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Pfeifentabak Die Tabake

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Pfeifentabak: Die Tabake

Wolf-Rüdiger Jürgens

Oft wurde hier in der Newsgroup schon nach den verschiedenen Tabakarten, ihren Eigenschaften und ihrer Herkunft gefragt. Ich habe hier eine grobe Übersicht zusammengetragen die meist auf verschiedenen Informationen aus dem Internet basiert.

Virginia

Virginia ist, neben Burley, die wichtigste Tabakart, die heute im Pfeifentabak benutzt wird. Ungefähr 60% des Welttabakanbaus ist Virginia. Die Hauptanbaugebiete sind in den USA, Südafrika und Indien. Virginia ist von allen Tabaken der mildeste und hat den höchsten Gehalt des natürlichen Traubenzuckers, der ihm einen hellen süßen Geschmack gibt. Virginia wird in praktisch allen Mischungen benutzt, brennt gut ab und ist leicht zu entzünden. Der reine Virginiatabak ist bestens bekannt von den Flakes. Samuel Gawiths Best Brown Flake ist ein guter Vertreter dieses Typ's, aber auch der neue Mac Baren "Only Tobacco" gibt einen guten Eindruck vom Virginia. Ebenso einige Mischungen von Rattray. Marlin Flake z.B., der einen etwas schwereren Virginiatyp vermittelt, aber noch sehr süß ist. Der dänische Hersteller A&C Petersen hat den blauen Caledonian im Programm. Mild bis Medium in der Stärke und dazu einen reinen Geschmack des Virginiatabaks.

Burley

Burley ist der nächste populäre Pfeifentabak. Er enthält fast keinen Zucker, ist zum einen viel trockner und gibt ein volleres Aroma als Virginia ab. Sein Nikotingehalt ist höher als der vom Virginia. Burley wird in vielen aromatisierten Mischungen verwendet, weil er die Soßen gut aufsaugt. Burley brennt langsam und ist kühl im Rauch. Daher wird er oft zu den Mischungen hinzugefügt, die dazu neigen, schnell und stark abzubrennen. Burley wird fast immer luftgetrocknet. Dieses "air-curing" wird in großen, geöffneten Ställen , durch die ein natürlicher Luftstrom für ein oder zwei Monate erfolgt, praktiziert. Die Farbe reicht von hellbraun bis zu Mahagoni. Reine Burley-Mischungen werden hauptsächlich von den USA und von den dänischen Firmen produziert. Mischungen wie MB London oder Half&Half sind klassische Beispiele. Burley ist auch der Hauptbestandteil in den meisten dänischen Mischungen von MacBaren.

Zusatz von Björn Hollensteiner:

Ich habe noch ein wenig in den Büchern geblättert. Dabei fiel mir auf, dass Hacker z.B. dem Burley gerade kaum Eigengeschmack zuspricht, was zusammen mit der von Dir erwähnten guten Aufnahmefähigkeit für Aromastoffe seine hohe Eignung als Mischungsbestandteil von Aromatabaken ausmacht. Sicher wird es aber auch dort Sortenunterschiede geben.

Würztabak

Würztabak ist nicht wirklich eine Art des Tabaks, eher eine Zusammenfassung von verschiedenen Tabaken unter diesem Begriff. Sie umfasst Orientals, Latakia, Perique und Kentucky. Die meisten von ihnen werden häufig in den englischen Mischungen benutzt.

Zusatz von Björn Hollensteiner:

Zu den Würztabaken sind vielleicht (wenn auch selten verwendet), noch Maryland und Java zu zählen.

Maryland

Angebaut im gleichnamigen US-Bundesstaat, hat er eine kräftige braune Farbe und wird zur Aufwertung der Raucheigenschaften anderer Tabake (z.B. Burley) verwendet. (Quelle: Hacker: "Die Kunst, Pfeife zu rauchen") Java:

Grundbestandteil alter niederländischer Mischungen, gemischt mit Maryland und anderen US-Provenienzen ergibt sich ein Geschmack, der an alte Krüllschnittabake erinnert. (Quelle: Pollner: "Pfeiferauchen leicht gemacht")

Orientals

Eine Art des Tabaks, gewachsen in der Türkei, auf dem Balkan und Russland. Die am bekanntesten Arten sind Izmir, Samsun, Yenidze, Cavella, Basma und Bursa. Eine gemeinsame Eigenschaft ist ein staubiges, trockenes und manchmal etwas säuerliches Aroma. Einige von ihnen werden auch in "orientalischen" Zigaretten aus Ägypten und anderen arabischen Ländern benutzt.

