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Reiseberichte: Reisebericht aus Saint Claude und Cogolin
Wolfram Geissler
Da ich Dank geschickter Planung ;-)))) des Familienurlaubs dieses Jahr die Möglichkeit hatte, sowohl Saint Claude, die Geburtsstadt der überwiegenden Mehrheit der französischen Pfeifen, als auch die zweite französische Pfeifenstadt Cogolin zu besuchen, möchte ich heute entgegen meiner sonstigen Gewohnheit mal etwas ausführlicher schreiben und Euch den versprochenen Reisebericht vorlegen.
Für Eilige die Zusammenfassung vorab: Saint Claude und/oder Cogolin sind IMO für Pfeifenfreunde (auch ohne Kaufinteresse ;-) ) jederzeit einen Besuch wert, insbesondere als Liebhaber filterloser Pfeifen kann man dort aber auch aus einer sehr großen Auswahl sowohl preiswerte "Alltagspfeifen" als auch sehr schöne Einzelstücke erwerben, man sollte aber - unabhängig vom Preis der Pfeifen - unbedingt auf die Verarbeitungsqualität achten.
Für die etwas Geduldigeren nun aber mein sicher sehr subjektiver und etwas länglicher Reisebericht:
Saint Claude
Schon bei der Anreise nach Saint Claude stößt man immer wieder auf Hinweise auf die Pfeifenproduktion, bereitst auf der Autobahn wirbt die Region Jura neben Wintersport und Wasserfällen mit der Pfeifenproduktion und als ich mit meiner Familie unseren ca. 60 km von Saint Claude entfernten Campingplatz erreichte, konnte man im dortigen Souvenirgeschäft die ersten mehr oder weniger interessanten Pfeifen aus Saint Claude bewundern. Saint Claude liegt im Juragebirge und rankt sich dort - auch für Nichtraucher recht sehenswert - zu beiden Seiten eines Tales empor. Das Bild der Stadt ist recht stark durch die Pfeifenproduktion geprägt und man kann viele Produktionsstätten auf Grund der Werbung bzw. der bekannten Firmennamen schon bei der Fahrt durch die Stadt erkennen. Unser erster Weg führte uns ins örtliche Fremdenverkehrsamt, wo wir auch sofort bereitwillig und ausführlich über die Möglichkeiten zum Besichtigen der einzelnen Firmen und Ateliers und die Möglichkeiten zum Pfeifenkauf informiert wurden. Da es sich um einen Samstag handelte war nach telefonischer Nachfrage allerdings nur die Pfeifenwerkstatt von R. Vincent, offensichtlich einer der ortsansässigen Hersteller von Pfeifenskulpturen, am Nachmittag für Besichtigungen geöffnet, aber an Werktagen gibt es eine ganze Anzahl weiterer Möglichkeiten den französischen Pfeifen bei Ihrer Entstehung zuzusehen. Aus Zeitgründen haben wir dann allerdings auf den Werkstattbesuch verzichtet und uns dafür gründlich mit der Inspektion der örtlichen Einkaufsmöglichkeiten beschäftigt. Es gibt in Saint Claude eine Unmenge von mehr oder weniger auf den Pfeifenverkauf spezialisierten Geschäften, einige davon verkaufen lediglich Pfeifen und Zubehör der bekannteren Marken wie BC, CHACOM, ROPP und Jeantet um nur einige zu nennen, ein Großteil ist aber eine bunte Mischung aus Pfeifen- und Souvenirgeschäft. Nach Auskunft der netten Dame im Fremdenverkehrsamt verkaufen die großen Hersteller Ihre Pfeifen in Saint Claude lediglich über diese Läden und haben, entgegen meiner ursprünglichen Erwartung, in Saint Claude keine eigenen Fabrikgeschäfte. Eine Ausnahme davon machen lediglich die Firmen GENOD, die an Werktagen die Möglichkeit zum Besuch des Ateliers anbietet und zusätzlich ein Ladengeschäft betreibt und die Firma LACROIX die ebenfalls mit einem Fachgeschäft das nur Pfeifen eigener Produktion verkauft in der Innenstadt vertreten ist. Einige weitere kleinere und mir bisher unbekannte Hersteller, wie der bereits genannte R. Vincent oder H .Raymond nutzen ihre Werkstätten für den Direktverkauf, zu den dortigen Angeboten kann ich jedoch nichts sagen, da ich sie