daft.de

.

Aktuelles

Termine

Pfeifen

Tabak

Schnupftabak

FAQ

Artikel

Bücher

Download

Läden

Linklisten

Zigarren

Hilfe

Mailingliste

Kontakt

Impressum


Reiseberichte Pipa Club Barcelona II

zurück

Reiseberichte: Pipa Club Barcelona

Lothar Winands / Daniel Schneider:

Handelshemmnisse wie das Tabakmonopol in Spanien kann echte Pfeifen und Tabakliebhaber nicht aufhalten jeden Weg zu suchen um an den Genuss der Daftler zu kommen. So machten vor Wochen einige Pakete aus Italien von Moretti und Don Carlos ihre Reise nach Barcelona. Aus Großbritannien kamen von S. Gawith und von Gawith und Hoggarth weitere Lieferungen in die Schweiz, wo in einem großen Karton dann noch ein paar Kilo Schürch Platz hatte. Pünktlich traf dann alles in einer Limonadenfabrik in Katalonien ein. In den letzten Monaten habe ich ähnlich wie beim Karpfenfischen immer wieder den ein oder anderen "RB Plug" Würfel sowie Proben vom "Medium Virginia Flake". den Cub Kollegen in die Pipe gefüllt. Zusammen mit dem Präsidenten Vicens Lozano würde die Einladung für eine Tabak und Pfeifenpräsentation in der Clubzeitung, im Jazzjournal und über die Net - News der Latinos verbreitet. Nachdem ich bereits drei Tage und auch Nächte das Clubleben genossen hatte, reiste Daniel im Wintermantel aus der Schweiz per Zug an. Bei Tagestemperaturen von 22 Grad lief ihm aber schon gleich bei der morgendlichen Ankunft der Schweiß von der Stirn. Während wir im Veranstaltungssaal des Clubs unsere Schätze aufbauten, standen die Herren wir bei einer bevorstehenden Weihnachtsbescherung vor den geschlossenen Türen bis jede Pipe, die Plugs, Twists und Flakes neben den Schneidewerkzeugen und der obligatorischen Kaffeemühle aufgebaut war. Ein vorbereiteter Bildschirm ermöglichte dem Besucher auch noch den vollen Einblick in die Aktivitäten des Lieferanten und Daft - Kollegen, Daniel Schneider von der Synjeco Gruppe. Als dann die Saaltüren endlich geöffnet wurden entstand fast ein beängstigender Run auf die Ware. An zwei Waagen wurden die Portionen gewogen und sofort an die Herren verkauft, die die Plug Würfel mit hoher Geschwindigkeit in Ihren Taschen verschwinden ließen. Innerhalb einer Stunde waren 8 Kilo Tabak umgesetzt. Gierig wurde bereits nach der kommenden Sendung gefragt. Das Pfeifensortiment von Peter Fischer wurde unterstützt mit vorbereiteten Illustrationen bewundert. Einige der "Artisanans" verschwanden verschämt in den Taschen der Pfeifenfreunde aus Katalonien. So auch 30 % des Sortimentes von Don Carlos und Moretti. Der Duft von RB Plug und Ennerdale Flake erfüllte die Clubräume bis in den frühen Morgen. Ester die Kellnerin sagte mir am kommenden Tag so etwas hätte sie noch nie erlebt. Ein Synjeco Kunde aus der Gegend von Girona wurde extra Mitglied im Club um den Daniel zu sehen und in den Vorzug des Tabakkaufes zu gelangen.

So ist die Welt doch klein, denn einen gebürtigter Schwaben trafen wir dann auch noch:

Der Bruder vom Uralten war auch dabei, scheinbar ist er zu den Zeiten Francos nach Spanien emigriert: Er hat sich vom Brown Twist No.4 gleich mal 4 Zentimeter abgeschnitten, hat dann dieses Stück ohne es in Scheiben zu schneiden in seine verbissene und verkohlte Pfeife (Olivenholzpfeife) gesteckt und nach anfänglich nicht problemlosen Entzündungsverfahren (2 Schachteln Streichhölzer extra-lang) mit Hochgenuss an diesem Twist herumgesottert.

