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Artikel: Pfeife einrauchen
Joachim Acker
Da kommt man nun aus dem Pfeifengeschäft, hat sich eine wundervolle Pfeife gekauft, ist finanziell nahezu ruiniert aber ungeheuer glücklich mit diesem schönen Stück, dass nun in freudiger Erwartung des kommenden Rauchgenusses nach Hause geschleppt wird. Nun gilt's die Pfeife einzurauchen.
Was versteht man eigentlich darunter?
Nun, das Einrauchen einer Pfeife hat einzig und allein den Zweck im Innern des Pfeifenkopfes eine das Holz schützende Kohleschicht aufzubauen. Wir müssen bedenken, dass die Temperatur des glühenden bzw. glimmenden Tabaks so an die 800-900 Grad betragen soll. Heftiges Ziehen und Saugen erhöht die Temperatur noch um einiges.
Eine Kohleschicht schützt die Innenwände der Pfeife und nimmt zudem noch einen Teil der Feuchtigkeit die beim Abbrennen des Tabaks entsteht auf. Es ist heutzutage üblich, dass viele Pfeifen schon von Werk aus mit einer Einrauchschicht versehen sind. Diese Schicht soll den Vorgang des Einrauchens abkürzen bzw. nicht mehr nötig machen. Viele unserer Pfeifenkameraden entfernen diese Einrauchschicht mit verschiedenen Mitteln. Ob man dies tun will oder nicht bleibt letztendlich jedem selber überlassen. Ich persönlich lasse sie in meinen Pfeifen drin, rauche sie aber dennoch so ein, als ob die Paste nicht vorhanden wäre.
Wenn nun die Pfeife zum ersten Male gefüllt wird, ist es zweckmäßig man nimmt dazu eine geschmacksneutralen Virginia-Mischung. Ich verwende zum Einrauchen gerne den Escudo. Flakes und Plugs sind meiner Meinung nach nicht besonders Anfänger geeignet. Ungeeignet erscheinen mir auch besonders stark aromatisierte Tabake wie zum Beispiel der Erinmore. Für eine neue Pfeife ist so ein intensiver Geruch sehr prägend, raucht man später einen anderen Tabak macht sich der ursprüngliche Geschmack sehr bemerkbar, man spricht dann vom Crossover.
Nun soweit sind wir schon, nun geht's drum: wie fülle ich die Pfeife zum Allerersten mal?
Auch hier gibt es viele Ansichten und Meinungen: die Einen bevorzugen die 1-Drittel Füllung und steigern dann nach und nach die Füllmenge bis die Pfeife schließlich nach 8-10 mal ganz voll ist. Andere, darunter auch ich, stopfen die Pfeife gleich zu Beginn voll und rauchen sie dann sorgfältig und ohne Hast in vollkommener Ruhe und mit größter Geduld zu Ende. Damit habe ich auch gleich die Schlagwörter auf die es nicht nur beim Pfeifeneinrauchen ankommt genannt. Sie sind so wichtig, dass man es nicht oft genug wiederholen kann: Sorgfalt, Ruhe, Geduld! Bei den sich steigernden Füllungen ist aber zu bedenken dass die Temperaturverteilung in der Pfeife ungleich ist. Meiner Meinung nach ist dies ungünstig für das Holz, unter Umständen könnten da kleinste Risschen entstehen die später ein Durchbrennen der Pfeife begünstigen. Das man die Pfeife beim Einrauchen niemals ausgehen lassen soll _sie würde dann immer an der gleichen Stelle ausgehen und für immer und ewig verloren sein_ gehört in das Reich der Legende. Damit wurde ich Früher auch erschreckt und zog und saugte an der Pipe bis sich mir die Zunge aufdröselte und der Tabak nur noch sotterte. Also, wenn sie ausgeht, keine Panik: wieder anzünden und ruhig weiterrauchen. Das Anzünden kann mit Streichhölzern oder mit speziellen Pfeifenfeuerzeugen geschehen, ja nach Belieben. Wichtig ist, und ich betone es immer wieder: langsam und bedächtig ziehen, weder Tabak noch die Pfeife überhitzen. Wird der Tabak zu heiß erhöht sich die Kondensatmenge, die Pfeife beginnt zu nässen, sie gurgelt, schnorchelt und sottert. Die Folgen davon sind das gefürchtete Zungenbrennen, eine sehr unangenehme Begleiterscheinung der Hast.
Zum guten Schluss bleibt nur (im Idealfall) ein Ascherestchen in der Pfeife zurück, dieses rühre ich ein bisschen um und lasse es einige Minuten in der ausgerauchten Pfeife. Es kann so noch einiges an Feuchtigkeit aufnehmen, dann wird dieser Rest ausgeschüttet. Mit einem Pfeifenreiniger werden Mundstück und Holm von Innen gereinigt, dann gönnt man der Pfeife eine Ruhepause von allermindestens 24 Stunden in der sie austrocknen kann. Dann erst ist sie bereit für die nächste Füllung.
Noch eines gibt es zum Schluss noch zu bedenken: Am Anfang wird eine Pfeife nicht immer gleich den Wohlgeschmack bieten den man sich erhofft. Erst mit dem Fortschreiten des Einrauchprozesses kommen auch die geschmacklichen Besonderheiten des Tabaks zum Tragen. Die ganze Fülle des Erlebens hat man dann mit einer gut eingerauchten Pfeife, da ist man dann wirklich im siebten Pfeifenraucherhimmel.
(06.08.2000)