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Pfeifentabak: Meine Anfänge

Rolf Hammer

Ich habe gerade Langeweile und dachte mir, hey - warum nicht mal meine "Geschichte" aufschreiben.
Damit meine ich natürlich, wie ich zur Pfeife bzw. zum Tabak kam, was für Fehler ich gemacht habe und was geholfen hat oder eher unproduktiv war. Das könnte ja eventuell ganz interessant für andere Anfänger sein. Dabei man aber bitte beachten, dass ich noch immer eigentlich ein Neuling in Sachen Pfeife bin und alles hier geschriebene natürlich nur meiner persönlichen Meinung (bescheidenen) Erfahrung entspricht.

Angefangen hat alles, wie bei so vielen, mit einem generellen Interesse an Pfeifen, das eigentlich schon besteht so weit ich zurück denken kann. Dabei wurde ich in meiner Kindheit eigentlich gar nicht mit Rauchern konfrontiert.
Aussehen, Geruch (der Süßkramtabake eben ;-p ) und das Image von nachdenklicher Gemütlichkeit übten eine besondere Anziehungskraft auf mich aus. Eigentlich hatte ich es geschafft, Nichtraucher zu bleiben, und habe in meinem Leben nur eine einzige Zigarette mit der Absicht sie zu rauchen angefasst.
Ich es überhaupt nicht verstehen, wie man sich so einen hastigen, stinkenden und beißenden Glimmstängel zumuten kann oder gar Tabak auf Lunge rauchen, das schmeckt einfach nicht und man solls doch genießen. Aber immer schon habe ich mir gesagt "Wenn ich groß bin, rauch’ ich Pfeife!"
Irgendwie ist mir dann vor einem halben Jahr aufgefallen, dass es doch eigentlich bescheuert ist, die ganze Zeit darüber nachzudenken, Pfeife zu rauchen aber das sein zu lassen weil ihnen irgendwie ein Altmännerimage anhaftet. Ich bereue diesen Schritt (noch?) nicht. Nur zur Info, ich bin 21 - man könnte also behaupten, nicht gerade im gesetzten Alter ,o)

Aber kommen wir zur Sache.
Vor einem dreiviertel Jahr etwa entdeckte ich meine Vorliebe für Zigarillos - mehr durch Zufall kam mir eine Packung "Moods" von Dannemann in die Hände. Ich probierte ein paar und fand den Geschmack sehr angenehm, kaufte mir dann von Zeit zu Zeit ein oder zwei "Moods Tubos", deren Geschmack ich noch besser fand.
Manch einer mag jetzt angewidert den Kopf schütteln, bestehen diese "Pop" Zigarren doch aus keinem echten Tabak, sondern aus "homogenisiertem" Tabak, also aus einem gerollten Tabak-Papierbrei. Davon wusste ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht. Irgendwann stieß ich dann zufällig auf die daft-Homepage und war überwältigt. So viele Informationen auf einem Haufen!
Ab in die Bookmarks und weiter gesurft, wie man das eben so macht..

Ein paar Wochen später nahm ich mir dann die daft-Homepage vor, eigentlich auf der Suche nach Inspiration für den Zigarrenkauf - ich wollte mir diese Königinnen der Tabakrollen dann doch auch einmal gönnen. Irgendwie stolperte ich jedoch immer wieder über die Pfeifenartikel, die mich aus anfangs genanntem Grund sehr interessierten. Die Idee mir selbst eine Pfeife zuzulegen, wurde wohl in diesem Augenblick in meinem Kopf gepflanzt - sie sollte aber noch eine Weile vor sich hin gedeihen, bis ich mich eines Tages in einer Kurzschlusshandlung spontan in einen Tabak-Kiosk begab, der mit Pfeifen im Schaufenster warb und dem hilfsbereiten Besitzer mit rotem Kopf meine Absicht kundtat.
Der suchte mir sogleich eine teilrustizierte Jean-Claude Billiard aus, die er gerade im Angebot hatte. Gut informiert durch die Artikel auf der daft-Homepage, überprüfte ich die Pfeife und befand sie für würdig. Sie schaute recht gut aus, war gerade und hatte einem großen Kopf mit dicken Wänden. Einzige feststellbare Mängel waren ein nicht ganz mittig gebohrter Rauchkanal und die etwas undefinierbare Maserung des Holzes - aber was erwartet man schon für 14,50??