Eine imposante Erscheinung war der Kerl schon, leider hatten wir größte Mühe seinen Erzählungen zu folgen, da er einerseits nur noch drei Zähne hat, durch welche er seine Worte in einer Sprache pfeift, die höchstens von der Melodie her entfernt etwas mit Castillano oder Catalán zu tun hat, und andererseits das Gesotter seines Brown No.4 (ähnlich einer auslaufenden Badewanne) seine Worte übertönte, da er es nicht für sinnvoll erachtete, die Pfeife aus dem Mund zu nehmen um mit uns zu sprechen. Auch seinen Durst löschte er auf eine seltsame Weise: Nicht aus dem Glas, das er wie alle anderen vor sich hatte, sondern aus der Flasche, die eigens für ihn auf dem Tisch stand, mit einem dreifachen Strohhalm-Konstrukt (damit mehr kommt) und dies gleichzeitig mit seinem No.4 Gesotter, lediglich durch eine andere Zahnlücke. Als wir das sahen fragten wir uns, ob im Mundstück seiner Pfeife wohl ein Rücklaufventil eingebaut ist, oder ob er sein Getränk als Reinigungsmittel verwendet. Angesichts seiner strikten Weigerung seine Pipe einem gleichwohl aussichtslosen Reinigungsversuch mit "Piter" Flüssigkeit zu unterziehen, ist es wohl doch eine Pipe mit Rückschlagventil - einen Beweis dafür konnten wir ihm aber nicht entreißen.

Er erzählte uns, dass er während Jahren als Schiffskapitän - er sagte uns nicht ob unter Spanischer Flagge oder unter der Totenkopf-Flagge - fuhr, bevor er sich dann in Barcelona niederließ, Twists und Plugs über den Atlantik brachte, wobei er natürlich von jedem einzelnen reichlich Proben entnahm: Twists wie oben beschrieben und die Plugs . . . mit den Zähnen (nun war uns klar, wo er seine Zähne gelassen hatte).

Er staunte nicht schlecht, als wir ihm zeigten, wie wir den Twist in Curlies und den Plug in Scheiben schnitten, um die Pfeife zu füllen. Am besten aber gefiel ihm unsere Plug-Starmethode: Kleine Würfel in der Kaffeemaschine mahlen. Wir überlegten ein solches Produkt in das Lieferprogramm aufzunehmen, er hingegen freute sich bereits, den Geschmack des Kaffees miterleben zu können wenn er raucht. (die Strohhalme lösen sich nämlich im heißen Kaffee auf). Er meinte sogar, wir sollen diese Idee dem Hersteller in England mitteilen, dass er sie verbreitet, wir meinen aber besser darauf zu verzichten, da wir nicht möchten, dass der Brite mit seiner Jahrhundert-Plug-Tradition an einem Herzschlag stirbt, wenn er feststellt, dass seine Plugs "maschinell" aufbereitet werden.

Wie jeder Pfeifenraucher zeigte er uns seine eigene Hausmischung. Zuerst dachten wir er wolle uns auf den Arm nehmen und uns den zerrubbelten Skipper's Flake als Spezialität vorstellen. Dann aber lüftete er das Geheimnis: Getrocknete Zwiebeln, Knoblauchschalen in zwei Geschmacksrichtungen, die eine mit geraspelten Zitronenschalen, die andere mit einer geraspelten Orangenschale, das ganze während je zwei Monaten in Rum (aber nur aus Jamaica) und dann in Stroh-Rum (aus Österreich) eingelegt und ohne Konservierungsmittel eben doch naturrein. Er erklärte uns, dass er immer Mühe habe, Orangenschalen zu finden (??).

