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Reiseberichte: Reise nach Dänemark
Karl-Heinz Krebs
1.Tag
Am 09. September, 03.00 Uhr in der Früh, ging es von Frankenthal Richtung Dänemark. Ein Urlaub der besonderen Art sollte es werden, Pipemaker-Hopping, eine neue Sportart für Pfeifenverrückte.
Unseren ersten Stop in Sachen Pfeife legten wir bei dem in Deutschland weniger bekannten Pfeifenmacher Jørn Larsen ein. Unser Besuch war telefonisch angekündigt, und so wurden wir von Jørn bereits erwartet. Jørn spricht sehr gut Englisch, so war die Verständigung kein Problem. Sein Handwerk hat der gelernte Maschinenbauer bei Jess Chonowitsch erlernt. Mit ihm arbeitet er auch heute noch zusammen, so fertigt er für ihn kleinere Serien. Das Highlight seiner wirklich riesigen Werkstatt ist eine selbst gebaute Kopierfräse. In diesem Bereich der Werkstatt herrschte striktes Fotografierverbot ;-)
Uns schwante schon Böses, Massenproduktion? Weit gefehlt. In der guten Stube von Jørn wurden wir von seiner Frau bewirtet und konnten nun endlich seine Arbeiten bewundern. Jørn fertigt Pfeifen von höchster Qualität, überwiegend mit Normalbohrung. Aber er beherrscht auch die Fertigung von Filterpfeifen, wir konnten uns überzeugen. Leider war keines der Stücke zu erwerben.
Michael Keistler hat einige Modelle in Auftrag gegeben, in vier Wochen sollen sie geliefert werden. Im Gespräch haben wir erfahren, Jørn hat seine Pfeifen bisher in die USA verkauft. Diese Geschäftsverbindung endete abrupt, als er merkte, seine amerikanischen Geschäftspartner machten im Verkauf aus 650,00 DK 650,00 USD. That's live.
Nun sucht er in Deutschland Vertriebspartner, allerdings sind seine Preise noch nicht an den deutschen Markt angepasst;-) Schnell waren die Stunden vergangen, und wir nahmen die letzten Kilometer nach Borup unter die Räder. Dort Bezogen wir unser Hauptquartier für die nächsten Tage, ein nettes kleines Hotel gegenüber dem Bahnhof.
Abendessen, zwei Bier, Augen zu.

v.l.n.r. Gabi, Stephan, Michael, Miriam und Wotan
Werkstatt von Jørn Larsen
Jørn Larsen und seine Pfeifen
2. Tag
Der heutige Tag war vollständig der Firma Stanwell reserviert.
Gegen 10.00 Uhr fanden wir uns dort ein und wurden vom Geschäftsführer Jens Lillelund und dem Produktionsleiter Arne Deli empfangen. Arne, ein Pfundskerl, meinte augenzwinkernd, das ist ja eine Invasion von Deutschen, hatten wir das letzte Mal 1940. Schaut euch erst einmal um, alle Türen sind offen, hier gibt es keine Geheimnisse.\\
Ich bekam auch die Erlaubnis, die Kopierfräsen zu fotografieren. Diese dienten einstmals der Herstellung von Gewehrkolben, wurden von Stanwell umgebaut und werden heute zweckentfremdet eingesetzt ;-)
Fotografiert habe ich die Dinger doch nicht. Im Holzlager begann dann unser Rundgang, er endete bei der Qualitätsprüferin. Was soll ich sagen, alles machte auf uns den Eindruck eines harmonischen Familienbetriebes. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beantworteten bereitwillig unsere Fragen, obwohl im Akkord gearbeitet wird.
Mich persönlich hat die gewaltige Sandstrahlmaschine beeindruckt, so groß hätte ich sie mir nicht vorgestellt.
Nachdem wir die Produktionsräume unsicher gemacht hatten, wurden wir von Arne zur Mittagspause abgeholt. Der Pausenraum ist so eine Art Traditionskabinett, an den Wänden Fotos aus der Geschichte der Firma, große Tafeln mit allen Modellen, die je bei Stanwell gefertigt wurden. Glanzstück der Sammlung ist ein Set von sechs Pfeifen in einer Schmuckschatulle. Fehlerfreie Pfeifen mit atemberaubender Maserung, gefertigt von Poul Stanwell, Sixten Iversson, Anne Julie, Jess Chonowitsch und Tom Eltang.