Nach meinem Tabakwunsch befragt, war ich etwas ratlos - durch die Tabakreviews war ich nicht recht durchgestiegen. Was also nehmen? Nach kurzen Nachdenken erzählte ich ihm von meiner Vorliebe für die Dannemann-Moods, woraufhin der Verkäufer grinsend ein Päckchen "Pöschl Golden Blend’s Vanilla" zückte, es mir über den Tresen zuschob und meinte, der Geschmack sei ganz ähnlich. Ich vertraute ihm, bezahlte und nahm meine neue Freundin mit nach Hause - noch nicht ganz sicher, was ich nun mit ihr anfangen sollte.
Aber man ist ja mutig und bei nächster Gelegenheit (Ich wohne noch bei meinen Eltern, die beide militante Nichtraucher sind..) wagte ich mich an das Rauchgerät heran. Wie man sich sicher denken kann, waren diese ersten Rauchversuche zu kläglichem Scheitern verurteilt. Zwar gab ich mir alle Mühe, den Anleitungen der Homepage bezüglich des Stopfens und des Rauchverhaltens zu folgen, aber ich hatte nur einen ekligen, chemischen Geschmack auf der Zunge, durch den von Zeit zu Zeit etwas Vanilletabak-Aroma zu erahnen war. Der Tabak selbst schien also recht lecker zu sein, aber dieser chemische Geschmack.. Igitt! Natürlich blubberte die Pfeife bald zu allem Überfluss auch noch vor sich hin und mit verbrannter Zunge beendete ich das Rauchopfer frühzeitig. Nach mehreren solcher Versuche legte ich die Pfeife vorerst enttäuscht und verbittert in den Schrank.

Etwa zu dieser Zeit kam ich - wieder über daft - dann in das "Pfeifenstudio Roland" in Bremen um mir eine "Moods Tubos" zu kaufen, woraufhin mich der kompetente Verkäufer sogleich darüber aufkläre, er führe keine "Papierzigarillos". Etwas schockiert ließ ich mir erklären, dass meine kleinen braunen Rauchstäbchen gar nicht aus purem Tabak bestanden. Wie ekelhaft.
Ich erwarb dort dann meine ersten paar richtigen Zigarillos. Kaum aus dem Laden, zündete ich einen an und mir eröffnete sich eine neue Welt - dieser Geschmack war auf keinen Fall mit den pappigen Moods zu vergleichen, die vorher das Ende meines Horizontes dargestellt hatten. Nussige, schokoladige, cremige, dunkle - eben natürliche Tabakaromen umschmeichelten meine Zunge. Lecker lecker!
So war ich nun also vorerst glücklich mit meiner Neuentdeckung und fuhr wieder nach Hause, um eine großartige Erfahrung reicher. Auch jetzt noch, wo ich schon einige Zigarillosorten durchprobiert habe, sind die milden aus der Eigenherstellung vom "Roland Tabak" noch immer meine Favouriten..

Aber zurück zur Pfeife. Irgendwie kam ich auf die Idee, es müsse an der Pfeife oder am Tabak liegen, dass mir das Pfeiferauchen nicht so recht gefallen wollte - "aufgeben" gehört nicht zu meinem Vokabular. Damit lag ich auch nicht ganz falsch. Natürlich war ich mir aber auch im klaren, dass mein Stopf- und Rauchverhalten sicher noch nicht optimal war - das blubbern war wohl darauf zurückzuführen.

Zufällig stolperte ich bei Ebay über eine Auktion von zwei geb(r)auchten Pfeifen und hatte Glück: Für nur drei oder vier Euro waren die guten Stücke bald bei mir zuhause, eine davon war eine oFi Brebbia Go-Go Apple Half-Bent mit sehr schöner Maserung, die andere von mir unbekanntem Hersteller, mit Kunstleder überzogen und einem Holmriss.
Ich bastle sehr gern, also war das Aufarbeiten der Pfeifen ein wahres Vergnügen, wenn auch mit viel Dreck verbunden.
Schonungslos schmirgelte ich die Kohleschicht bis aufs Holz ab und quälte den Kopf mit wiederholten Salz-Whisky-Sitzungen. Auch von außen blieben die Pfeifen nicht verschont. Ich entfernte das Wachs der schönen, schmirgelte die Beize ab und beizte sie neu - heller, denn ich mag helle Pfeifen und finde dass die Maserung nun viel besser zum Vorschein kommt, als das vorher der Fall war. Mit Bienenwachs von einer Kerze rieb ich sie nun liebevoll ein und polierte sie von Hand auf - natürlich sah sie jetzt aus, matt und wunderschön. Die andere befreite ich von ihrem ledernen Gefängnis und unterzog sie der gleichen Behandlung wie zuvor die kleine Brebbia. Den Holmriss flickte ich mit einem Schrumpfschlauch. Die Ebonit-Mundstücke bekamen ebenfalls eine Grundüberholung: Ultraschallbad, Kloreiniger (wg. Chlor) und anschließend eine Politur mit Elmex-Zahnpasta. Nach ein paar Abenden engagierter und harter Arbeit lagen nun zwei wahre Schönheiten vor mir.

