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Reiseberichte: Reisebericht Kendal
Olaf Schumacher
Da es mich bis Ostern nach Nordengland in die Region Lancashire in Nordengland verschlagen hatte, konnte ich es mir natürlich nicht verkneifen der Stadt Kendal einen Besuch abzustatten.
Der geneigte Daftler wird sich sicherlich das Ziel dieses Besuches denken können, denn hier werden einige der von vielen Daftlern geschätzten Tabake, wie z.B. Ennerdale, BestBrown, Grousemore etc. hergestellt. Die Rede ist natürlich von 'Samuel Gawith&Co Ltd.' sowie 'Gawith and Hoggarth TT Ltd.'
Teil 1 - Samuel Gawith
Die ca. einstündige Busfahrt führte mich von Lancaster aus durch die typische nordenglische Wiesenlandschaft, vorbei an zahlreichen Schafweiden schliesslich zu der hübschen kleinen Stadt Kendal, am Rande des Lake Districts.
Nach einer kurzen Orientierungsphase landete ich also in der 'Canal Head North' vor dem 'Kendal Brown House', unweit des Stadtzentrums von Kendal. Über der Tür hing das Firmenschild von 'Samuel Gawith'.
Da bei meinem Eintreten in die 'heiligen Hallen' just das Telefon klingelte, lief mir direkt Bob Gregory über den Weg und bat mich ins Office. Nachdem er den Hörer aufgelegt hatte, fragte er, was er für mich tuen könne. Ich outete mich also als deutscher Touri und fragte vorsichtig nach den Möglichkeiten, vor Ort Pfeifentabak zu erwerben und schwups stand ich bereits in der urigen Fertigungs- und Lagerhalle.
Der hohe Raum wird dominiert von alten Maschinen, die teilweise noch per Hand zu bedienen sind und grossen Kisten mit Rohtabaken. Auf einem langen Tisch an der linken Seite stehen sauber aufgereiht die grossen Cake-Platten der fertigen Tabake. Hier führt mich Bob Gregory hin. Er erklärt mir, dass die Tabake nach der Pressung hier einige Zeit lagern (IIRC einige Wochen bis mehrere Monate), damit die Tabake richtig durchziehen können. Direkt der erste 'Kuchenstapel', denn ich erblicke, ist der Best Brown 6", gefolgt von 1792 (ehemals Cob) Flake und dem Full Virginia. Mir bis dato unbekannt sind die Sorten 'Braken Flake' und ein brandneuer Virginia/Latakia Flake, welcher mit Rum aromatisiert ist (Randbemerkung für die Ungläubigen des Kölner Stammtisches: DAS ist definitiv ein mit Rum aromatisierter Tabak!). Dieser Tabak ist für den amerikanischen Markt bestimmt. In einen weiteren Bereich stehen die Behälter mit den Mixtures. Etwas erschlagen aufgrund der Vielfalt und Menge der Sorten, entscheide ich mich zunächst für eine altbekannte Sorte: Den Best Brown 6" Flake. Aber dann siegt doch meine Neugier und ich bitte Mr. Gregory mir noch jeweils 100gr. des Braken Flake sowie des neuen VA/La/Rum-Flakes mitzugeben. Da dieser Tabak noch sehr neu ist, gibt es noch keinen endgültigen Namen, wahrscheinlich wird er Navy-Flake heissen, da er unter diesem Namen entwickelt wurde. Bob Gregory meint ich wäre der erste Kunde, an den der Navy-Flake verkauft wurde. ;)
Der BBF muss erst noch geschnitten werden: Zunächst markiert Mr. Gregory eine Schnittmarke auf dem Cake, dann wird er unter eine handbetriebenen Schneidemaschine gelegt und halbiert. Schliesslich wirft Mr. Gregory eine der grossen und lauten Maschinen an, welche den Tabak auf die allseits bekannten 6" Flakes schneidet. Nachdem er kurz in einen Nebenraum verschwunden ist, kommt er mit 3 fertig etikettierten und verschweissten Päckchen zurück. Nachdem das Finanzielle erledigt ist, bedanke ich mich für die überaus freundliche und nette Kurzführung und natürlich für meine 300gr. Tabak und mache mich gutgelaunt auf den Heimweg. Anzumerken ist noch, dass die englischen Gewichte wohl etwas anders sind als hierzulande. Ein Nachwiegen erbrachte nämlich satte 600gr. Tabak. :)
Teil 2 - Gawith and Hoggarth
Da ich am Tage des Besuches bei SG nicht mehr genug Zeit hatte, nahm ich den Besuch bei GH an einem zweiten Tag in Angriff. Die Adresse im Telefonbuch führte mich in ein wenig beschauliches und weit vom Stadtkern entferntes Industriegebiet. Vorbei an Tankstellen, Autoreparaturwerkstätten etc. zweifelte ich, ob dies die richtige Adresse ist. Aber plötzlich -zwischen all dem Benzingestank- stieg mir der süsslich, aromatische Duft von Tabak in die Nase. Ich stand vor einer grossen, offenen Halle, in welcher -neben der obligatorischen grossen Tabakkiste- zahlreiche wuchtige, moderne Maschinen standen. Diese Maschinen hatten nichts von dem Charme der öligen Pressen und Schneidemonster bei SG, ich fühlte mich viel mehr an die Geräte bei einem landwirtschaftlichen Betrieb erinnert. Leider war weit und breit kein Mensch zu sehen. Nur die Strapazen des 20-minütigen Fussmarsches liessen mich noch einen Augenblick unentschlossen verharren, als zufällig am anderen Ende der Halle eine Person auftauchte und mich ansprach. Ich erfuhr, dass der eigentliche Verkaufsraum von Gawith und Hoggarth direkt im Stadtzentrum ist, jedoch geschlossen habe. Aber ich bekam auch hier meinen Tabak. In einer grossen Lagerhalle befanden sich Unmengen von bereits fertig konfektionierten Tabaken in Pouches oder auch grösseren Gebinden. Zu meiner Verwunderung konnte ich hier auch das komplette Exklusiv-Programm bestaunen. Nach meiner Nachfrage wurde mir erklärt, dass GH für den Vertrieb der Pöschl-Tabak in UK zuständig sei. Von hier nahm ich schliesslich folgende Tabake -jeweils bereits fertig in 50gr. Pouches verpackt- mit: Coniston Cut Plug, Ennerdale Broken Flake, Rum and Maple (nein, nicht der von Planta), Cherry and Vanilla (da der mir als der bestverkaufteste Tabak aus dem GH-Programm angeboten wurde, konnte ich aus Höflichkeitsgründen nicht Nein sagen) und Mahogany Broken Flake (welcher mir als identisch mit dem Broken Flake #7 verkauft wurde).
Das Verkaufsbüro in der Innenstadt habe ich schliesslich auch noch gefunden. Es befindet sich in der Lowther Street, in sehr zentraler Lage.
Fazit
Ich kann jedem, der in der Gegend ist, einen Besuch in Kendal nur empfehlen, insbesondere bei SG, wo meine Vorstellung einer schnuckeligen, kleinen Tabak-Manufaktur mit viel Handarbeit voll und ganz bestätigt wurde. Allerdings sei gesagt, dass beim Tabakkauf vor Ort -auch wenn es direkt beim Hersteller ist- die britischen Tabak-Preise akzeptiert werden müssen. Da ich die erworbenen Tabake allesamt noch verschlossen hier vor mir liegen habe, kann ich über Geschmack etc. noch nichts berichten. Reviews folgen dann später.
(27.04.2003)