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Pfeifentabak: Ratschläge zum Rauchen ohne Filter
Volker Goetz
Wenn Du bisher gewöhnt warst, mit Filter zu rauchen, und jetzt den Filter einmal weglassen willst, musst Du für dieses - aus meiner Sicht lohnende - Experiment ganz bewusst Dein Zugverhalten ändern. Bisher musstest Du bei jedem Zug den Widerstand des Filters überwinden. Stattdessen ist da aber jetzt nur noch eine verhältnismäßig große Ausweitung des Rauchkanals in der der Rauchstrom sich aus- dehnt und beim Verlassen in Richtung der normalen Mundstücksbohrung leicht verwirbelt und beschleunigt wird. Du bist jetzt gewissermaßen nicht mit einem Flaschenzug mit der Feuerung verbunden, sondern mit einem direkten Seil. Außerdem ist das zu ziehende Gewicht fast ganz weggefallen. Der Aufwand für einen kleinen leichten Zug mit Filter bewirkt jetzt einen derben Zug und das Bewegen eines viel größeren Rauchvolumens. D.h., Du musst noch mal Deine Züge herunterjustieren und ganz bewusst darauf achten, nur sehr wenig Rauch sehr langsam zu bewegen. Alles was Du tust wirkt jetzt viel direkter und schneller auf die Glut im Pfeifenkopf. Allerdings bekommst Du auch sehr viel schneller und ohne Dämpfung angezeigt, wenn Du die Glut zu sehr angefacht hast. Da das Zugverhalten nichts anderes als ein erlernter Automatismus ist, wirst Du im Anfang immer wieder in Dein altes Zugverhalten zurückfallen, sobald Du Deine Aufmerksamkeit auf etwas anderes richtest. Dadurch wird die Glut mehr angefacht, als Du erwartest und Du be- kommst nahezu sofort die Quittung in Form einer Temperaturerhöhung und stärkeren Befeuchtung des Rauchstroms. Reagierst Du nicht ebenfalls sofort mit der Verringerung der Zugfrequenz und des Zugvolumens tendierst Du unfehlbar in Richtung Zungenbrennen. Deshalb wird Dir jeder Tabak, den Du zuvor mit Filter geraucht hast, in den ersten Tagen der Umstellung etwas bissiger erscheinen. Das gibt sich aber mit dem Erlernen des neuen Automatismus des Zugverhaltens. Durch die Verwirbelung des Rauchstroms in der jetzt leeren Filterkammer fällt tendenziell vermehrt Kondensat an. Daher ist es eine gute Idee, während des Rauchens ab und an einen Pfeifenreiniger durch das Mundstück bis vor den Kopf zu schieben und das Kondensat herauszuholen. Mit der Veränderung des Zugverhaltens fällt diese vorübergehende Hilfsfunktion wieder weg.
Versuch es doch einmal mit einem Broken Flake. Oder mit Capstan gelb bzw. Capstan blau. Von dem MB Virginia Flake rate ich Dir aus meiner Sicht eher ab. Einerseits ist er zu leicht und verführt deshalb zum kräftigen Ziehen und andererseits werden die meisten MB Tabake von vielen Rauchern immer als zungenbeißend empfunden - vielleicht wegen des typischen MB Honigaromas.
Am unproblematischsten scheint diese Umstellung zu sein, wenn man mit einer Latakia-Mixture beginnt, z.B. Dunhill Standard Medium oder Dunhill 965. Dies ist aber sehr individuell und man kann dazu eigentlich nur einen allgemeingültigen Ratschlag geben - triefend aromagetränkte Tabake sollte man vermeiden.
Viel Erfolg bei der Umstellung
(aus einer Mail)