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Reiseberichte: Besuch bei Peterson in Dublin
Thomas Kautz
Ja, mit meiner Frau habe ich wirklich Glück gehabt. Sie toleriert nicht nur derbste Latakia-Mischungen, nein, sie schenkt mir auch noch zum Geburtstag einen Kurztrip nach Dublin.
Als ich an diesem kalten Januar Montag erwache ahne ich noch nicht, dass ich Nachmittags bereits in der Grafton Street eine sehr schöne Perterson Celtic erstehe. Leicht fiel es meiner Frau bestimmt nicht, diese "geheime Kommandosache" so lange vor mir zu verbergen. Mit von der Partie: Mein bester Freund und seine Angetraute.
Als sich das Auto nach mehreren Ablenkungsmanövern langsam Richtung Flughafen bewegt erreichen die Spekulationen ihren Höhepunkt. Tatsächlich, es geht nach Dublin. Etwa drei Stunden später und um 9,90 EURO ärmer (mein bisher billigster Flug) stehen wir auf irischem Boden. Nach kurzer Taxifahrt und einrichten im Hotel besuchen wir gleich die Jameson Whiskey Distillery und schließen den Abend bei gemütlichen Pub-Aufenthalt im Tempel-Bar-Viertel. Am nächsten Tag geht es zum Peterson-Shop in die Grafton Street. Da sind wir doch tatsächlich am Vorabend vorbeigelaufen ohne ihn gesehen zu haben!?! Muss am Guiness gelegen haben!
Der kleine Laden ist vergleichbar mit unseren "Großstadt-Pfeifengeschäften", allerdings kann man hier ein paar schöne Schnäppchen machen. Mein Freund ersteht eine sehr schöne Bulldog aus der Sherlock Holmes Serie. Erst nach langem suchen erkennen wir, dass es keine "Second" ist, sondern eine erste Wahl Pfeife die lediglich falsch gestempelt wurde. Auf diese Weise kam ein Preisnachlass von 125,- EURO zustande, was beim nächsten Pub-Besuch mit Kilkenny gefeiert wurde.
Danach ging es dann endlich nach Sallynoggin, einem kleinen Vorort von Dublin. Mit der Dart-Bahn umfahren wir den Dubliner Verkehrsinfarkt bis zum Hafenstädchen Dun Laoghaire und von dort zu Fuß nach Sallynoggin.
Die Peterson Factory liegt außerhalb in einem Gebiet mit Kleinindustrie. Wir melden uns am Empfang an und werden in ein kleines Minimuseum geführt. Hier bekommen wir einen ersten Eindruck von der 140jährigen Firmengeschichte. Zwischen den Vitrinen in denen die kuriosesten Pfeifenkreationen zu bewundern sind, riecht es förmlich nach Tradition und Geschichte. Kurz darauf werden wir freundlich vom Factory Manager Tony Whelan begrüßt. Toni beginnt seine Führung durch den Betrieb an seinem Arbeitsplatz. Er ist für die Qualitätskontrolle zuständig und begutachtet alle aus Spanien kommenden "Bowls" und graduiert sie. Das heißt die Grundform der maschinell gefertigten Pfeifen wird schon fertig angeliefert. Der Reihe nach können wir alle weiteren Produktionsschritte, das bohren, schleifen, beizen und polieren direkt miterleben. Dabei nehmen sich alle, der 17 Pfeifenmacher sehr viel Zeit für uns und erklären alles sehr gut. Von der Holmbiegerei bis zur Silberschmiede können wir hier eine große handwerkliche Geschicklichkeit beobachten. Endlich wissen wir, wie das Peterson-P in den Holm gelang. Die Mengen sind schon sehr beeindruckend. Hier ein großes Tablett mit Rosslare-Rohlingen, dort eine große Kiste mit Mundstücken. Schön mit anzusehen auch die Arbeit des Silberschmiedes, der nach kurzer Zeit aus einem Stück Metall einen Zierring fertigt. Der Silberschmied erklärt uns auch die Zusammensetzung der Silberstempel, der so genannten Hallmarks und wie man anhand der Hallmark das Alter einer Pfeife bestimmen kann. Nach einer Stunde neigt sich die Führung dem Ende und wir können eine paar Endprodukte wie die neue Jahrespfeife bewundern. Bei ein paar Schnappschüssen beschenkt uns Tony noch mit ein paar Dosen Peterson Tabak und wir treten die Heimreise an, diesmal mit dem Doppeldeckerbus, da der Weg doch recht weit war.
Wer also einmal in Dublin ist, der sollte (nach vorheriger Absprache) auf jeden Fall einmal bei Peterson vorbeischauen.
Übrigens hatten wir auf der gesamten Reise, wegen des rigorosen Rauchverbots in Irland (mit Strafen bis zu 2.000 EURO!) keine einzige Pfeife geraucht. So ein Jammer. Dublin-Reisende sollten sich mit Taschengeld gut eindecken, da das Preisniveau erschreckend hoch war. Bezüglich des fast geschenkten Flugpreises und der Schnäppchen in der Grafton Street konnten wir hierüber jedoch hinweg sehen.
(09.02.2005)