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Artikel: Pfeifen selbst machen

Thomas Enders

Hallo lieber Leser! Dies ist ein Erfahrungsbericht über meine ersten selbstgemachten Pfeifen. Ich kann jedem, der selbst Pfeife raucht, nur empfehlen, selbst einmal (wenn nicht öfter - es "packt" einen) das (fast) eigenhändige Anfertigen einer Pfeife zu versuchen. Für mich war und ist es ein großartiges Hobby, dass viele attraktive Teilbereiche in sich vereint: Arbeiten mit Holz - besonders die Oberflächengestaltung durch Schmirgeln, Ölen, Beizen und Polieren; die geistige Vorarbeit, die man sich mit den Gedanken über die Formgebung macht (oft durch das Erkennen der jeweiligen Maserung später noch beeinflusst); das Erfolgserlebnis der fertigen Pfeife nach der ganzen Knochen- bzw. Knöchelarbeit und natürlich das Bewusstsein, etwas Einzigartiges geschaffen zu haben, das neben seinem ansprechenden Äußeren auch noch nützlich ist, indem es einem zu passender Zeit Genuss verschafft.

Ich habe das deshalb so ausführlich und begeistert geschildert, weil ich auch und gerade solche Leser ansprechen möchte, die erst seit kurzem die Pfeife für sich entdeckt haben - wie ich: Ich rauche erst seit Anfang Juli 2004, bin mit Begeisterung dabei und auf d.a.f.t. durch eigene Internetsuche gestoßen. Vielen langjährigen DAFTlern ist es bestimmt bewusst, dass die Website auch immer wieder von "Neuen" besucht wird, die noch nicht viel Erfahrung mit dem Pfeifenrauchen haben (wie auch ich). Ich habe deshalb auch den etwas sperrigen Titel für den Artikel gewählt, der einem Google-Suchbegriff an Nächsten kommt.

Aber jetzt in medias res:

Dass es Hobbyblöcke/Bruyereholzkanteln zum Selberbearbeiten gibt, habe ich zuerst auf der VAUEN-Site gesehen: Vorgebohrt, mit Mundstück verschiedener Krümmung für 18,50 €. Ich ging nach dieser Entdeckung im August zum Pfeifenhändler in der Nähe (wie so viele mit Zeitschriftenhandel und Lottoannahmestelle gleich dabei - dass es anders geht, habe ich letztens in München bei "Pfeifen-Diehl" gesehen: Man fühlt sich wie beim Juwelier, heyhey, aber nicht gerade urgemütlich), dem ich meinen Wunsch eröffnete. Er: "Das sind wohl diese hier!", auf Katalogabbildungen weisend. Bestellt, eine Woche später da - für nur 15,50 €. Auf Nachfrage im Rahmen der nächsten Bestellung (im September): "Nein, bessere gibt's nicht. Die von VAUEN sind bestimmt nicht besser. Wüsste nicht, dass man woanders welche bekommt." Hm, nahm mir ein Herz und fragte Rainer Barbi per Email, der mir dann prompt DANPIPE empfahl. Vielen Dank an dieser Stelle! Ich bestellte bei DANPIPE per Email den Katalog und im Oktober daraus einen Bruyere-Plateaublock (Straight Grain - endlich!). Diesen hier:

Später im November noch zwei "normale" Blöcke, diese hier:

Auch die beiden hatten je eine wesentlich ansehnlichere Maserung als die ersten. Ich kann DANPIPE also nur wärmstens empfehlen, natürlich auch hinsichtlich des gesamten übrigen Angebots und vor allem des wunderschönen Katalogs wegen (Pfeifenabbildungen in Originalgröße).

Bevor ich weiter unten auf meine Pfeifen einzeln eingehe, hier erstmal Allgemeines: Wie sich aus dem bisher Gesagten ergibt, müsste ich eigentlich eher von "Pfeifenkopfendgestaltung" sprechen als vom "Pfeifenmachen", denn mir fehlen die Mittel, wirklich alles selbst zu machen. Meine Hinweise beschränken sich deshalb auch auf die Bearbeitung des Bruyereholzblocks.

Wenn ich so ein Ding bearbeiten will (ich habe bisher fünf Stück gemacht), ziehe ich mir erst einmal alte Sachen und Arbeitshandschuhe an, um mich gegen das umherfliegende Sägemehl, aber vor allem, um meine Fingerspitzen gegen die doch manchmal ausrutschende Raspel zu schützen (klappt nicht immer, weil ich nicht immer an die Handschuhe denke). Neben der erwähnten (normalen) Raspel, mit der ich dem Holz - nach Abnahme des Mundstücks - zuerst zu Leibe rücke, benutze ich eine weitere, etwa kleinfingerdicke runde Raspel für die Einbuchtung zwischen Holm und Korpus (den Teil, auf den ich blicke, wenn ich die Pfeife im Mund habe) und eine etwas weniger grobe Holzfeile, wenn ich mich der gewünschten Form nähere. Zwischendurch wässere ich immer wiedermal das Holz, um zu sehen, wie die Maserung verläuft. Anders als bei Freehandern, die über die komplette Formgebung der Pfeife gerade anhand der Maserung entscheiden, hat man bei den vorgebohrten natürlich nicht die Möglichkeit, den Holzblock etwa um 90 Grad zu kippen, weil das mit der Lage der Maserung korreliert. Dennoch halte ich das Wässern für nützlich, um sich über den Maserungsverlauf auf dem Laufenden zu halten und zumindest gewisse Aspekte der Formgebung darauf abzustimmen.

