Rande an alle Nachahmer: wer gleichzeitig Pfeife raucht und ein Mundstück mit Paste poliert, sollte auch nach kurzen Unterbrechungen den Überblick bewahren, welche Pfeife für welchen Zweck auf dem Tisch ist. Der Geschmack von Polierpaste ist nicht so besonders.

Aber jetzt weiter zur Politur. Nachdem es am Übergang zum Holm zum Mundstück fast nicht zu vermeiden ist, dass der Limes hier mit der Polierscheibe überschritten wird, hat sich auch ein Hoffnungsschimmer aufgetan! An diesen Stellen hat das Holz plötzlich einen angehem weichen Farbton und Schimmer bekommen. Ich werde doch wohl nicht etwa auf der richtigen Spur sein? Und tatsächlich, kaum zehn Minuten später halte ich eine matt schimmernde, Pfeife in der Hand, die kaum etwas mit dem Anfangsstück gemeinsam zu haben scheint. Sogar meiner BH gefällt sie jetzt und sie findet die Ropp Opera auf einmal schlank und elegant, die Farbe gefällig und die Oberfläche angenehm zum Anfassen. Herz, was willst du mehr? So ganz nebenbei ist die Pfeife jetzt auch zu einer von MEINEN Pfeifen geworden. Jetzt hoffe ich nur, dass sie sich auch noch im Echteinsatz bewährt, den Einsatz als Übungsobjekt hat sie jedenfalls gut weg gesteckt!

So, wenn ihr jetzt eine Idee habt, was die beste Beize ist, dann laßt es mich bitte wissen. Hier habe ich sicher noch nicht das Optimum gefunden. Danke im voraus

(18.07.2002)

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