zurück
Pfeifentabak: Die richtige Feuchtigkeit
Detlev Büscher
Aufgrund aktueller Tabakbefeuchtungserfahrungen möchte ich gern ein paar Worte zu diesem Thema verlieren. Denn bei der geschmacklichen Beurteilung eines Tabaks wird oft vergessen, welchen unglaublich grossen Anteil der Feuchtigkeitsgehalt am Entstehen oder Ausbleiben des Rauchgenusses hat.
Viele Raucher haben schon die Erfahrung gemacht, dass der eine oder andere Pfeifentabak frisch geöffnet nicht so recht munden will. Sie öffnen eine Dose, schnuppern mal kurz und legen sie dann erstmal wieder für ein paar Tage zur Seite.
Ich erinnere mich u.a. an den Benson & Hedges Mild Flake. Nachdem mir letztens der OGS ausgegangen war, habe ich meine erste Dose Mild Flake geöffnet und leider auch umgehend probiert. Während der ersten drei Pfeifen habe ich mich wirklich gefragt, nach was der Tabak denn nun überhaupt schmeckt. Ein paar Wochen später (hier ist immer ziemlich viel Tabak offen) hatte der Mild Flake deutlich Feuchtigkeit verloren, obwohl er mir anfangs auch nicht gerade besonders feucht zu sein schien. Inzwischen fasste er sich aber schon etwas spröde an und ich fürchtete, er sei vielleicht schon zu trocken geworden. Da ich aber unterwegs war, diesen Tabak eingepackt hatte und nun auch gern rauchen wollte, stopfte ich mir damit eine Pfeife und wurde ein wenig später von der typischen VA-Ekstase erfasst, die immer dann aufkommt, wenn man einen guten VA-Flake in der Pfeife hat. ;-) Durch den Verlust von Feuchtigkeit hatte der Tabak dermaßen an Geschmack gewonnen, dass wirklich nichts mehr an die ersten drei Füllungen erinnerte. Aus dem nichtssagenden Rauchkraut war ein echter Geschmackshammer geworden.
Umgekehrt ging es mir mit der kürzlich erworbenen Ladenhüterdose Dannebrog. Der Tabak war eindeutig zu trocken und liess sich nur sehr schwer stopfen. Eine Pfeife rauchte ich trotzdem, ich war einfach zu neugierig. :-) Geschmacklich ging es einigermassen, Begeisterung kam allerdings nicht auf, man merkte allenfalls ein wenig vom Potential des Tabaks, wenn die Feuchte stimmt. Nachdem ich ihn etwas befeuchtet hatte, er fasste sich immer noch eher trocken an, probierte ich ihn und schwelgte danach in höheren geschmacklichen Sphären und bedankte mich im Geiste bei jedem D.a.f.t.'ler, der sich in letzter Zeit lobend über diesen Tabak geaussert hatte. :-) Aber ein bischen feuchter kann er noch, dachte ich mir. Gesagt getan und - falsch gedacht. Jetzt fühlt sich der Dannebrog zwar wieder wie mancher fabrikfrische Tabak an und duftet auch sehr verführerisch, doch der begeisternde Geschmack hat sich komplett verabschiedet. Es macht definitiv keinen Sinn, den Tabak in diesem Zustand zu rauchen. Er ist einfach nur noch nichtssagend süss mit ein wenig Würze im Hintergrund und zeigt sogar Schwächen im letzten Drittel. Am Anfang der Füllung, ebenfalls ein Zeichen für zuviel Feuchtigkeit, trat der Effekt auf, dass die glimmende Füllung kaum Rauch zu produzieren schien. Nicht, dass jetzt jemand glaubt, der Tabak wäre bereits triefend nass gewesen. Obwohl das Anzünden mit einem Streichholz nur ein kleines Glutnest hinterliess, konnte ich die gesamte Füllung tabakrestfrei bei moderaten Temperaturen abrauchen, ohne dass mir die Pfeife ausging.
Wenn also ein Tabak alles andere als zufriedenstellend schmeckt, sollte man, bevor man ein endgültiges Urteil fällt, zuerst mit verschiedenen Feuchtigkeitsgraden experimentieren. Und zwar eher mit einer leichten Tendenz in Richtung zu trocken als zu feucht.
(05.07.2003)