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Artikel: Mundstücke reinigen
Georg Pohl
Mundstückpflege
Als ich zum ersten Mal einen Pfeifenraucher-Stammtisch besuchte, packte ich voller Stolz meine Schätze aus. Gut, es waren eher Schätzchen, aber stolz war ich trotzdem. Bis ich die Pfeifen anderer Raucher sah. Blitzblank, tiefschwarze Mundstücke, nix mit Bissspuren... und meine: abgenagt und angeknabbert, gräulich gelb bis grün, an der Spitze eher unappetitlich als verlockend. "Wie machen die das?" - Vor allem die Besitzer von Ebonit-Mundstücken kennen das Problem: kaum geputzt laufen die Teile an. In manchen Mundstücken scheinen Gras-Gene enthalten zu sein.
Beispielhaft möchte ich erklären, wie ein solches Teil wieder auf Hochglanz gebracht werden kann.
Was brauchen wir?
- Alkohol (70%) - Isopropanol aus der Apotheke
- Küchenkrepp oder Papier-Taschentücher
- Pfeifenreiniger
- Wattestäbchen
- Schleifpapier einer möglichst feinen Körnung (800er oder mehr) oder feine Stahlwolle
- einen Haushaltsreiniger auf Chlor-Basis
- Schleif- und Polierwachs
- "Poliermaschine" (das können natürlich auch die Finger sein)
Die Aktion dient vor allem zwei Zielen: die Pfeife soll wieder ansehnlich und das Mundstück wirklich sauber werden. Wer die Demonstration nachvollziehen möchte, dem sei empfohlen, zunächst mit einem billigen Teil zu üben, bevor man sich an die hochwertigen Exemplare gibt.
Warum sich Mundstücke verfärben und was kann man dagegen tun?
In Ebonit ist Schwefel enthalten. Er soll bei der Fertigung eine leichtere Bearbeitung ermöglichen, hat aber auch den Nachteil, für einer Verfärbung verantwortlich zu sein. Gut, grün ist eine schöne Farbe, und wer es mag...
Ich habe mir angewöhnt, als ersten Schritt das Mundstück in reinem Chlorix (Haushaltsreiniger auf Chlorbasis) zu baden. Nach etwa 20 bis 30 Minuten ist nicht nur die Verfärbung verschwunden, sondern auch der Schwefel soweit heraus gewaschen, dass es nicht mehr so schnell vergilbt. Eine längere Einwirkzeit erfordert ein sorgfältiges Kontrollieren, da durch massives Auslösen des Schwefels das Material spröde werden kann.
Nach dem Chlorix-Bad sollte das Mundstück unter fließendem Wasser gründlich abgespült werden. Ich hatte es einmal vergessen ... das Crossover danach allerdings nicht!
Alle Ablagerungen innen und außen sollten jetzt entfernt sein. Ein Test mit einem Pfeifenreiniger: fast sauber. Um es allerdings nicht nur sauber, sondern rein zu kriegen, kommt der Alkohol ins Spiel. Mit Pfeifenreiniger, Wattestäbchen und Küchenkrepp wird das Innere gereinigt und desinfiziert.
Und nun? Spuren verwischen
Schauen wir uns das Mundstück an: es ist zwar wieder richtig schwarz, aber stumpf und matt. Jetzt ist der richtige Moment gekommen, sich um Bissspuren zu kümmern. Hier kommt das Schleifpapier zum Einsatz. Vorsichtig wird die Oberfläche begradigt. Gegen ein feuchtes Schleifen ist nichts einzuwenden. Achtung: nimmt man zu viel Material weg, trägt dies zur Verkürzung des Mundstücks bei!
Nach Beendigung dieses Arbeitsschritts sollte die Bisskerbe möglich nicht mehr sichtbar sein. Es dürfen keine Riefen vom Schleifen zurückbleiben.
Aber jetzt! Es glänzt wie eine Speckschwarte
Hier scheiden sich jetzt die Geister. Wer Besitzer einer Poliermaschine ist, kommt mit relativ geringem Aufwand zu einem sehr guten Ergebnis. Wer es eher mit der Hand macht, könnte sich schon mal Handgelenkbandage umschauen.
Alternativ zur Poliermaschine kann man natürlich auch mit einem entsprechenden Aufsatz für eine Bohrmaschine in Verbindung mit einem Ständer arbeiten. Ist man kein absoluter Spezialist, sollte man nicht versuchen, mit einem Dremel oder ähnlichen Werkzeugen zu arbeiten.
Mit Schleifwachs (enthält winzige Putzkörper) wie die Oberfläche des Mundstücks fein planiert. - Als Alternative bietet sich für die Handarbeit eine Polierpaste für Mundstücke an; diese gibt es für ca. 3,00 EURO in kleinen runden Töpfchen im Fachhandel. Das Ergebnis ist zwar nicht ganz so gut wie an der Maschine und man braucht wesentlich mehr Zeit, aber es geht.
Als nächstes sorgen wir mit einer Wachspolitur (auf Carnauba-Basis) für den nötigen Glanz. Entsprechende Hilfsmittel gibt es auch für die Handpolitur. Viele Pfeifenraucher empfehlen, als letzten Schritt, einen Tropfen Olivenöl mit einem trockenen Tuch auf dem Mundstück zu verreiben. Es gilbt nicht so schnell nach. Da wir durch das Chlorix-Bad jedoch eine recht gute Tiefenwirkung erreicht haben, ist es nicht zwingend erforderlich.
Mit relativ wenig Aufwand haben wird jetzt ein Mundstück, das tiefschwarz und glänzend ist. Es wird länger diese Zustand beibehalten, die Reinigung wird in Zukunft leicht sein und wahrscheinlich wird die Pfeife auch noch besser schmecken.
Viel Spass beim probieren!
(14.03.2006)