Nachdem alle Schätze bewundert waren, galt unsere Aufmerksamkeit der reichlich gedeckten Tafel. Wir wurden mit original dänischem Smörrebröd, Tuborg-Bier und Kaffee bewirtet. Jens Lillelund und Arne Deli stellten sich geduldig unseren Fragen. Nach dem Essen hat Michael Keistler die Stücke für die nächste Jahrespfeife der Firma Keistler ausgesucht. Ich glaube, man darf gespannt sein. Naja, ich hatte da auch so eine Pfeife im Hinterkopf. Eine Bambo Halfbend mit Borke am Kopfrand, dieses Modell besitzt Stephan, als ich es das erste Mal sah, hatte ich mich sofort verliebt.
Im Fertiglager fand sich jedenfalls keine. Aber in der Fertigung konnte ich 20 Stück ausfindig machen. Sie lagen abgedeckt auf einem Tablett und warteten auf den nächsten Arbeitsschritt. Ich habe mir die mit der schönsten Maserung ausgesucht und warte nun ungeduldig auf die Lieferung. Und wieder war ein ereignisreicher Tag vorüber, in Erwartung des nächsten wurde er bei einem Bierchen beendet.

Sitz der Firma Stanwell in Borup
das "Holzlager"
die Pfeifen werden gestempelt
diesen Pfeifen fehlt noch die Einrauchpaste
hier wird sie eingebracht
die Produktionshalle bei Stanwell
an der Schleifscheibe
hier werden die Applikationen gedreht und angebracht
Mundstücke werden poliert
im Pausenraum, Miriam und Arne
Arne Deli und Geschäftsführer Jens Lillelund
die Musterpfeifen
der Sandstrahler und seine Maschine
drei Unbeteiligte ;-)
hier lagern, getrennt nach Qualität der Maserung, Pfeifen die auf die Endfertigung warten
3. Tag
Früh ging es in Richtung Kopenhagen. Die Werkstatt von Tom Eltang war unser Ziel.
Der Meister erwartete uns mit Kaffee, kurze Vorstellung, und schon waren wir mittenmang. Ich will es vorweg sagen, Tom ist ein bomben Typ, besessen von seiner Arbeit. Wenn er von seinen Plänen für die Zukunft spricht, uns erklärt, wie er sich sein nächstes 7 days Set vorstellt, da leuchten seine Augen, es scheint so, als wollte er sofort loslegen. Mitten in der Unterhaltung springt er auf, geht zur Schleifscheibe und bearbeitet einen mit Bleistiftstrichen angezeichneten Rohling, den er die ganze Zeit in den Händen hielt. Für ihn waren wir nicht mehr da, er hatte eine Eingebung, die er sofort umsetzen musste. Er ist ein Künstler, und seine Pfeifen sind Kunstwerke.
Uns zeigte er drei Kästen, alles Pfeifen, die in die USA gehen. Wunderschöne Stücke, wir sind sprachlos. Für uns war da nichts zu holen, Tom wirbt um Verständnis, und ich verstehe ihn. Das Häuschen, in dem seine Werkstatt untergebracht ist, steht zum Verkauf. Sollte er nicht den Zuschlag bekommen, dann hat er ein Problem. Naja, und in den USA werden für seine Pfeifen eben Mondpreise gezahlt. Bleibt die Hoffnung, Tom kann das Häuschen kaufen und sich dann den Luxus leisten, wieder mehr Pfeifen nach Deutschland zu exportieren. Wir wollen Tom nicht weiter von der Arbeit abhalten, werfen noch einen Blick auf die längste Lovat Dänemarks und machen uns auf den Weg zu Poul Winslow.
Der ist im Stress, wollen doch noch einige Überraschungen für die Inter-Tabak in Dortmund fertig gemacht werden. Trotzdem empfängt er uns herzlich in seiner guten Stube, Jette, seine reizende Frau, tafelt auf. Wir plaudern über dies und das, gehen mal "kurz" ins Gartenhaus, dort ist hektische Betriebsamkeit. Messe, Jahrespfeife, mein Gott, wer kauft denn all diese Pipen? Ich beschreibe Poul, wie ich mir "meine" Winslow vorstellte, er skizziert auf ein Blatt Papier und heftet es an eine Pinnwand. So mache ich sie dir, kann aber noch ein paar Tage dauern.
