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Reiseberichte Tabak Pfeife Whiskey In Dublin

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Reiseberichte:
Tabak, Pfeife und Whiskey in Dublin, Irland

Uwe Hesse

Tabak und Pfeife

Pfeifenmässig gesehen ist die Hauptstadt der irischen Republik natürlich wegen den bekannten Peterson-Systempfeifen interessant. Der Laden der Firma ist in bester Innenstadtlage gegenüber dem Trinity-College bzw. der Bank of Ireland in 117 Grafton Street, Dublin 2 nicht zu verfehlen (Fotos 1-7), gleich daneben befindet sich der Laden von J.J. Fox. Der alte Peterson-Werbespruch "The thinking man smokes a Peterson Pipe" findet sich noch in dem Zeichen über dem Laden.
Die Nürnberger Brüder Friedrich und Heinrich Kapp eröffneten einen Tabakladen als Kapp Brothers 1865 in der Grafton Street, bevor Charles Peterson mit der von ihm erfundenen Systempfeife als Partner aufgenommen wurde und die Firma in Kapp & Peterson (K&P) umbenannt wurde.

Bei Petersons ist eine gute Auswahl aller Pfeifenlinien erhältlich außerdem einige Falcon und Chacom Pfeifen, Pfeifenzubehör, Schweizer Taschenmesser und Silberzeug. Teuerste Modelle waren die Spigot Gold für EUR 265, ansonsten liegen die meisten angebotenen oFi Pfeifen im Bereich von EUR 40 bis EUR 120, also wirklich zum preiswerten Zugreifen, selten genug in diesem Hochpreisland. Peterson Pfeifen sind Serienpfeifen in klassischen Formen, die als oFi sogar ungewohnt elegant sein können. Die glatten Finishes überwiegen, außerdem noch einige irisch-scharf rustizierte Modelle (Donegal), Türkischer und Afrikanischer Meerschaum, hingegen sind sandgestrahlte Petersons eher selten.
Peterson hat eine lange Tradition mit Sterlingsilberapplikationen, die bei den Spitzenmodellen sogar vergoldet sind. Spezialitäten sind seit 1987 die diversen Modelle der beiden Sherlock Holmes Serien. Obacht sollte man auf die Bohrungen geben, da hier nach meiner Beobachtung größere Streuungen vorkommen können. Die Verkäufer sind gern bei der Pfeifenauswahl behilflich und öffnen die Vitrinen zur ungestörten Pfeifenbegutachtung.

Tabakmäßig sind alle mittlerweile neun auch in Deutschland bekannten Petersontabake erhältlich, diese sind allerdings im Gegensatz zu den deutschen Kohlkopp Lizenzprodukten made in Ireland und außerhalb des Dubliner Ladens im Lande kaum erhältlich. Ich vermute als irisch-britischen Hersteller Gallaher Dublin Ltd., die eine Tabakfabrik Virginia House, Airton Road im Vorort Tallaght südwestlich von Dublin betreiben. Im Laden wird auch lose ein Peterson House Blend de Luxe sowie einige Plugs anderer Hersteller angeboten. Die eigentliche Pfeifenfabrik Peterson House ist in Sallynoggin, County Dublin, einem südöstlichen Vorort der irischen Hauptstadt gelegen und kann nach Voranmeldung besichtigt werden, siehe informative Homepage www.peterson.ie.

James J. Fox in 119 Grafton Street seit 1881 wurde in Dublin gegründet und machte sich ab 1947 mit Tobacco Shops in der Londoner City bis hin zur Übernahme von Robert Lewis in London einen Namen in der Tabakwelt. Das Dubliner Stammhaus offeriert neben einer guten Peterson und Chacom Auswahl vor allem Zigarren, Wein, Whiskey, Silberkram und Touristentand (Fotos 8-13). J.J. Fox ist auch wegen der hauseigenen Tabake interessant: Neben den drei bekannten Mischungen, habe ich dort noch gesehen:
Dorisco Mixture (Perique, Latakia und VA), Provost, Fox Aromatic, Rotary Luxury Navy Cut u. a.
Die grossen alten Dosen mit Waage zum Selbstmischen im Laden sind leider nur noch Dekoration, die Tabake werden mittlerweile nur noch fertig im Pouch oder in der Dose angeboten (Fotos 8-13), da hat der Londoner Laden Fox/ Lewis in der St. James Street unvergleichlich mehr zu bieten. Auf einer der Dosen ist noch die Aufschrift "Latakia" erkennbar.
Beide Fachgeschäfte halten sich noch an die traditionellen irischen Ladenöffnungszeiten und schliessen Montags bis einschließlich Sonntags (!) schon 17:30 Uhr.

