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Pfeifentabak Escudo

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Pfeifentabak:
Escudo, ein Rolls Royce unter den Pfeifentabaken!

Martin Steinthaler

1.  Was ist Escudo?

Escudo ist ein reiner Virginia / Perique Tabak, der als Rope (Strang) Tabak erzeugt und gelagert wird. Den Namen hat er von seiner Erscheinungsform, die im Durchmesser einen alten portugiesischen Münze, dem Escudo gleicht.

Der Geschmack dieses Tabaks ist geprägt von angenehmer tabakechter Süße und herrlich weichem Volumen. Reife Virginias gemischt mit der Würze des Periques. Das Geheimnis liegt aber sicher in der Rezeptur und der Verarbeitung dieses Blends. Er wurde oft kopiert, jedoch nie auch nur annähernd erreicht. Jeder Pfeifenraucher sollte sich diese Vergnügen mindestens einmal im Leben genehmigen. Aber "ACHTUNG", dieser Tabak kann die Geschmacksnerven auf Dauer verändern!

2.  Etwas Geschichte von Escudo:

Aus der Karibik nach Europa. Die alten englischen Handelsschiffe mit ihren traditionellen 10-15% Anteil an spanischen und portugiesischen Besatzungsmitgliedern half damals den Engländern, die Sprachbarierre in der Karibik zu verkleinern. Die Engländer hatten damals eine durchgehende Handelsbeziehung über Frankreich und Spanien bis in die Karibik und sogar bis nach Boston und Halifax in Nordamerika.

Viele dieser Schiffe transportierten Tabak für karibische Zigarren, Lousiana Perique sowie Virginia aus Carolina und Virginia. Alle diese Tabake wurden als volles Blatt transportiert, und der Crew war es erlaubt ein klein wenig der Fracht für den Eigenkonsum zu verwenden.

Die Segler fanden schnell heraus, daß die ganzen Tabakblätter schnell und einfach zu einem Strang zusammengerollt werden konnten und in Segeltücher verpackt gut lagerbar waren. Nach zwei bis drei Wochen in der Segeltuchpresse konnte man den Tabak wie eine Salami aufschneiden und in der Pfeife rauchen.

Einen speziellen Dank an all die Seeleute, die diesen Tabak kreiert haben. Mast und Schotbruch, Jungs!

Die Gebrüder Cope versuchten nun diesen Tabak auch in größeren Mengen herzustellen und ihn einer breiteren Schicht anzubieten. Begonnen hat das alles um 1870, als Escudo das erste Mal den Pfeifenrauchern in London angeboten wurde. Schon damals war dieser Tabak ein Highlight und wurde aufgrund seiner speziellen Form und Mischung schnell bekannt und berühmt. Escudo war nicht nur in seiner Erscheinung außergewöhnlich, sondern seine Zusammensetzung war damals wie heute eine herausragende Komposition. Weich und süß mit viel Geschmack und Fülle. Herrlich um die stillen Stunden des Tages so richtig genießen zu können.

Zuerst wurde Escudo ausschließlich im Londoner East End hergestellt. In der Clerkenwell Road um genau zu sein. Ursprünglich wurde er nur für die Region London erzeugt, denn zu dieser Zeit war es wesentlich schwieriger, Tabak frei von Schimmel zu halten oder ihn nicht zu schnell austrocknen zu lassen. Erst mit Einführung der Vakuumdosen und der verschiedenen Vacuumtechniken konnte Escudo auch den Siegeszug in die restliche Welt antreten.

Bis in die späten Zwanziger Jahre wurde Escudo von den Gebrüdern Cope produziert. Etwa zu dieser Zeit wurde die Firma mit einer weiteren Tabakfirma zusammengelegt. Der neue Name lautete jetzt Cope & Lloyd.

Nun wurde die Produktion nach Old Holborn im Norden von London verlegt. Um 1937 wurde die Produktion von der bekannten Firma Gallaher aufgekauft. Berühmte Marken wie Senior Service und Old Holborn erblickten das Licht der Welt.

Escudo wurde weiterhin als "Rolls Royce" der Tabake produziert. Bis 1958 wurde Gallaher immer größer und verlegte die Produktion schließlich nach Nord Irland.

Nun aber verlegte sich die Firma immer mehr auf die Produktion von Zigaretten und stellte ihre Pfeifentabake nach und nach ein. (Ein kleines <BUH !!> von mir hier als Randbemerkung.)

Im Jahr 1994 stellte Gallaher die Produktion von Escudo endgültig ein. Die aufwendige Produktion dieses Curly Cuts war zu kostenintensiv geworden.

Im August 1997 wurde die Originalmaschine von der dänischen Firma Alfred & Christian Petersen A/S gekauft. Diese Maschine von Moorhouse & Sons Ltd. stellt also noch immer diesen Tabak her. Nach alten Rezepturen und Verarbeitungsschritten. (Jetzt aber ein <BRAVO> und nur weiter so.)

3.  Ein Englischer Curly Navy Blend der Extraklasse

3.1  Wie man Escudo aufbereitet und raucht:

Escudo wird in Strangen produziert und gelagert. Dannach wird er in Scheibchen geschnitten, die je nach Lust und Laune gerollt werden oder aber auch "ausgerubbt" werden können. Die Hersteller von Escudo raten jedoch, diesen Blend folgendermaßen zu rauchen:

Einfach ein oder zwei dieser Scheibchen zusammenrollen und in die Pfeife stopfen. Ein paar kleine Krümel oben drauf geben, anzünden, und los gehts.

Man kann natürlich auch die Tabakscheibchen zwischen den Händen zerreiben und die Pfeife mit dem "ausgerubbten" Tabak füllen. Ein wenig experimentieren und den Geschmacksunterschied selber feststellen ist ja auch ein interresanter Bestandteil des Pfeiferauchens.

Ein persönlicher Kommentar:

Escudo gehört unter allen mir bekannten Virginia / Perique Mixturen zu meinen absoluten Favoriten. Er hat alles, was ein Curly oder Flake braucht: Fülle, Süße, Würze und Weichheit. Dazu kommt noch seine lange Geschichte und letztlich auch das Mysterium rund um Escudo. Einfach perfekt.

4.  Wo ist Escudo erhältlich?

Nun wird es schon etwas schwieriger. Leider ist Escudo nicht überall erhältlich. Die Hersteller in Dänemark beliefern einige Geschäfte in England und neuerdings auch wieder in den USA. Möglicherweise auch Tabakhändler in einigen anderen Ländern der EU. Also immer die Augen auf und genau nach diesen Dosen suchen. Nach dem Preis fragt man bei Escudo nicht!!! :-)

5.  Einige Online Links, wo dieser Tabak angeboten wird:

Getippt, interpretiert, übersetzt, usw... von: Martin Steinthaler (martin@daft.de)

Zur englischen Version dieses Textes beim Hersteller.

(Anm: gestrichene Link sind nicht mehr aktiv!)

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