Einiges Nachdenken später, kaufte ich mir dann eine Packung MacBaren Schottish Mixture, der bei daft wiederholt als Anfängertabak empfohlen wurde und erlebte eine herbe Enttäuschung: Verdammt scharfes Kraut! Zwar war der Abbrand ganz in Ordnung, wurde nicht zu heiss und ging trotzdem nicht oft aus. Meine Zunge litt mit und ohne Filter aber schrecklich an diesem in meinen Augen für Anfänger viel zu beißenden Tabak. Naja, immerhin hatte ich mit den von mir aufgearbeitenen Pfeifen und dem neuen Tabak keinen Chemiegeschmack mehr im Hals. In meiner Ratlosigkeit Mischte ich dann etwas von der Mixture mit Vanilletabak und testete das ganze in der Brebbia. Keine Chemie, nicht zu stark und ganz angenehm, wenn auch noch nicht optimal.
Zu dieser Zeit schwor ich dann also auf den Tabakmix in meiner neuen, alten Brebbia, deren Rauchverhalten tatsächlich sehr angenehm ist. So kam es dann auch, dass ich meine kleine Pfeifensammlung mit in den Urlaub nahm, fest entschlossen mich ihr dort etwas intensiver zu widmen. Im Urlaub kaufte ich dann aus einer Laune heraus ein Pouch des schwarzen "Danish Truffles" von Stanwell. Lecker, viel besser als meine Eigenkreation. Den rauchte ich fortan den ganzen Urlaub durch und entdeckte beim unvermeidlichen Pfeifentausch (man raucht auch gern mal mehr als eine pro Tag..), dass der chemische Geschmack meiner Jean-Claude langsam verflog. Also testete ich erneut die ursprüngliche Kombination: Pöschl Golden Blend Vanilla in der Jean Claude.
Der Geschmack war sehr lecker - und keine Spur von Chemie! Darüber hinaus hatte ich inzwischen etwas Übung und schaffte es, Zungenbrand und Sottern zu vermeiden.

Wieder daheim, nahm ich dann an einem Tabaktasting teil. Dabei machte ich den Fehler, alle Tabake in meinen drei Pfeifen zu rauchen, statt die mitgelieferte Tonpfeife zu benutzen. Ich lernte zwar einige neue Tabake kennen, von denen ich ein paar auch für gut befand (Rattray’s Red Rapparee war sehr lecker, ebenso wie Richmond Navy Cut, A True Delight und Deluxe Navy Rolls. Wobei letzterer mir etwas zu Nikotinhaltig war, so breit war ich schon lange nicht mehr *grins*).
Aber obwohl ich in dieser Zeit nichts davon merkte, da ich mir ja jeden Tag einen anderen mir unbekannten Tabak vornahm, war das Crossover wie man sich denken kann nach dem Tasting grässlich.
Da half nur eine erneute Grundreinigung meiner drei armen Pfeifen. Speziell die Jean Claude, die beim Tasting am schlimmsten leiden musste und die Brebbia, die ich vorher beim üben sehr malträtiert hatte, mussten wieder das Schmirgelpapier und viel Salz und Alkohol ertragen. Einigermassen habe ich dieses grässliche Crossover nun auch wegbekommen, die Olivenölmethode war dabei übrigens eine große Hilfe.
Als ich nun die Jean Claude vorsichtig mit den Danish Truffles wieder einrauchen wollte, machte ich eine traurige Entdeckung: In den nur zwei Monaten seit meinem Sommerurlaub war die Aromatisierung unbrauchbar geworden und ich musste den ranzig-sauer schmeckenden Tabak entsorgen. Dafür rauchte ich mit viel Genuss den viel länger gelagerten, aber noch immer leckeren Vanilletabak (da sag noch mal einer was gegen Pöschl!) auf und hatte eine weitere unangenehme Erfahrung mit der Schottisch Mixture - wirklich aggressiv das Kraut...