Die angebotenen Pfeifenmarken sind leider sehr begrenzt, ausser Peterson vor allem Chacom, dänische Pfeifen von Stanwell u. a. sind unbekannt. Das Angebot an 9mm Filterpfeifen macht höchstens 10 Prozent des Gesamtangebots aus. Die oFi Petersons haben in Originalausstattung ein Metallröhrchen als herausnehmbaren Filter.

Im The Decent Cigar Emporium (Foto 14) am oberen Ende der bedeutendsten Einkaufsmeile in 46 Grafton Street nahe Stephens Green findet sich nach eigener Aussage die grösste Longfiller-Auswahl der irischen Republik. Das Geschäft befindet sich im 1. OG und ist von der Fußgängerzone aus zugänglich. Als einziges Pfeifenangebot kann man dort immerhin englische Ashton Pfeifen erwerben, ab Euro 135 für ein sandgestrahltes Modell (siehe Werbeblatt). Eine Zigarre Montecristo Torpedo kostet beispielsweise EUR 18. Stammkunden können sich dort nach Londoner Dunhill Vorbild Humidorfächer mieten und im Laden mit kompletter englischsprachiger Zigarrenbibliothek genußvoll schmauchen. Der Laden veranstaltet auch regelmäßig edle Zigarrenabende mit Dubliner Prominenz. Ich konnte auch eine 100g Dose Ashtontabak by Kohlkopp für 44 (vierundvierzig!) Euro betrachten, tabaksteuermässig wird in Irland leider gnadenlos zugeschlagen.
Hinsichtlich Zigarren sollte auch nicht der Humidorhersteller Manning vergessen werden, der wahre Kunstwerke in perfekter handwerklicher Verarbeitung in Bagenalstown, Co. Carlow herstellt. Www.manninghumidors.com

Für Zigarettensüchtige: Die Standardpackung Dunhill oder Marlboro zu 20 St. kosten ca. Euro 5,20, Preise zum schnellen Abgewöhnen. Um den Kauf scheinbar erträglicher zu machen, werden alle gängigen Sorten in viel gekauften kleinen 10er Packungen angeboten. Im Strassenbild spielen daher Zigaretten nur eine untergeordnete Rolle, Pfeifen sind völlig bedeutungslos. Die irische Niederlassung von Imperial Tobacco ist kürzlich in eine neu gebaute Zigarettenfabrik in West Dublin umgezogen und produziert dort mit John Player & Sons Special die angeblich meist verkaufte Zigarettenmarke des Landes.
In der Stadt gibt es keine auffälligen Rauchverbote, völlig ungewohnt für die zahlreichen nordamerikanischen Touristen, die allerdings mit der Suche nach ihren irischen Wurzeln vollauf ausgelastet sind.

An Tabakhistorie Interessierte sollten die zahlreichen, oft sehr alten und weitläufigen Public Houses (Pubs) fest im Blick haben, nicht nur wegen des dort besonders gut schmeckenden frisch gezapften Guiness Porterbiers "Guiness is good for you" das aus Dublin stammt (Guiness Museum in der Crane Street), sondern auch wegen der dort häufig als Dekoration anzutreffenden historischen Tabakwerbung (Fotos 15-17). Alte irische Tabakfirmen waren: Wm. Clarke & Son of Dublin mit Sorten wie Wolfhound, Old Cathedral, Punchestown, Firma Mulingar Tobacco und Firma W. D. & H. O. Wills of Bristol and Dublin, Sorte Cut Golden Bar.