Später kam dann sein Enkel dazu. Eine ebenfalls wunderbare Erscheinung!!! Er rauche keine Pfeife, da er noch alle Zähne habe. Als Apettithäppchen nahm er eine riesengroße Orange aus dem Hosensack, und wir gaben ihm ein Schweizer Offiziersmesser, in Gedanken an seinen Großvater, der ja die Schalen nur schwer findet. Er sah uns ungläubig an, beachtete das Messer nicht weiter, und aß seine Orange mitsamt der Schale, als wäre es ein Apfel: Es spritzte und schlabberte wie wild, wir mussten Esther rufen, und sie um einen Lappen bitten, um den Raum wieder begehbar zu machen. Nach diesem Ritus verlangte er gierig Coniston Cut Plug. Wir wunderten uns bereits zu diesem Zeitpunkt über nichts mehr, also beobachteten wir was er wohl damit tun wollte. Er faltete die Scheiben, nahm aus der Tasche eine alte Zeitung, riss davon ein Stück ab, legte den Tabak rein und drehte sich mit grosser Handfertigkeit eine Zigarette. Mit seinem Petrol gefüllten Sturmfeuerzeug versuchte er dieses Teil abzufackeln. Als endlich der ganze Saal nach Petrol stank und er noch immer am probieren war, ging ihm ein Licht auf, und er meinte, dass solch feuchter Tabak nur mit einem anzuzünden ist. Er nahm aus der Jackentasche eine Butangaspatrone und aus der anderen einen kleinen Bunsen-Brenner, wie wir ihn in einer Hobbywerkstatt finden - und so erreichte er dann sein Ziel.

Wir gingen dann gemeinsam zum Essen. Der Bruder des Uralten nahm "seine" Flasche mit, und als es um die Bestellung ging verlangte er eine "Ensalada Rusa" und bat den Kellner diese im Mixer zu Brei zu reduzieren, und sie dann unter Beigabe der doppelten Menge Glennfiddich in seine Flasche zu schütten. Uns erklärte er, dass er seine Pfeife NIE ausgehen lasse, während einer Füllung, und er seine Mahlzeit mit dem bewährten Strohhalmkonstrukt zu sich nehmen würde um weitersottern zu können. Mit großer Selbstverständlichkeit wurde am Ende der Mahlzeit die Flasche vom Kellner gereinigt und zurückgebracht. Während wir unser Wildschwein genossen "arbeitete" sein Neffe an einem Teller Crevetten. Er nahm jeweils ein Tier, schob es mit den Fühlern voraus in seinen übergroßen Mund und erfreute sich der knackigen Schalen. Als wir ihn fragten weshalb er die Tiere nicht schälte, meinte er "es tinta por la pluma" (zu Deutsch: "es ist Tinte auf den Füller").

Nach dem Essen gingen wir zurück in die Bar des Pipa Clubs, wo wir wie gewohnt von netter Bedienung empfangen wurden. Wir sprachen über Pfeifen, als plötzlich eine unheimliche Wolke aufstieg. Wir dachten, der Bruder des Alten hätte seine Pfeife durchgebrannt, aber es war nur "Sotterdampf", der wie ein Geysir im Yellowstone Park aus der Pfeife emporschoss. Er lächelte durch seine drei Zähne und schüttete die restliche Sotter - Brühe in das Glas. Jetzt wussten wir also auch, weshalb er ein leeres Glas bekam. Kein Krümel Tabak und keine Asche war dabei, er hatte alles sauber zu Ende geraucht.

Als wir uns verabschiedeten bat er uns nochmals um ein Stück Tabak, diesmal aber vom Black XX Twist. Da dieser etwas dünner ist, legte er einen 8 Zentimeter langen Strang zusammen und schob ihn in seine immer noch dampfende Pfeife. Nun hatte er keine Streichhölzer mehr (und wir auch nicht in der für ihn notwendigen Anzahl Schachteln), also rief er seinen Neffen zu Hilfe, welcher sich nun gerade eine Cannon Plug-Zigarrette drehte, und bat ihn um den Bunsenbrenner, da er den blöden Petrolgeschmack nicht möge. Er fackelte damit herum, bis der Black XX endlich brannte.

Als sie sich von uns verabschiedeten blubberte es bereits wieder in seinem Gesotter, und Der Bruder des Uralten und sein Neffe gingen Ihre Wege: Die Nacht verstärkte das regelmäßige Gesotter so dass man an einen Brunnen aus dem "Parc Guell" denken kann, wenn man den Originator nicht sieht. Noch heute denken wir an das Rücklaufventil mit "Ensalada Rusa" und an den Geysir.

Lothar und Daniel

Aktuelle Änderungen (alle) | Edit SideBar Letzte Änderung dieser Seite: 04.02.2008 22:56 Uhr bearbeiten | drucken | Versionen