zurück
Reiseberichte: London und Pfeifen - ein Besuch
Tobias Höhn
die vergangenen vier Tage stapfte ich durch London und habe neben Sightseeing auch den ein oder anderen Pipenladen besucht - dank Manfreds und Peters Reiseberichte war es ein einfaches, die "Tatorte" mühelos und bei einem herrlich sommerlichen Spaziergang zu finden. Als Ergänzung zu den beiden und Update nur zwei, drei kurze subjektive Bemerkungen von mir:
1. Der von Manfred bereits charakterisierte Verfall von Dunhill schreitet weiter fort. Das in dem wundervollen Viertel um Picadilly angesiedelte Geschäft ist ein hässlicher Neubau, mit schnöseligen Verkäufern im Inneren, wobei man bereits an der Eingangstür beim ersten Verkäufer nicht weiß, ob er nicht potenzielle Kunden eher abschrecken soll. Sofort nach Eintreten die Frage, was man wolle oder suche. Pfeifen? Aha! Na dann bitte links um die Ecke. Im "Mekka" angekommen, alles fein säuberlich hinter Glas aufgereiht. Zwei Minuten des genauen Inspizierens. Dann ein schroffes "May I help you?" Ja, klar, der Fingerzeig auf zwei Klassiker. Und schon wieder sinkt die Freundlichkeit, denn es muss ein Schlüssel organisiert werden, um den Glastresor zu öffnen. NAch zwei Minuten halte ich zwei Pipen in den Händen - leicht verstaubt, die PReisschilder wurden rasch entfernt. Warten. Um mir die Entscheidung zwischen einer Bent und einer Duke zu erleichtern, ballt der Verkäufer sein Fachwissen und meint: "In die eine passt mehr rein." Ich verzichte und denke, gut, als Souvenir reicht auch ein Tabak. Der Preis von 11 Pfund (16,50 Euro) für 50 Gramm macht die Entscheidung ob der Menge einfach. Und schon der nächste Brüller: Auf die Frage nach der Tabakbar meint der Verkäufer: "Here it is" und deutet auf eine schwarze Kommode mit acht Schubfächern. Wieder das Schlüsselspiel, dann öffnet er die Fächer und durchwühlt achtlos darin liegende Dosen auf der Suche nach der Aufschrift. Manche der handblended sind nicht vorrätig, dafür stapelt sich die angeblich nur um die Weihnachtszeit erhältliche "Christmas Mixture" dutzendfach. Von dem vielfach in der Literatur erwähnten Museum ist übrigens nichts übrig.
2. Ich gehe weiter die Straße entlang - an stilvollen GEschäften vorbei zu Davidoff. Okay, hier etwas freundlicher. Hier stimmt die Beratung, aber auch nichts Überwältigendes.
3. Der Lichtblick dieses Vormittags liegt beim Besuch des Markts auf dem Kirchhoff von St. James. Der Markt ist übrigens dienstags bis samstags geöffnet (bei den Berichten gab es bislang widersprüchliche Angaben). Und direkt vor dem Portal ein STand mit allerlei Souvenirs, davon abgetrennt auf einer Art Podest die Pfeifen von Milville. Die Preise bewegen sich von 25-40 Pfund für "made in England" und 40 Pfund aufwärts für "handmade in London". Die Auswahl ist allerdings gering, 8-10 Handmades pro Wochen verlassen die kleine Fabrik, wird mir erklärt. Unter den Modellen sind auch eine Replikate von Dunhill-Formen. Apropos Dunhill, wir kommen ins Gespräch und der Verkäufer, der ansonsten in den Werstatt steht, ergeht sich in einer wahren Schimpftirade über Dunhill, den Verfall der Pfeifenkultur und dem Verleugnen der Anfänge. Ich kann mein Scherflein dazu beitragen, wir haben einen netten Schwatz, ich entscheide mich für eine kleine Pipe zu 50 Pfund, Händeschütteln, bye, bye.
4. Jetzt fehlt nur noch der richtige Tabak zum Einrauchen des Babys, also Richtung Hotel zu Smith&Sons in die Charing Cross Road. Neben dem kruden Durcheinander an Pfeifen und den wenigen offenen Tabaken, die in Acryltöpfen auf dem Boden stehen, spottet dieser unscheinbare Laden jeder Beschreibung. Hinter dem Tresen ein schätzungsweise 18-jähriges Mädchen, das in Frauenzeitschriften blättert und auf die Frage nach Flakes die Augenbraue lupft.
Nichtsdestotrotz ein amüsanter Trip, den ich bald wiederholen werde - vielleicht springt ja auch ein Besuch in der Milville-Werkstatt heraus.
(05.06.2005)