Interessenten für historische Tonpfeifen sollten The Claypipe Visitor Centre, in Knockcroghery in der Saison von Mai bis September besuchen. Das Städtchen Knockcroghery ist gerade 15 Meilen von Athlone an der Autostraße N61 im Landesinneren gelegen. Es war 250 Jahre für die Herstellung von Tonpfeifen berühmt bis zu seiner Zerstörung durch marodierende Banden im Bürgerkrieg 1921. In Workshops können jetzt wieder die alten Herstellungstechniken besichtigt werden.

Einen besonderen Gag kann man an der Auffahrt des zentrumsnah an der Pferderennbahn gelegenen neuen Luxushotels The Four Seasons, Simmonscourt Road, Ballsbridge, Dublin 4 kennen lernen. Die Plastik "The Pause", stellt einen Gentleman beim geruhsamen Pfeifenstopfen dar (Fotos 18 und 19). Im Fünf-Sterne-Hotel Berkley Court, Lansdowne Road gibt es einen Cigar Room mit eigenen Schließfächern.

Der Standardpfeifentabak der Iren scheint Murrays Condor Original ready rubbed bzw. Plug zu sein, 50g kosten zwischen 8 und 9 Euro und sind in jedem Zeitungsladen vorrätig. Ansonsten gibt es noch die eher selten zu findenden Dunhill und Peterson Tabakauswahl sowie die verbreiteteren Clan, Gold Block, St. Bruno ready rubbed, Gallahers Mellow Virginia und Murrays Erinmore Mixture u. a.
Die britischen Tabakkonzerne BAT (Murray) und Imperial Tobacco haben zusammen mit der irischen Gallaher Group den irischen Markt vollständig unter Kontrolle. Pfeifentabake der dänischen Konkurrenten Orlik ("Sweet Dublin" ist jedem Wettbewerbsraucher bekannt) und Mac Baren habe ich in Dublin nirgendwo gesichtet, wer also diese Aromaten bevorzugt, muss sich ausreichende Vorräte mitbringen. Ein Notnagel wäre nur Nordirland, da dieses Gebiet von der UK-Niederlassung betreut wird.
Danpipe/ DTM bietet für den Irlandfan die Tabakserie "Treasures of Ireland" an, doch bis nach Irland haben es diese Tabakschätzchen auch nicht geschafft.

In Belfast/ Nordirland ist die 1810 von George und John Murray als Tabakladen gegründete Murray Sons & Co. Ltd. jetzt zu BAT gehörende Whitehall Tabakfabrik mit etwa 100 Mitarbeitern von Interesse, aus der alle konfektionierten Dunhillsorten und Erinmoretabake (letztere seit 1920er) stammen. Andere Sorten sind der auch bei uns bekannte Indian Summer, der oben erwähnte Condor, Mellow Mixture (seit 1862) sowie Yachtman Navy Plug. Die Ausnahme ist hier lediglich der Dunhill Navy Rolls (ehemals Escudo), der in einem joint-venture mit Orlik in Dänemark hergestellt wird. Die genaue Rezeptur des berühmt-berüchtigten Erinmorearomas kennt nur der jeweilige Fabrikchef, zur Sicherheit ist eine Kopie in einem Belfaster Banksafe hinterlegt.
Adresse:
MURRAY SONS AND CO LTD., WHITEHALL TOBACCO WORKS,
1A LINFIELD ROAD,
BELFAST CO. ANTRIM BT12 5GN
Telephone: 028 9032 3801 Fax: 028 9022 3173

Wenn man die grüne Insel wieder verlassen darf oder muss (hier Auswahl bitte selbst treffen), wartet eine letzte Tabakquelle auf dem Dubliner Airport hinter der Handgepäckkontrolle. Hier gibt es Fünferdosenpacks aller Petersontabake 250g zu EUR 21,25 zollfrei, bzw. ca. EUR 50 versteuert. In ähnlicher Zusammenstellung gibt es außerdem Gallahers Mellow Virginia (250g EUR 22,20), Condor (EUR 20,57) und Erinmore Mixture (EUR 20,95).

