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Pfeifen: Meine Reise in den Orient
Sven Königsmann
Alles fing damit an, dass ich meinem Stamm-Tabakhändler einen Besuch abstatten wollte. Ein Kauf war nicht geplant, einfach mal wieder ein wenig in den Schubladen wühlen, so war's gedacht.
Natürlich kam es anders.
Als ich den Laden betrat, zweifelte ich für einen Moment am Verstand des guten Mannes: Auf einem Verkaufstisch mitten im Geschäft gab es Wasserpfeifen nebst sämtlichem erdenklichen Zubehör zu besichtigen, kleine mit nur einem Schlauch, aber auch ein riesengroßes Monstrum, optisch hübsch anzusehen, annähernd so hoch wie ich - und sehr teuer.
Klar, dass man so ein Ungeheuer nicht alleine bedienen kann, deswegen sind auch vier Schläuche angebracht.
Ich wurde belehrt, dass "diese Dinger" derzeit sehr gefragt sind, daher wolle man der Nachfrage entsprechen - zudem sei das Rauchen daraus zwar ungewohnt, aber doch sehr angenehm.
Nun gut, ich hatte genug gesehen und wand mich wieder den "normalen" Pfeifen zu, durchstöberte die Auslagen.
Irgendwann jedoch ertappte ich mich doch wieder bei dem Tisch mit den Wasserpfeifen.
Tabak lag gleich daneben, um dem Kunden lästiges Suchen zu ersparen, so vermute ich.
Kleine Pappschächtelchen mit süßem Kraut darin, soviel konnte ich der Verpackung entnehmen - jedoch nur anhand der aufgedruckten Bildchen, denn die arabische Schrift kann ich beim beten Willen nicht lesen, auch nicht mit Brille.
In mir vertrauter Schrift ist nur zu erkennen: chebin el kom - made in Egypt.
Jaja, kleiner Mann auf der Schulter, versuchen wollen wir das einmal ;-)
Also das kostengünstigste Model für unter 20 Euro herausgesucht, immerhin, sieht nicht schlecht aus.
Wenns nicht schmeckt, kann man es ja in den Schrank stellen..
Alsdann, Tabak brauche ich, einmal den mit dem gemischten Obstkompott auf der Schachtel, und dann bitte noch den mit den Äpfeln.
Kohle ?
Ob ich Kohle habe ?!
Guter Mann ! Ich kaufe jetzt seit über 10 Jahren hier bei Ihnen und nie bin ich Ihnen auch nur einen Pfennig oder Cent schuldig geblie..
Für die Pfeife ?
Aha, soso, es muss also irgendwie Kohle in die Pfeife, natürlich hab ich das gewusst, ich wollte nur eben mal testen ob Sie auch - na lassen wir das.
Zuhause angekommen, wurde der ganze Zauber aus tausendundeiner Nacht natürlich sofort endmontiert .
Ich gebe zu, auf dem heimischen Küchentisch war bereits ein guter Teil des orientalischen Flairs verloren - vielleicht auch bedingt durch die Äußerung meiner Frau, wenn ich nun vor hätte Drogen zu konsumieren, nun, ich wüsste ja, wo die Koffer stehen..
Nein nein, Schatz, guck hier, das ist echter Nakhla Tobacco, aus Ägypten kommt er !
Zum Beweis packe ich den Tabak natürlich bereitwillig aus und - was ist denn das ??
Hat der Kerl mich doch übers Ohr gehauen!
Das ist kein Tabak, nie im Leben!
Das sieht aus wie das, was mein Sohn in der Windel hat, wenn er verzweifelt nach seinen Eltern ruft.
Es riecht aber besser. Wie Marmelade. Alte Marmelade.
Na, der Kleister wird nie brennen, das steht fest. Oder ob man dafür die Kohle .. ?
Nun, ich gehe das Ganze systematisch an, dafür bin ich bekannt.
Als erstes muss natürlich Wasser rein, logisch, daher der Name.
Ein Probezug, schließlich bin ich Pfeifenprofi:
Ah ja, zuviel Wasser, eindeutig. Zum Glück ist das Waschbecken noch in Reichweite... So, der Füllstand stimmt, es blubbert schön, aber kein Wasser im Mund, so soll es wohl sein.
Ich gebe zu, vor den nun folgenden Schritten der Vorbereitung habe ich im Internet nach Rat geschaut.
Der Tabak muss in den Pfeifenkopf.
Er fühlt sich ähnlich an, wie er aussieht, nicht angenehm, dafür ungeheuer klebrig.
Muss wohl so sein, heißt ja schließlich auch "Molasse".
Ich habe, streng nach Anweisung, den Kopf der Pfeife gefüllt, sehr locker und ohne in irgendeiner Form zu stopfen.
Obendrüber kommt Alu-Folie, die wird dann mit dem Taschenmesser perforiert.
Sieht schon ein wenig illegal aus, aber mir wurde versichert, dass das alles erlaubt sei.
Auf die Alufolie muss nun ein Stückchen von der speziellen Kohle gelegt werden.
Diese sei "selbstentzündend" , sagte man mir.
Stimmt aber auch nicht, man muss sie anzünden - dann allerdings fängt sie an, lustig zu zischen und zu funken.
Man sollte nun ein wenig warten, bis die Kohle durchgeglüht ist, wurde mir geraten.
Gut, das gibt mir Zeit, über das passende Getränk nachzudenken - ich entscheide mich für Kaffee.
Die Kohle verglüht im Übrigen sehr geruchsneutral, einen unangenehmen Geruch in der Wohnung braucht man nicht zu befürchten.
Aber noch habe ich ja auch nicht angefangen zu rauchen...
Erst wenn die Kohle anständig durchgeglüht ist, soll ich sie auf den Tabak bzw. die Alufolie legen.
Aber womit ?
Es gab Kohlenzangen zu kaufen im Laden, aber meine Sparsamkeit hatte mich überlistet.
Zum Glück sitze ich in der Küche und entdecke aus den Augenwinkeln die Spaghetti-Zange.
Also, Kohle drauf, mutig den Schlauch zwischen die Lippen geklemmt und saugen...saugen..
Das Geräusch, welches dabei entsteht, ist grausam:
Es klingt so, wie es bei Bruyère Pfeifen nicht klingen soll. Ein beständiges Blubbern und Gurgeln.
Aber:
Der Rauch ist sehr kühl.
Unglaublich kühl sogar. Sehr zungenfreundlich.
Und:
Es schmeckt.
Es schmeckt anders als gewohnter Tabak, sehr süß, fruchtig, aber auch ein ganz klein wenig rauchig.
Nicht unangenehm jedenfalls, eine völlig andere Art des Rauchens.
Ich bereue dieses kleine Experiment zumindest nicht - für den täglichen Bedarf werde ich jedoch weiterhin die Bruyère Pfeifen benutzen..
(27.10.2003)