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Pfeifentabak: Die Pfeife stopfen - aber nicht stopfen

Georg Pohl

Gerade stopfe (=fülle) ich eine Parker mit US-Tabak... und bin sicher, der Tabak wird gleich anbrennen, der Zug wird in Ordnung sein und die Pfeife wird bis zum Boden sauber durchbrennen (kann man natürlich auch falsch verstehen :-) Ich weiß: Pfeife stopfen kann jeder, ist gaaanz einfach und kinderleicht! Trotzdem möchte ich hier kurz aufschreiben, welche Methode(n) Verwendung finden. Vielleicht kann der eine oder andere davon profitieren. Erwhnt werden soll noch, dass hier ausschließlich über das Stopfen von Mixtures geschrieben wird. Über Flakes, Curley oder Plugs können Berufenere schreiben :-)

1. Die Pfeife

Klar - muss man haben. Unabhängig von der Form, dem Finish und persönlichen Vorlieben ist für mich bei der Auswahl einer Pfeife _mit_ ausschlaggebend, dass sie einen möglichst zylindischen Brennraum hat. Pfeifen mit einer konischen Bohrung sind IMHO schwerer zu stopfen und zu rauchen.
Was die Größe des Brennraums betrifft, habe ich einen angeborenen Meßwert: mein Zeigefinger; er muß bis auf den Boden des Brennraums kommen können und darf nicht steckenbleiben (ich brauche ihn ja noch). Den Boden will ich mit dem Finger erreichen können, damit ich die erste "Lage6quote; des Tabaks richtig komprimieren kann. Müßte ich hierfür den kleinen Finger nehmen oder gar einen Stopfer bemühen, könnte ich mich wahrscheinlich nicht mehr auf mein Gefühl verlassen.

2. Das Stopfen

Zunächst einmal einige Überlegungen zur - ich sage mal - 5quot;Physik" des Stopfens. Es geht ja nicht darum, möglichst viel Tabak möglichst schnell in Brennraum unterzubringen, vielmehr sollte bedacht werden, dass man den Tabak ja möglichst bis zum Ende rauchen und genießen möchte.
Stopft man zu fest, wird sehr schwer zu ziehen und Tabak am glimmen zu halten. Stopft man zu leicht (=lose), fällt der Tabak in der Pfeife beim Rauchen in sich zusammen. Es sollte beim Stopfen berücksichtigt werden, dass beim Rauchen später immer mit dem Stopfer nachgestopft wird. Der Druck ist zwar nur sehr gering (sollte er jedenfalls sein), aber die untersten Tabakschichten werden während der Rauchzeit wesentlich stärker komprimiert als die oberen.

Also: unten fest gestopft = abnehmendes Rauchvergnügen + häufiges Ausgehen im letzten Drittel.

Bei der folgenden Beschreibung scheint mir sehr wichtig, dass man immer nur wenig Tabak auf einmal stopft. Dies bietet die Möglichkeit, häufiger zu kontrollieren, ob der Zug in Ordnung ist; zudem läßt sich dabei IMO leichter dosieren, wie fest angedrückt werden muss.

3. Die Praxis

Es gibt Pfeifenraucher, die es immer schaffen mit einer Hand eine optimal gestopfte Pfeife zustande zu bringen. Ich kann's nicht, wende allerdings auch nicht viel Arbeit auf, es zu üben.

a) die unterste Lage

Mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger nehme ich eine "Prise", die gerade so groß ist, das ich sie einfach in die Pfeife fallen lassen kann. Ich komprimiere den Tabak etwas zwischen den Fingern und lasse ihn in den Brennraum fallen. Ich klopfte mit zwei Fingern leicht an den Pfeifkopf, damit der Tabak etwas zusammenfällt und auch wirklich auf dem Boden des Brennraums liegt. Die Pfeife ist jetzt zu etwa 1/5 (je nach Größe des Pfeife) gefüllt. Ich nehme noch einmal etwa die gleiche Menge und verfahre mit ihr genauso.
Dieser Tabak wird nun mit dem Zeigefinger leicht angedrückt. Da der Tabak vorher schon etwas zusammengepresst war, braucht es nur wenig Druck. Dabei wird die Pfeife in der Hand gedreht, so dass man an jeder Selle den Tabak gleichmäßig komprimiert. "Luft-Löcher" in der Tabakschicht werden später den Rauchgenuß entschieden trüben.
Es sollte beachtet werden, dass diese Schicht am längsten in Pfeife bleibt und später (durch das Nachstopfen) am meisten nach-komprimiert wird. Wenn man jetzt an der Pfeife zieht, sollte kaum ein Widerstand durch den Tabak spürbar sein.

b) die mittlere Lage

Diese Tabakschicht darf etwas stärker komprimiert werden. Auch hier wird mit drei Fingern eine Menge abgemessen die problem durch den Kopf passt. Durch leichtes Klopfen wird vorverdichtet und danach mit dem Finger gestopft.
Man sollte natürlich dabei beachten, dass auch die Schicht, die zuerst eingebracht wurde, dadurch noch einmal nachgestopft wird.
Die Pfeife ist keine Bodybuilding-Gerät!
Beim Stopfen mit dem Finger versuche ich, den Druck in einer Drehbewegung der auszuführen, um zu erreichen, dass der Tabak leicht piralförmig in Brennraum "gedreht" wird. Hierdurch kann - je nach Tabakart - die Faser annähernd waagerecht im Brennraum liegen und dadurch besser abbrennen.
Auch hier wieder eine Zugprobe. Es darf nur ein leichter Widerstand merkbar sein.

c) die oberste Lage

Hier nehme ich die "3-Finger-Portion" und setze das Tabakhäufchen auf den bereit gestopften Tabak. Ohne ihn loszulassen drehe ich die Pfeife leicht in der Hand und drücke den Tabak dabei leicht an. Diese Schicht darf fester gestopft sein. Allerdings auch hier: kein zu großer Druck, der auch den darunter liegenden Tabak noch einmal und zu stark verdichten würde.
Der letzte Tabak der eingebracht wird (immer nur in kleinen Portionen) muß die durch das Drehen entstandenen Unebenheiten ausgleichen, Luftlöcher ausfüllen und eine gerade Oberfläche bieten, damit der Tabak über die gesamte Fläche entzündet werden kann. Auch hier wird die Pfeife während des Andrückens gedreht, so daß auch am Rand hochstehender Tabak bearbeitet wird.
Ein letzter Zugtest: gerade richtig. Unter Umständen muß nun die Oberfläche, die angezündet werden soll, leicht aufgerauht werden. Hierfür nehme ich den Räumdorn des Pfeifenbestecks. Empfehlenswert kann auch sein, je nach Schnittart des Tabaks, etwas krümeligen Tabak obenauf zu packen. Die hierdurch vergrößerte Oberfläche läßt sich leichter und einfacher in Brand setzen.
Die auf diese Weise gestopfte Pfeife läßt sich leicht anzünden, brennt gut bis zum Schluß und sonder merkwürdigerweise recht wenig Kondensat ab.

Bei dem gesamten Procedere muss natürlich berücksichtigt werden, ob die Pfeife mit oder ohne Filter geraucht wird. Rauche ich ich hin und wieder ohne Filter, geht es häufig daneben, wenn nicht immer wieder mal der Zugtest gemacht wird. Der Filter hat eben einen gewissen Widerstand, den man nachher beim Stopfen automatisch ausgleicht.

(04.12.2001)

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