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Reiseberichte: Reisebericht aus Saint Claude
Heinz Buchdrucker
Bedingt durch einige Wirrungen, fand auch ich heuer den Weg nach St. Claude.
Den ausführlichen Schilderungen von Wolfram kann ich nur zustimmen. Ich schildere aber trotz dem meine subjektive Sicht der Dinge.
Der erste Tag in SC, nach durchfahrenen Nacht war schrecklich: düstere Plattenbauten, die nicht so recht in das Ortsbild passten ließen mich schon bedauern nach SC gekommen zu sein. Am nächsten Tag funktionierte der Verdrängungseffekt für alles Hässliche wieder und ich fand das Städtchen überaus reizend. Es ist so, wie Wolfram es geschildert hat: ringsherum Berge - mittendrin: SC.
Die von Wolfram genannten Marken dominierten - zu Preisen und in einem Design (franz. Pfeifendesign kann man IMHO nur lieben oder hassen), dass ich dachte ich werde die Stadt pfeifenlos verlassen.
Am dritten Tag entdeckten wir den Laden Genod - ehrliche Pfeifen zu ehrlichen Preisen. Wir betraten das Geschäft - Madam war gerade mit anderen Kunden beschäftigt - und hielten Ausschau nach Filterpfeifen (Warmduscher!!!). Ganz hinten links entdeckte ich zwei/drei Kistchen mit ca. 30 Pfeifen - alle anderen waren filterlos, selbst die Geants. Jetzt erst verstand ich Wolfram, was er mit den 98% in seinem Bericht gemeint hatte (manche Leute - ich - brauchen halt immer etwas länger :- ).
Madam war frei und kam uns zu bedienen, ich stöpselte aus den wenigen mir bekannten Worten die Frage zusammen, ob dies denn alle Filterpfeifen wären, die sie führten. Nach zweimaliger Bejahung ihrerseits und einem hilfesuchendem Blick zu meiner besseren Hälfte hatte sie anscheinend Erbarmen und sagte zu uns, wenn die Dicke des Holmes passen würde Monsieur Craen die Pfeife/n auf 9 mm aufbohren - der Tag war g e r e t t e t.
Auf diese Weise lernte ich auch das Atelier von Monsieur Craen kennen, dort lieferte ich meine Pfeifen gegen 14:30 ab und bekam sie Punkt 17:00 (wie vereinbart) wieder.
Jetzt bin ich Besitzer zweier 9 mm Unikate - ?
Von der überaus freundlichen Bedienung, sowohl im Laden als auch im Atelier und der Pünktlichkeit könnte sich mancher Händler in D mehr als ein Stück abschneiden
Im Laden von Genod selbst sind in einer Vitrine interessante Meerschaumunikate zu bewundern (Für Otto-Normal-Verbraucher wie mich weit jenseits der finanziellen Schmerzgrenze - aber es war schön solch Pfeifen einmal in Natura zu bestaunen).
Genod selbst verkauft IMHO in SC die billigsten Pfeifen (keine Abwertung), sie sind leicht und rauchen sich wunderbar. Die Preise all der anderen bekannten und unbekannten Händler scheinen mir zu hoch.