Vor kurzem habe ich mir jetzt eine billige Lesepfeife gekauft und festgestellt, dass der damals so unangenehme chemische Geschmack von der Einrauchpaste herzurühren scheint, den habe ich nämlich bei der neuen jetzt auch. Die ist auch eine Jean Claude, vielleicht packen die da ja so komisches Zeug rein das so schmeckt. Ich habe die "Neue" erst einmal geraucht und werde wohl die Einrauchpaste einfach entfernen und es riskieren, sie ohne einzurauchen. Ich habe jetzt mehr Erfahrung und den anderen hat das (vorsichige) abschmirgeln auch nicht den Tod gebracht, auch wenn ich das jetzt nicht nochmal so rigoros machen würde..

Mit dieser Lesepfeife zusammen hatte ich mir zwei neue Tabake gekauft - die "Caledonian Highland Cream Melange No. 10 (Stanwell)" und "MacBaren Vanilla Cream Flake". Mit letzterem konnte ich mich noch nicht recht anfreunden, im Rahmen des Tastings hatte ich zwar andere Flakes geraucht und auch genossen aber der Geschmack dieses Tabaks sagt mir irgendwie nicht zu - zu aufdringlich und schwer, und dafür zu süß. Der "Caledonian Highland Cream" dagegen ist ein wahrer Genuss - nachdem ich ihn einmal mit Filter heissgeraucht hatte, wodurch meine Pfeife mal wieder blubberte und es einfach nur eklig schmeckte, habe ich beim zweiten Versuch einfach den Filter weggelassen und war sehr positiv überrascht - leichter, leckerer Rauch der nirgends zwickt, lecker tabak-süß ist und mit leichter Aromatisierung daherkommt, die sich aber keineswegs aufdrängt. Tja, und an diesem Punkt bin ich jetzt also. Die "dunkle Seite" hat sich mir noch nicht richtig erschlossen, wobei ich beim Tabaktasting festgestellt habe dass dort durchaus interessante Tabake warten. Momentan bin ich mit meinem Highland Cream mehr als zufrieden und ich scheine mich zum oFi Raucher zu entwickeln.. Irgendwelche Tipps für meinen nächsten Pfeifen- / Tabakkauf? ;o)
Oder für die Entfernung dieser ekligen Einrauchpaste? Was so komisch schmeckt, kann nicht gesund sein - weder für die Pfeife noch für mich.

Zum Schluss noch ein paar Tipps an andere Anfänger:

Startet mit einer günstigen Pfeife, die schön gerade ist, das sieht zwar wie ich finde nicht so schick aus wie die gebogenen, aber man sabbert anfangs doch gern mal in die Pfeife - bei einer geraden geht das nicht ganz so schnell. Ein Dickwandiger, großer Kopf erleichtert das Stopfen wirklich enorm, also achtet beim Kauf einer ersten Pfeife lieber verstärkt auf die Funktionalität

Wenn die Pfeife blubbert und beißt und nicht mehr schmeckt - SOFORT weglegen. Es wir nicht besser wenn man sie weiter quält. Ein bisschen abkühlen lassen, vielleicht den Tabak etwas auflockern und noch mal versuchen. Wenn es nicht besser wird, Noträumen und der Pfeife eine Pause gönnen. Sowas passiert eben. Eventuell mal ohne Filter(!) probieren und lockerer Stopfen.

Probiert mal Caledonian Highland Cream Melange No.10 als Tabak und raucht den ohne Filter. Klappt super weil der schön leicht ist und ohne Filter ist es viel einfacher, die Temperatur beim Rauchen zu kontrollieren. Für mich war/ist dieser Tabak eine echte Offenbarung.

Lasst euch vom komischen Geschmack von neuen Pfeifen nicht verwirren, manchmal liegts wohl wirklich an dem ekligen Kram in der Einrauchpaste

Nehmt euch die Artikel auf der daft-Homepage zu Herzen, die helfen wirklich und sind sehr informativ!

So, ich hoffe ich habe hier jetzt nicht zuviel Stuss geschrieben.. Ist aber ja vielleicht für irgendwen interessant und jetzt ist es nunmal getan ;)

(05.12.2004)

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