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Reiseberichte Lolland Deine Piben

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Reiseberichte: Lolland - Deine Piben

Roman Hebert

nach einer mittleren Ewigkeit melde ich mich zurück, da ich eine kleine Episode zu erzählen habe:

Mitte Mai waren meine Frau und ich zum Urlaub in Dänemark, und zwar auf Lolland, einer Insel in der Ostsee, justament nördlich von Fehmarn. Uns war schon klar, dass es nicht gerade die beste Jahreszeit für einen warmen Skandinavienurlaub war, aber als wir, nachdem die Fähre von Rostock auf Falster anlandete, durch den prasselnden Regen über patschnasse Straßen fuhren, kam uns das doch ein wenig ungut vor... aber man soll die Hoffnung ja nie fahren lassen. Und siehe da, als die Landstraße durch einen kleinen Weiler führte, erblickten wir ein eindeutiges Zeichen der Verheißung: an einem Pfahl an der Straße baumelte ein großes Schild mit einer Pfeife darauf! Kam es mir nur so vor, oder war das Schild im Regen, obgleich ohne Strom, merklich von einem hellen Lichtschein umgeben, der sich eindrucksvoll gegen die dunklen Gewitterwolken abhob? Beim Vorbeifahren lasen wir unter dem Pfeifenbild "Jörn Larsen"-Pfeifen, und wie durch Hexenhand geschahen nun drei Dinge simultan: erstens, meine Laune war plötzlich bestens, zweitens, meine Frau rief "Oh neiiiiin, das wird teuer!" und, hol mich der Klabautermann wenn ich lüge - die Sonne lächelte für einen Augenblick verschmitzt zwischen den Wolken hindurch und sandte ein paar Strahlen auf die verregnete Flur. Wir aber fuhren weiter auf unserem Weg zu unserem Ferienhaus, während ich im Geiste den Ariadnefaden auslegte, damit mir in der Fremde dieser Ort nicht verlorenging.

Wie es sich herausstellte, waren wir gar nicht weit weg von besagtem Ort untergebracht, und so fuhren wir noch einige Male in den nächsten Tagen bei Ausflügen an dem Schild vorbei - und wenn sich das Wetter bei diesen jeweiligen Passagen nicht stets wieder so wundersam besserte, dann nur, weil es zwischenzeitlich sowieso wunderschön sonnig geworden war...

Bei einem Tagestrip nach Nyköbing entdeckten wir ein schönes Pfeifengeschäft, wo ich einigen Tabak erstand, auf Empfehlung des Verkäufers etwa Paul Olsens Own Blend Nr. 44 - und auf meine eigene Initiative eine kleine Dose Orliks Brown Sliced. Da es hier nicht groß um Tabak gehen soll, nur so viel: letzterer ist das Tollste, was ich bis jetzt in der Pfeife hatte, und ich habe mich nach meiner Rückkehr nach Deutschland bei der Lektüre der Daft-Review in den A....... gebissen, als ich erfuhr, dass es diesen Tabak in Deutschland nicht gebe.

Aber zurück zu Herrn Larsen: in den nächsten Tagen erreichten wir ihn am Telefon und verabredeten uns für den gleichen Abend. Als wir auf den Hof rollten, sahen wir einen riesigen Haufen gehackten Holzes (siehe Foto) - ich war mir sicher, dass Herr Larsen seine Piben nicht aus diesem "Stoff" machte (und sollte damit Recht behalten)! Durch das erleuchtete Fenster neben der Tür sahen wir Herrn Larsen, den einzigen Pfeifenmacher Lollands, an einem Tisch über eine Pfeife gebeugt - er öffnete uns dann, als wir klingelten, gleich persönlich und entpuppte sich als sehr netter, ruhiger älterer Herr, der irgendwie genau so aussieht und wirkt, wie man sich einen Pfeifenmacher vorstellt.

Angefangen mit dem Pfeifenmachen habe er schon in den sechziger Jahren, und hauptsächlich fertige er für den Export, nach Deutschland etwa und Japan. Er zeigte uns dann kurz seine Werkstatt und insbesondere, auf meine Nachfrage, ob man auch eine Pfeife kaufen könne, einen Vitrinenschrank mit etwa 30 wunderschönen Pfeifen. Die nächste Zeit verging mit ein wenig Geplauder, aber vor allem mit meinem Durchstreifen der ausgestellten Exemplare auf der Suche nach einem, dass mitwollte. Hier fiel die Wahl wirklich schwer, Herr Larsen hatte wirklich sehr schöne Stücke mit zum Teil atemberaubender Maserung und wunderschön herausgearbeiteter Kontrastbeizung geschaffen. Viele Modelle hatten typisch dänische Elemente, eine geschwungene Form, aber auch klassische Modelle waren vertreten. Bei den Mundstücken reichte die Bandbreite von schwarzem Acryl oder Ebonit bis hin zu Cumberland und Kunst-Bernstein. An den Holmen fanden sich nicht selten schöne Applikationen von diversen Materialien, Buchsbaum etwa oder wiederum Kunst-Bernstein. Meine Wahl fiel dann letztendlich - nach Genehmigung der Regierung - auf eine kompakte, in meinen Augen sehr dänische Pfeife, von der ich gar nicht weiß, wie ich sie nach der Typenlehre der Pfeifenformen genau nennen soll - vielleicht kann mir hier der eine oder andere Experte von Euch weiterhelfen (siehe Foto)? Sie ist sandgestrahlt mit einer schönen straight grain Struktur, dunkel Rotbraun gebeizt, leicht eine Halfbent angedeutet, aber ein sehr langer Holm mit einem sehr kurzen, leicht geschwungenen Mundstück - vielleicht also Lovat-artig? - mit Buchsbaum-Applikation. Herr Larsen war so nett, gleich mit meiner "Neuen" für ein Foto zu posieren. Ich machte noch ein paar Bilder von der Werktstatt und von der Vitrine, dann aber sagten wir "auf Wiedersehen", um Herrn Larsen noch seinen Feierabend zu lassen. Wie Ihr Euch denken könnte, musste die Pfeife nicht lange auf den Brown Sliced warten - und wie zu erwarten raucht sie sich prima! Fazit: Wer in Dänemark weilt, dem kann ich einen Abstecher zu Herrn Larsen nur empfehlen!

(02.06.2004)

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