Es ist sehr wichtig, die groben Raspeln früh genug wegzulegen, damit man sich nicht zu tiefe Riefen in den Korpus macht. Ich habe anfangs ein paar Mal nach dem Schmirgeln, Ölen und Beizen fststellen müssen, dass da doch noch eine Furche war (anhand der zusammengelaufenen Beize nun besser erkennbar), wegen der ich das Holz nochmal soweit abtragen musste, wie die Furche tief war. In einem gewissen kleineren Rahmen kann man das jedoch nicht von vornherein ausschalten, da hilft nur erneutes Feilen, Schmirgeln und Polieren.

Auch durch eine dunkle Beize kann man manche solcher kleinen Stellen vertuschen. Das versuche ich aber möglichst zu vermeiden, denn ich möchte ja auch stolz auf das Endprodukt sein.

Nachdem ich in enervierender Fleißarbeit den zuvor viereckigen Plateaublock um einiges seines Gewichts erleichert hatte, sah er schließlich so aus:

Etwas später:

Dann, fast zum Schluss:

Die zuletzt erstandenen Blöcke:

Für die feineren Arbeiten nehme ich, wie gesagt, zuerst eine Holzfeile, dann Schmirgelpapier in immer feinerer Körnung (100 bis 400). Zum Ende hin benutze ich noch einen Schleifschwamm aus dem Baumarkt, der aber im Gegensatz zu den meisten anderen aus Kunststoff besteht und sich wesentlich weniger kratzig anfühlt als seine Stahlwollekollegen. Sonst könnte man ihn aufgrund der Unregelmäßigkeit der Strukturierung (gegenüber dem Schmirgelpapier) kaum zum Glätten nehmen.

Wenn der Pfeifenkopf schießlich die gewünschte Form und Glätte hat, sollte man ihn besser noch einmal wässern, damit sich die Holzfasern ein letztes Mal aufstellen (es fühlt sich danach immer noch ein wenig rauher an, an man für möglich gehalten hätte)und abgeschmirgelt bzw. besser: wegpoliert werden können.

Ich nehme dann gewöhnliches Olivenöl aus der Küche, das die Maserung ähnlich wie das Wasser deutlich zum Vorschein bringt, aber nicht trocknet (und verschwindet) wie dieses. (Meist kommt hier die Erkenntnis, dass man doch noch mal nacharbeiten muss.)

Wenn endlich alles gefällig ist, kann man beizen. Ich sage "kann", weil ich mit dem bloß geölten Zustand meiner beiden ersten Exemplare durchaus zufrieden bin und bei beiden schon aufgetragene Beize wieder vollständig weggeschmirgelt habe.

Das Wegschmirgeln ging wohl deshalb so leicht, weil es sich um die herkömmliche "Aqua Clou"-Beize aus dem Baumarkt handelte (auf Wasserbasis). Die machte auf mich den Eindruck, keine große Tiefenwirkung zu haben. Ich habe mir bei DANPIPE auch andere Beizen bestellt und verwendet. Diese sind auf Alkoholbasis und dringen ziemlich gut ins Holz ein. Dessen sollte man sich vot deren Verwendung bewusst sein: Man müsste ziemlich viel abschmirgeln, wenn einem die schwarze Kontrastbeize auf einmal nicht mehr zusagte!

Meiner Ansicht nach hat beides seine Vorteile: Die DANPIPE-Beizen eignen sich hervorragend zum Kontrastbeizen, weil so die dunklere Beize, die zuerst aufgetragen wird, gut ins Holz einzieht. Die AQUA CLOU-Beize kann man dagegen als zweite, hellere Beize nehmen. Zudem lässt sie sich hervorragend auf Hochglanz polieren! Ich benutze zum Polieren ein Schuhpoliertuch (es gibt natürlich wesentlich bessere) und bin erstanut, wie sehr die Pfeifen glänzen. Die DANPIPE-Beize kommt direkt mit Pinselchen im Deckel, die AQUA Clou-Beize trage ich mit einem kleinen Schwamm auf und wische mit ein paar Blättern Toilettenpapier noch einmal drüber, damit sich keine "Nasen" bilden. Man sollte bei der AQUA CLOU-Beize mit dem Auftragen einer neuen Beizschicht warten, bis die vorherige Schicht trocken ist, sonst wischt man mit dem Schwamm die frühere mit weg! (Ähnlich wie beim Edding auf glattem Untergrund.)