An einer Hausruine an Dublins zweiter bedeutender Einkaufsmeile O'Connell Street/ Ecke Bachelors Walk, fand ich noch eine alte Kapp & Peterson Ltd. Werbung (Foto 20, Dachkante), als diese Pfeifenfabrik noch eine echte Bedeutung für die Stadt hatte.
Heute ist die irische Hauptstadt aufgrund sehr niedriger Unternehmenssteuern und ihrer günstigen Lage zwischen den Börsenplätzen London und New York City ein viel gefragter Offshore-Bankenplatz. Nicht nur der Tabakgenuss ist in Dublin ein echter Luxus. Das allgemeine Preisniveau ist in der irischen Hauptstadt sehr hoch, angeblich gleich nach dem europäischen Spitzenreiter London. Dublin leidet unter chronischen Verkehrsproblemen, die durch milliardenschwere EU-Infrastrukturprogramme für Schnellstraßenbau, Flughafenausbau und U-Bahn-Neubau in den nächsten Jahren gelöst werden sollen. Das irische Wetter ist nach meiner einwöchigen Erfahrung genau so wechselhaft wie erwartet, verbunden mit der irischen Leichtbauweise bei Wohnhäusern sollte man sich warm anziehen und gute Regenbekleidung (Vollschutz) immer griffbereit haben.

Exkurs Irish Whiskey

Dem traditionsreichen hochprozentigen Getränk, passend zu einer guten abendlichen Tabakpfeife, sind hier noch einige Zeilen gewidmet.
Die Gerste für den irische Whiskey wird traditioneller weise in geschlossenen Öfen getrocknet und dreimal gebrannt und nicht wie sein schottischer Whisky Kollege über Torffeuer und nur zweimal destilliert, daher ist er in der Regel süßer und milder als seine meist rauchigen östlichen Kollegen. Verschiedene Einflüsse haben in der Vergangenheit zu einer sehr starken Konzentration der Whiskeyproduktion auf der gesamten irischen Insel geführt. Gegenwärtig gibt es eine nennenswerte Produktion der fast einhundert verschiedenen Sorten nur noch an drei Standorten.
Die Irish Distillers Group, die seit 1987 zur französischen (!) Pernod Ricard Gruppe gehört, produziert in einer modernen industriellen Anlage in Midleton, County Cork im Süden der Republik und zugleich im County Antrim in Nordirland, in der Wirtschaft funktioniert also die irische Wiedervereinigung schon. Antrim ist der Standort der bekannten Old Bushmills Brennerei, gegründet 1608 bzw. 1784, auf jeden Fall die älteste noch produzierende Brennerei Irlands. In Midleton werden die diversen John Jameson Whiskeys seit 1780 hergestellt, auch die Marke Paddy und verschiedene kleinere Marken für den irischen Markt, wie John Power sowie der nur noch in Deutschland und Dänemark bekannte Tullamore Dew. Eine Sonderrolle nimmt die erst 1987 gegründete innovative unabhängige Cooley Distillery in Riverstown nahe Nordirland ein, in der auch viele Handelsmarken hergestellt werden.
Besucher können die Old Jameson Schaudestillerien in Midleton und seit 1997 im Stadtzentrum von Dublin, Smithfield Village, Bow Street besichtigen.

Aufgrund der hohen irischen Alkoholsteuer lohnt sich ein Kauf für den deutschen Touristen regelmäßig nicht, es sei denn, es handelt sich um hier nicht erhältliche Sorten. Die hohen Preise sind auch die Ursache für die traditionelle Schwarzbrennerei insbesondere in ländlichen Regionen Irlands.
Abschließend seien noch die Whiskeyliköre Irish Mist (englisch für Sprühregen/ Nebel, welch unfreiwillig treffende Bezeichnung!) und der bekanntere Baileys Irish Cream genannt. Der mit Whiskey versetzte Irish Coffee soll übrigens auf Amerikaner zurückgehen, echte Iren würden so ihren kostbaren Branntwein kaum verschwenden.

alle Informationen August 2002
bei den Preisangaben ist die hohe irische Inflationsrate von mindestens 3% jährlich zu berücksichtigen.

(25.11.2002)

Hinweis: Die im Artikel angesprochenen Fotos werden noch nachgereicht

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