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Artikel: Low-Budget Mundstück-Bastelei

Björn Hollensteiner

Seit einiger Zeit plagte mich bei einigen meiner Pfeifen das Problem, daß die Mundstücke den "Reinigertest" nicht oder nur mit sehr viel Fingerspitzengefühl bestanden. Das lag bei manchen Pfeifen daran, daß die Bohrung nicht weit genug war, bei anderen daran, daß der Pfeifenmacher beim Biegen des Mundstücks offenbar auch den Rauchkanal eingeengt hatte. Das führte in der Regel zu einem schlechten Zugverhalten der genannten Pfeifen und mithin zu Schwierigkeiten beim Rauchen. Da ich mit "luftigen" Pfeifen besser zurecht komme, traf diese Pfeifen das Schicksal eines Pfeifenschrankdaseins.

So recht hatte ich mich nie daran getraut, dem Abhilfe zu schaffen, was auch daran lag, daß ich die Anschaffung der dazu vermeintlich notwendigen Werkzeuge und Maschinen scheute. Kürzlich las ich jedoch auf der Seite vom Piepenhöker Rolf Osterndorff von einer Methode, des Problems Herr zu werden. Alles was man benötigt ist:

  • 1 - 2 Bohrer der gewünschten Rauchkanaldicke (eigentlich die einzige Anschaffung)
  • 1 Kombizange (hat fast jeder im Werkzeugkasten)
  • 1 scharfes Schälmesser oder Skalpell
  • 1 Pfeifenfeuerzeug
  • 1 weiches, nicht fusselndes Stofftuch
  • 1 rot-weißer doppelt armierter Pfeifenreiniger

Folgendes Vorgehen hat bei mir gut funktioniert und ist sehr einfach zu realisieren:

Das Mundstück habe ich von der Pfeife getrennt. Bei gebogenen Mundstücken habe ich zunächst einen Reiniger eingeführt, bis dieser an beiden Seiten herausschaute. Damit habe ich das Mundstück über der Flamme des Pfeifenfeuerzeugs so lange gedreht, bis es weich wurde. Mit dem Tuch habe ich es dann vorsichtig gerade gebogen, und fest werden lassen.

Danach habe ich den Reiniger entfernt und den Bohrer vom holmseitigen Ende her in das Mundstück eingeführt und angedreht. Sodann habe ich das Ende des Bohrers mit der Kombizange gefaßt und mit der anderen Hand das Mundstück "in den Bohrer" hineingedreht. Bei einem neuen scharfen Bohrer geht das erstaunlich gut. Der Bohrer findet problemlos seinen Weg an der bestehenden engen Bohrung entlang, bis er an der mundseitigen Öffnung ankommt. Man kann ruhig durch die schlitzförmige Öffnung durchbohren, das tut dem Zugverhalten keinen Abbruch. Danach langsam den Bohrer wieder rückwärts herausdrehen, wieder durch Drehen des Mundstücks, nicht des Bohrers selbst.

Wenn danach der Reiniger nicht gut läuft, kann man die Prozedur noch mal vom mundseitigen Ende aus wiederholen. Danach führt man den Reiniger wieder ein, befestigt das Mundstück wieder an der Pfeife, um beim Biegen wieder die alte Form und den Schwung hinzubekommen. Nun erhitzt man das Mundstück vorsichtig über der Flamme des Pfeifenfeuerzeugs und biegt es im Tuch wieder in die gewünschte Form. Gerade Mundstücke kann man natürlich ohne vorheriges Biegen aufbohren.

Zuguterletzt kann man nach Erkalten des Mundstücks, wenn nicht schon vorhanden, mit dem scharfen Messer noch eine Phase an der holmseitigen Bohrungsöffnung anbringen, in dem man das Messer schräg in der Bohrung ansetzt, und das Munstück einige Umdrehungen an der Messerschneide entlanglaufen läßt.

Mit dieser Methode habe ich einige meiner "Mauerblümchen", darunter auch die Viggo daft-Jahrespfeife 2002, so verbessert, daß sie sich nun wie meine bisher liebsten Pfeifen rauchen. Die oben beschriebene Methode ist ganz einfach und man braucht sich meiner Meinung nach gar nicht so viel Sorgen zu machen, daß etwas dabei kaputt geht. Vor allem kann man sich so eine teuere Nachbearbeitung des Mundstücks durch ein Fachgeschäft sparen.

Viel Spaß beim Ausprobieren und vielen Dank an den Piepenhöker für die Anregung und den Tip.

(07.07.2003)

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