Die Glanzschicht ist nicht unangreifbar: Feste Stöße auf harten Untergrund können unschöne matte Stellen hinterlassen; das kann bereits dann passieren, wenn einem die Pfeife aus 25 cm Höhe auf die Holztischplatte fällt (ähem...).

An den Kanten muss man beim Abschmirgeln der Grundbeize sehr behutsam sein, wenn man eine durchgehende Farbgebung möchte und deshalb helle Ränder vermeiden will.

Tja, was noch? Die Mundstücke sind bereits vorhanden, glänzen (fast alle) schön und sollten deshalb IMMER vor jeglichen Schmirgeln oder Schleifen abgenommen werden. Polieren schadet vielleicht nicht, aber: Lieber ohne Mundstück! Übrigens ist am schönsten Holz, dem Plateaublock, das einzige Mundstück dran, das NICHT glänzt, sondern matt ist und Grate aufweist. Das Mundstück ist jedoch auch aus Ebonit, also schwarzen Hartgummi, und nicht aus dem üblichen Acryl. Es gibt für Mundstücke spezielle Politur, und sollte ich dafür mal Zeit haben...

Das Polieren kann man natürlich statt mit einem Poliertuch viel schneller und einfacher mit einer Bohrmaschine vornehmen, auf die man einen Polieraufsatz montiert, wie man ihn im Baumarkt oder bei gewissen Pfeifenversandhäusern bekommt. Werde ich mir wohl auch mal irgendwann zulegen.

Ach ja, Spots: Die kleinen Stellen im Holz, die die Maserung versauen (Entschuldigung für die Wortwahl!). Da gibt es nur Eins: Wegfeilen oder gar -raspeln, bis sie weg sind. ES SEI DENN natürlich, ein weiterer Substanzverlust könnte der Pfeife nicht mehr zugemutet werden. Dann hilft nur ein anderes: Tolerieren und sich bewusst sein, dass die meisten Nichtpfeifenraucher solche Stellen (je größer sie sind!), lustigerweise gerade sehr schön finden. Das gibt einem dann so ein Einäugiger-unter-Blinden-Gefühl.

Weil die Pfeifen auch nicht mit Einrauchpaste versehen sind, muss man entweder darauf verzichten und sich auf das eigenhändige Einrauchen einlassen oder man besorgt sich Einrauchpaste und trägt die auf (gibt's auch zu kaufen, kann man sogar selber machen). Bevor ich mich hier verabschiede und noch ein paar Bilder der fertigen Pfeifen präsentiere, kann ich allen, die bis hierhin durchgehalten habe, nur erneut das (kleine) Abenteuer ans Herz legen, es auch einmal zu versuchen, und hoffe, mit dem oben Ausgeführten etwas zur Vermeidung von Fehlern und zum besseren Verständnis beigetragen zu haben.

Thomas Enders

Meine Erste:

Weist fast keine klassische Maserung auf, nur ein paar vereinzelte Vogelaugen. Allerdings kein einziger Spot. Wohl aus irgendeiner Ungegend der Bruyereknolle geschnitten. Sah zu Anfang noch anders aus: Dicker, mit je einer seitlichen Kerbe vom Mundstück in einem Bogen bis an den oberen Rand, dazu noch ein kleiner Knubbel an der Vorderseite, damit sie besser in der Hand ruhen sollte. Das kann man ruhig unter "Austoben" verbuchen. Mittlerweile genügt mir die bloße Form ohne Applikationen oder Kuriositäten. Die Zweite:

Ebenfalls nur geölt, aber dunkleres Holz. Ein ziemlich schwerer Schaden am oberen Rand, aber wegschmeißen wollte ich sie deshalb nicht. Sehr dynamische Maserung. Die Metallringe an dieser und der ersten habe ich von meinem Pfeifenhändler geschenkt bekommen. Sie sind jahrzehntealt und dienten früher zur Vorortreparatur von Holmrissen. Passet ganz gut und war nüttzlich, denn durch das Schleifen, Polieren (und vorher Abrutschen mit der Raspel) war der Holm etwas abgerundet und schloss so nicht mehr ganz bündig mit dem Mundstück ab.

Meine Dritte:

\\

Schade, dass das Mundstück nicht gebogen ist. Die Keilform wurde durch die Maserung vorgegeben. Einen Plateaublock, bei dem die Maserung genau anders verläuft, müsste man sich wohl als Spezialanfertigung machen lassen können.

Nummer 4:



Schöne Maserung, leider starke, nicht wegzubekommende Schäden an der rechten Seite. Habe durch die dunkle Beize einiges Retten können.

Nummer 5:

Im Bild die Obere. Quasi die Schwester von Nummer 4. Von der Maserung her nicht so interessant, habe mir mit der Kante deshalb etwas einfallen lassen. Weil ich sie verschenkt habe, konnte ich sie jetzt nicht mehr einzeln fotografieren. Siehe dazu auch das 5. Bild von oben.

Und zuletzt:

Alle meine Selbstgemachten (besitze noch eine andere, meine erste Pfeife, von Courrieu aus Cogolin).

Meine Gerätschaften

(12.11.2004)

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