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Reiseberichte: Wichtige Hinweise für den Ukraine-Besuch

Dmitry Nasarenko

Vorbereitungen: lieber nichts vergessen

Packt der Pfeifenraucher sein Koffer für eine Reise in die Ukraine, soll er schon daran denken, sich ordentlich vorzubereiten und alles für den täglichen Tabakgenuss mitzupacken. Dieses Land ist für den Pfeifenraucher genau das, was man auf daft-Seiten oft als "Reinfall" bezeichnet. Viele Jahre des Sozialismus haben eigentlich ganz normale Art, Tabak zu geniesen, zum Exoten und teurem Luxus gemacht, obwohl historisch Pfeife zu den wichtigsren Sachen im Leben der Kosaken gehörte - zumindest werden sie fast ausschließlich mit ihren Pfeifen abgebildet (mehr dazu in N.Gogol, "Taras Bulba"). Geht man hier eine Straße entlang mit Pfeife im Mund, hört man oft von den überraschten Passanten immer was von Kosaken, Seeleuten, Piraten, Sherlock Holmes, selbstverständlich von Stalin und erstaunlicherweise von Sir Winston Churchill. Hat man trotzdem etwas vergessen, oder in Hoffnung, alles sei nicht so schlimm, zu Hause liegen gelassen - keine Panik. Vorausgesetzt, dass die Reise nach Kiew, ukrainisches Haupstadt führt, kann man mit Rettung rechnen. Weitere Ausführungen gelten nur für Kiew. Die Lage in den anderen Großstädten kann ganz anders (ich vermute, viel schlimmer sein).

Tabakangebot

Ukrainer rauchen ziemlich viel, wenn es um Zigaretten geht. Das Vergnügen ist nicht teuer, eine Schachtel gängiger westlicher Marken kostet im Schnitt Euro 0,70. Große Tabakkonzerne wie Reemtsma und BAT haben hier große Zigarettenproduktion aufgebaut. Mit Tabak sieht es anders aus. Pfeifentabak ist im Vergleich mit Zigaretten überdimensional Teuer und sein Angebot ist sehr gering. Nur sehr selten findet man in Kiosks Tabak - legal werden nur Marken wie Captail Black, Clan und seit einiger Zeit auch Borkum Riff vermarktet. Sieht man auch andere Marken - hat man Glück - Schmuggeltabak. Dank Schmuggel aus Russland, wo es in unserem Sinne viel besser aussieht, können einheimische Pfeifenraucher - sehr wenige - überleben. Dadurch haben einige Kiosks im Zentrum der Stadt ziemlich gute Auswaht gängiger Marken. Angeboten werden meistens stark aromatisierte Blends, obwohl man manchmal auch naturbelassene Tabake findet. Tabakpreise in Kiosks sind unwesentlich höher als in Deutschland. Viel teurer sind Reiniger und Aktivkohlefilter. Kein Händler will glauben, das sie nur einmal verwendet werden. Kauft man Filter, bekommt man auch Anweisungen, nach wie vielen Wochen diese zu wechseln sind.

Tabak-Fachgeschäfte

Einfach vergessen. Es gibt Fachgeschäfte für Getränke, in einigen findet man auch Tabak, Pfeifen und Klimaschränke mit einigen Marken von Cigarren. Angebot ist meistens sehr schwach und überteuert. Für eine sandgestrahlte Stanwell-Pfeife aus Zebrano-Reihe oder für eine polierte mit vielen Kittstellen und schlecht passendem Mundstück fordert man umgerechnet mehr als 200DM. Eine lackierte Peterson kosten schon mehr als 250DM. Fast alle Markenpfeifen haben Filterbohrung, Herkunft ist also klar. Ukrainische Pfeifen gibt es auch. "Golden Gate" so stolz heißt eine kleine Firma in Kiew, die eigentlich schon seit vielen Jahren Pfeifen in Massen produziert, seit einiger Zeit auch aus Bruyere. Die meisten sind aber aus anderen Hölzern, die eigentlich für andere Zwecke besser geignet sind. Bruyerepfeifen sind in der Regel schlecht verarbeitet, haben einen zu hohen Rauchkanal und eine zu schmale Bohrung, was mich immer wundert, wenn man auch eine 2 mm-Kruste berücksichtigt. Der freundliche Verkäufer sagt dann etwa "Dann nimmst du einfach halbsoviel Tabak...". Einige Stücke sind auch schön geschnitzt und entsprechend teuer, die Funktionalität ist dabei aber sehr fraglich. Meine Versuche bei der Firma, eine Kopie von einer einfachen Billard machen zu lassen scheiterten nach einem halben Jahr Besuche im Werkstatt: mal Holz schlecht, mal Bohrung hoch...

Wladimirsky Markt: da kommt die Rettung

Das grösste auswahl von Tabaken und Zubehör zu niedrigsten Preisen findet man in Kiew auf dem Wladimirsky Markt (Krasnoarmejskaja Str., U-Bahnstation, Eingang von Schorsa Str.) bei den Tabakständer direkt am Markteingang. Hier werden ziemlich viele Tabake angeboten, vor allem viele Mac Barens, einige Larsens sowie viele andere wie von Eicken, Amphora, Captan Black, Pöschlt (einschl. Schnupftabak!), Clan, einige Plantas. Von englischen gibt es regelmäßig nur Gold Block, St. Bruno Mixture und Three Nuns Mixture. Alle Tabake, die in den Regalen stehen sind in Tüten. Wenn man den Händler nach Dosen fragt, kann sein, dass es im Moment auch einige hat. So findet man manchmal in seinem Karton einige MBs und sogar einige Dunhills mit Latakia! Preise hier sind vergleichbar mit denen in Deutschland. In Tüten ist Tabak etwas billiger, in Dosen etwas teurer. Alles, was hier erhältlich ist, macht klar, wie gut hierzulande Schmuggel organisiert ist. Neben Tabak haben die Markthändler auch verschidene Cigarren. Einfach nachfragen. Ein Händler von insgesamt drei, die nebeneinander stehen, behauptet einen kleineren Klimaschrank in der Nähe zu haben. Zumindest machen Cigarren, die er dann mitbringt einen frischen Eindruck, soweit ich beurteilen kann. Sie sind guter Qualität, ich bin aber nich immer sicher, ob die Herkunft auch stimmt, bei dem Preis aber ...
Eine Cohiba Lancero ist z.B. für umgerechnet 12 bis 15 DM zu haben. Einfach einzeln probieren. Angebot ist meistens gut: viele Cohibas, Partagas, Upmanns, Romeo i Julieta, Punch, manchmal sogar Trinidad. Einige europäische Marken wie Zino sind auch erhältlich.

Zum Schluß

Ich hoffe mit diesen Notizen dem reisenden Raucher zu helfen, den Weg zum Genussmittel zu finden. Vielleicht hat er auch Glück und selber überall alles findet, was er braucht. So ganz schlimm ist die Lage aber nicht, schließlich hat das Land und Stadt viel zu zeigen.

(10.02.2002)

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