nicht selbst in Augenschein genommen habe. Mein erster Bummel durch die Pfeifenläden der Innenstadt hinterließ bei mir zwei Haupteindrücke. Einerseits meinte ich -endlich- im Paradies für Raucher von filterlosen Pfeifen angekommen zu sein, wenn man mich in den Läden als Deutschen identifiziert hatte, zeigte man mir zwar manchmal die "besonderen Angebote" für Raucher aus Deutschland mit 9 mm Filterbohrung, war aber immer sehr erfreut wenn ich diese kategorisch ablehnte und mich dem ca. 98 % umfassenden Angebot an filterlosen Pfeifen zuwandte. Andererseits stellte ich fest, dass das Angebot an Pfeifen der mehr oder weniger gut bekannten französischen Marken zwar nahezu unüberschaubar war, die Preise der großen Hersteller meiner Meinung nach aber nicht sonderlich günstig, sondern auch bei ganz normalen Serienstücken eher über dem mir aus Deutschland bekannten Niveau lagen. Nach diesen ersten Eindrücken beschloss ich, aus Rücksicht auf die schnell verstreichende Zeit, das Urlaubsbudget und meine langsam ungeduldig werdenden Töchter, mich nur in den beiden Herstellerläden von GENOD und LACROIX genauer umzuschauen und das erwies sich im Nachhinein als gute Entscheidung. Bei GENOD wurden wir vom, vielen sicher aus dem Rutzen bekannten, Chef Jacques Craen persönlich begrüßt. Nachdem dieser mein Interesse erkannt hatte ließ er mich ungestört und lediglich durch etwas Fachsimpelei und Hinweise auf besondere Stücke - die auch wirklich solche waren - unterbrochen, in aller Ruhe stöbern und übernahm derweil die Aufgabe meine Familie mit Gesprächen über Saint Claude, Frankreich und die Côte d' Azur - unserem nächsten Reiseziel - zu beschäftigen. Nach ca. einer Stunde, Herr Craen hatte nur wegen uns auf das pünktliche Schließen seines Ladens zur Mittagspause verzichtet, hatte ich mich dann für zwei, meiner Meinung nach für GENOD recht typische Pfeifen entschieden , eine der im Rutzen beschriebene Pfeifen mit Bruère-Mundstück und eine recht attraktive Bent mit Hornapplikation am Holm. Kurz noch etwas zu den Preisen, die Preisspanne bei GENOD reichte von umgerechnet ca. 60,- DM bis zu maximal etwa 650,- DM, für die man dann allerdings schon hervorragende Einzelstücke mit herrlichem Straight Grain bekommen konnte. Der größte Teil der angebotenen und meiner Ansicht nach meist sehr schönen Pfeifen bewegten sich im Preisbereich von etwa 90,- bis 250,- DM. Dem Besuch bei GENOD schloss sich dann eine Besichtigung der sehr interessanten Ausstellung "Pipes & Diamants" an, eine genaue Schilderung will ich Euch hier ersparen, aber ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, selbst wenn es nur wegen des Blicks auf den Sitzungssaal, die Roben und Pfeifen der "Confrerie des Maîtres Pipiers" wäre. Abschluss unserer Visite in St. Claude war dann ein - leider viel zu kurzer - Besuch im Laden von LACROIX, einem mir bisher nicht bekannten Pfeifenhersteller. Hier gab es dann eine große Auswahl von meist klassischen Serienmodellen zu sehen. LACROIX verwendet eine ziemlich exakte Qualitätseinstufung mit Buchstaben von A bis D und bis zu 5 Sternen, die ich in der kürze der Zeit aber trotz der freundlichen Erklärung der sehr kompetenten Verkäuferin nicht vollständig durchschaut habe. Die Preise bewegten sich hier im Bereich von ca. 45;-DM bis etwa 600,- DM, wobei besonders die Pfeifen im unteren Preisbereich meiner Ansicht nach preislich stark unterbewertet waren. Natürlich konnte ich auch diesen Laden nicht ohne eine Neuerwerbung verlassen, allerdings habe ich mich hier auf eine preisgünstige facettierte Pfeife mit Vierkantholm (B mit 2 Sternen) beschränkt, die sich inzwischen aber als wirklicher Glücksgriff mit hervorragenden Raucheigenschaften erwiesen hat.