Schon wieder sind drei Stunden vergangen, wir wollen noch in Kopenhagens Innenstadt. Der erste Anlaufpunkt ist das Geschäft von Larsen. Tolle Fassade, schnell rein. Die Preise der angebotenen Serienpfeifen wirken ernüchternd. Von der Bedienung werden wir übersehen. Na dann eben nicht. Der Laden hinterlässt bei mir den Eindruck einer Touristenfalle.
Weiter geht es zum Geschäft von Olsen. Auch hier gediegene Fassade, beim Eintreten empfängt uns ein köstlicher Duft. Sofort kommt ein Verkäufer auf uns zu und erkundigt sich nach unserem Begehren. Erst mal umschauen. Leider kommt es nicht mehr dazu. Wir werden in den Tabakraum gerufen, hier steht ein Computer, und wir erfahren von den schrecklichen Ereignissen in den USA. Schockiert und wie betäubt müssen wir das Unfassbare zur Kenntnis nehmen. Aller Spaß ist vergangen, das Geschäft verliert seine Anziehungskraft. Wir streifen noch etwas durch Kopenhagen, dann fahren wir zum Hotel.
Den Abend verbringen wir vor dem Fernseher und verfolgen das Geschehen auf CNN.

Onkel Tom's Hütte ;-)
Tom Eltang's Pfeifen, alle gehen in die USA
die Werkstatt
alle von ihm gefertigten Spitzenpfeifen sind in einem Katalog erfaßt
Tom an der Schleifscheibe
Dänemark's längste Lovat
Bei Poul Winslow
Im Gartenhaus die Werkstatt
hier wird "gebürstet"
"C" oder "D" , Poul wird es wissen
In Kopenhagen
das Larsen Geschäft im Zentrum von Kopenhagen
Leider habe ich im Geschäft von Paul Olsen nur diese eine Aufnahme gemacht.
Danach erfuhren wir von den furchtbaren Ereignissen in den USA.
Es wollte keine Stimmung mehr aufkommen, Bedrückung machte sich breit,
dieses Geschäft hätte mehr Aufmerksamkeit verdient.
4. Tag
Für den heutigen Tag haben wir uns bei Kai Nielsen angemeldet. Seine Werkstatt in der Nähe von Faaborg ist schnell gefunden. Kai empfängt uns mit Kaffee, in der Werkstatt arbeitet der Altmeister Viggo Nielsen. Ein netter, freundlicher Herr, dessen momentane Sorge seiner kaputten Drehbank gilt. Jahrzehnte hat sie treue Dienste geleistet, und nun?
Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, diesem Mann gegenüber zu stehen, 60 Jahre hat er Pfeifen gemacht, wieviel sind wohl in seinen Händen erschaffen worden? Unterdessen haben wir Kai's Büro erobert und stecken die Köpfe und vor allem die Hände in die Auslagen.
Bei mir hat es nicht lange gedauert, schnell hatte ich "meine" Pfeifen herausgefischt. Eine ist ein besonderes Stück, die Maserung ist wunderschön. Während Michael und Stephan noch wühlen, stempelt Kai meine Pfeifen, und ich rauche eine Viggo Nielsen gleich mit Kong Frederik Full ein. Kai erzählt uns aus seinem bewegten Pfeifenmacherleben und seinen Erlebnissen in Chikago. Er ist ein liebenswerter und bescheidener Mensch, hat den Schalk im Nacken und immer ein Späßchen auf den Lippen.
Für den Abend verabreden wir uns mit ihm in unserem Ferienhaus. Wir kochen selbst, es wurde ein schmackhaftes Mahl. Wir sitzen noch lange beisammen, trinken Rotwein, Bier und Wodka, dabei schauen wir in Gedanken versunken den aus unseren Pfeifen aufsteigenden Rauchwölkchen nach ;-))

Eingang zur Werkstatt von Viggo und Kai Nielsen
Altmeister Viggo Nielsen ist noch unermüdlich bei der Arbeit
Kai beim Stempeln und...
...Polieren meiner "Jewel of Denmark" :-))
aus Kai's Gruselkabinett, Hacker im Cabrio ;-)
Michael hat die Qual der Wahl
Kai an der Schleifscheibe
Chefkoch Michael mit Beiköchin ;-)
Gemütlicher Tagesausklang