Latakia

Latakia ist das Resultat eines speziellen Trocknungs-Prozesses, das "Feuertrocknen" (fire-curing) welches einen kontrollierten Abbrand aromatischen Holzes und wohlriechender Kräuter bezeichnet. Latakia ist der weithin bekannteste Gewürztabak. Hauptsächlich wächst er in Zypern und in Nordsyrien aber auch in der Türkei. Nachdem er geerntet ist und getrocknet ist , wird er in fest geschlossene Ställe gehängt und dem Rauch ausgesetzt. Auf kleiner Flamme rauchende Feuer der Eiche und der Kiefer füllen den Stall mit Rauch und der Tabak wird sozusagen geräuchert. Latakia produziert einen sehr reichen, schweren Geschmack, mit einem hocharomatischen und rauchigem Touch. Latakia ist ein unentbehrlicher Bestandteil der traditionellen englischen Mischungen. Der Latakia-Anteil kann von einigen Prozent bis ungefähr 40-50% oder sogar mehr schwanken. Beispiel sind Dunhills 965, Early Morning und London Mixture von Dunhill, Red Rapparee und Black Mallory von Rattray. Seven Reserve von Rattray hat einen gemäßigten Anteil von Latakia und eignet sich gut als Einstieg in diese Art von Mischungen. Bengal Slices oder Danpipes Discovery sind Flakes mit Latakia.

Perique

Perique ist ein roter Burley Tabak, gewachsen und verarbeitet in St. James, Louisiana nahe New Orleans. Perique ist ein seltener, langsam brennender, streng schmeckender und starker Tabak. Die Produktion ist klein, sein Verkaufswert ist ziemlich hoch. Perique wird wie Burley, aber während einer kürzeren Zeit getrocknet. Er in großen Eichen- oder Zypressen-fässern unter starkem Druck gepresst. Dabei unterstützt der entstehende Saft die Fermentation. Hin und wieder wird er herausgenommen dann wieder neu eingepackt und weiter fermentiert. Dieser Prozess dauert mindestens ein volles Jahr. Manchmal sogar länger. Dadurch bekommt der Tabak ein volles Aroma. Der Nikotininhalt ist groß, normalerweise kann Perique nicht pur geraucht werden. Wegen seines vollen Charakters, wird Perique in kleinen Mengen in den Mischungen verwendet. Ungefähr 5% in einer Mischung ist das Maximum. Er wird normalerweise mit Virginia gemischt, um ihm mehr Körper zu geben. Escudo ist ein guter Repräsentant einer Virginiamischung mit Perique. Dunhills Elizabethan Mixture ist ein ebenfalls ein gutes Beispiel von Virginia gemischt mit einem Touch von Perique.

Zusatz von Björn Hollensteiner:

Auch hier wird der Frickert/Behrens deutlicher. Die genaue Herstellung wird von den Firmen heutzutage geheim gehalten. In einem alten Rezept finden sich für die Herstellung von 400 kg Perique-Tabak: 9 Liter Rum, 4,5 Liter Essig, 0,5 Liter Baldrianmixtur, 30 Gramm Anisöl, 0,5 Liter schwarzer Kaffeextrakt, 30 Gramm gemahlene Gewürznelken, 30 Gramm gepulverter Zimt, 1 Kilo Süßholzextrakt und etwa 22,5 Liter Wasser (Frickert/Behrens "Mit vollem Genuß Pfeife rauchen", S. 129).

Zusatz von Uwe Hesse:

Zum Perique würde ich noch erwähnen, dass dieser seltene Tabak in Pflaumensaft unter Druck gelagert wird, siehe www.perique.com

Kentucky

Dieses ist ein besonders behandelter Burley, produziert in Kentucky. Anders als Burley ist Kentucky fire-cured. Sein Aroma ist nicht so schwer wie beim Latakia, aber sehr aromatisch und einzigartig. Der Nikotininhalt neigt, ziemlich hoch zu sein und daher wird er nur in begrenzten Mengen verwendet.

Havanna

Kubanische und andere Zigarrentabake werden in einer begrenzten Anzahl von Virginiablends und Mischungen benutzt.

Cavendish

Cavendish ist mehr eine Methode zum Behandeln des Tabaks als eine Tabakart. Klassische englische Cavendish's verwenden dunklen Luft- oder Feuer-getrockeneten Virginia der für einige Tage oder Wochen unter Druck fermentiert und gereift wird. Cavendish kann aus beliebigen Tabakarten produziert werden (hauptsächlich wird jedoch Virginia und Burley verwendet). Der ursprüngliche englische Cavendish wird aus Virginiatabak produziert, der etwas geflavourt und durch hohen Druck erwärmt wird. Dieses gibt einen sehr dunklen, schwarzen Tabak. Einige typisch englische Cavendish Mischungen sind Rattrays Dark Fragant und Black Virginia sowie der Maduro von McConnell.
Die moderne Version von Cavendish (auch als Black Cavendish bekannt) ist im Allgemeinen stark aromatisiert. Der natürliche Geschmack des Tabaks geht dabei meist verloren. Die Aromatisierung wird auch "Casing" genannt. Dieses ist die gebräuchliche Bezeichnung, wenn eine beträchtliche Menge von Zusätzen dem Tabak zugefügt werden. Das wird normalerweise getan, indem man eine flüssige Mischung des Zuckers, der Lakritze oder irgendeiner Art Aromen produziert, in denen der Tabak getränkt wird. Das Ziel ist, einen süssen und weichen Geschmack zu produzieren. Moderner Cavendish kommt mit zahlreichen Aromen, Kirsche, Vanille, Rum, Schokolade, Erdbeere, Kokosnuß und viele andere.

(10.12.2001)

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