Cogolin
Da wir den Hauptteil unseres Urlaubs in der Nähe von Saint Tropez verbracht haben, ergab sich für mich die Möglichkeit auch die Pfeifenproduktion im ca. 15 km von Saint Tropez entfernten Cogolin zu besuchen. Laut Rutzen ist die dortige Firma CH. COURRIEU (www.courrieupipes.fr und www.courrieu-pipes.com) die einzige bedeutende französische Bruyère-Pfeifenproduktionsstätte außerhalb von Saint Claude. Bei COURRIEU wurden wir ähnlich wie bei GENOD sehr herzlich begrüßt und bekamen als erstes die Entstehung der Pfeifen vom der rohen Bruyèreknolle bis zur fertigen Pfeife gezeigt und ausführlich erläutert. Anschließend folgte dann der Besuch des zur Fabrik gehörenden Ladens, in dem in 2 Räumen ausschließlich Pfeifen aus eigener Produktion und entsprechendes Zubehör angeboten werden, der dritte Verkaufsraum ist hauptsächlich dem Verkauf landestypischer Souvenirs vor allem aus Olivenholz vorbehalten (weitere Läden der Firma befinden sich in Saint Tropez und in Paris) In den beiden sehr großen Pfeifenverkaufsräumen konnte ich nach Herzenslust in allen vorhandenen Regalen und Schubladen stöbern und bekam von sehr hilfsbereiten und kompetenten Damen ständig neue und schönere Pfeifen vorgelegt. Die Preise bewegten sich dabei von ca. 30;- DM für stark gekittete "Produktionsabfälle" an denen man mich dezent vorbeigeleitete bis zu ca. 850,- DM, wobei man auch hier bei gründlicher Suche im Preisbereich von etwa 80;- DM bis 200,-DM sehr schöne Stücke finden konnte. Bei der genauen Betrachtung fiel mir allerdings, wie z. T. auch schon in Saint Claude auf, dass einige Pfeifen, insbesondere natürlich Bentformen, unabhängig vom Preis oft sehr schlecht gebohrt waren, in extremen Fällen trat die Holmbohrung ca. 3-5 mm über dem Boden in den Pfeifenkopf - genau Betrachtung und Prüfung mit einem Pfeifenputzer ist also bei Kaufinteresse unbedingt zu empfehlen. COURRIEU stempelt seine normalen Pfeifen offensichtlich mit "Extra" und schön gemaserte Stücke werden mit "Straight Grain" gestempelt, wobei ich diese Bewertung in vielen Fällen doch stark übertrieben fand. Auch der Preis für die "Spitzenmodelle" von ca. 350,- , 500,- oder 850,- DM war meiner Meinung nach, besonders bei den Exemplaren für 850,- DM, nicht unbedingt gerechtfertigt. Selbstverständlich konnte ich auch Cogolin nicht ohne neue Pfeife verlassen und so zieren jetzt auch 3 der Pfeifen mit dem Hahn auf dem Mundstück mein Regal, unter anderem eine sehr schöne Canadian mit 11 cm langem Holm und gut mittlerem Füllvolumen. Als Abschluss der freundlichen Bedienung bei COURRIEU wurde mir beim Kauf übrigens ohne spezielle Nachfrage eine Anschrift für Reparaturen bzw. zum Anfertigen neuer Originalmundstücke übergeben.
Ganz zum Schluss noch ein Tipp für Leute, die wie ich mit weiblicher Begleitung reisen, nicht allzu weit von Cogolin entfernt befindet sich die "Parfümstadt" Grasse, dort kann man ein vergleichbares Besichtigungs- und Einkaufsprogramm in verschiedenen Parfümfabriken absolvieren und zumindest meiner Frau und meinen Töchtern konnte ich damit einen sehr zufriedenstellenden, wenn auch nicht gerade billigen ;-), Ausgleich für die Geduld beim Pfeifenkauf bieten.
(04.08.2000)