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Schnupftabak: Der deutsche Schnupftabakmarkt
Jan Hauck
Hallo Daft,
habe mal meine Eindrücke zusammen gefasst, vielleicht ist es ganz informativ für die Schnupfer, die sich gern einen Überblick verschaffen wollen. Synjeco oder englische Internetanbieter habe ich hier ausgeklammert.
In Deutschland teilen sich im Wesentlichen zwei Schnupftabakhersteller den Markt. Dabei führt die Firma Pöschl mit etwa 90% Marktanteil gegenüber der Firma Bernard aus Regensburg. Das mag an der Gewohnheit der Verbraucher liegen, eine Dose Schnupftabak gern leicht im Laden an der Ecke kaufen zu wollen. Bernards bekommt man nämlich entweder in wenigen Fachgeschäften oder aber über die Bestellung aus dem Internet. Bernard stellt aber keineswegs weniger Einzelsorten her, und die Qualität ist auch nicht geringer. Eine dritte Firma aus Konstanz behauptet sich zwar auch verbissen am Markt, spielt dort aber keine bemerkenswerte Rolle.
Nun findet der Schnupfer eine Auswahl verschiedener Segmente, die ich hier eben eins nach dem anderen ansprechen möchte. Beginnen will ich mit dem Segment "blond-englisch". Der Tabak zeichnet sich durch einen vergleichweise extrem hohen Mentholanteil aus, und ist von relativ blonder Virginiafärbung, High Dry Toast im englischen Sprachgebrauch. Pöschl deckte diese Sparte bis vor einer Weile mit seiner Marke Red Bull Strong ab, hat die Marke aber inzwischen wieder vom Markt genommen. Der Schnupfer findet nun bei den Konstanzer Herstellern die Marke Kensington, und bei vereinzelten Fachhändlern die Marke Highland Ice von McChrystal's.
Das Segment "braun-englisch" deckt Pöschl zum hauptsächlichen Teil qualitativ hochwertig ab. Der Snuff "Ozona" oder die Löwenprise wie auch der Ozona President seien hier stellvertretend genannt. Bernard will mit seinem Angebot andere Verbraucher ansprechen und bietet in diesem Bereich keine nennenswerte Auswahl an. Konstanz hat in diesem Bereich den Rumney's Export und den Singleton's Super-Menthol auf dem Markt. Der Verbraucher mag in diesem Bereich vielleicht gern verschiedene Marken probieren, aber ich kann sagen, daß die Geschmacksnuancen in diesem Bereich sehr fein sind und kaum wahrzunehmen. Überdies ist dieses Segment bei den Schnupfern wohl eins der beliebtesten, und wer sich hier festgelegt hat, kann Pöschl oder Konstanz kaufen. Er wird geschmacklich und besonders qualitativ kaum Unterschiede bemerken.
Das dritte Segment ist das des Schmalzlers. Auch hier sind die Qualitäts- und Geschmacksunterschiede derart gering, daß kein Hersteller hier besonders hervorsticht. Trotzdem scheint Bernard hier die Nase vorn zu haben. Pöschl bietet sehr wenige Schmalzler an, verpackt in 100g-Tüten. Außerhalb von Bayern sind diese nahezu überhaupt nicht zu bekommen, so daß der Verbraucher auf das Internet zurück greift, und bei Bernard bestellt und dort auch eine ausgesprochen reiche Auswahl findet. Mehr kann dazu nicht gesagt werden.
Zum vierten Segment ist zu bemerken, daß es das reichhaltigste von allen ist. Ich spreche von "braun-englisch-aromatisiert". Den Grundtabak bilden oben erwähnte braune, englische Mischungen, die auf verschiedenste Arten aromatisiert sind. Pöschl deckt dieses Segment nahezu völlig ab. Hier findet der Verbraucher Kräuteraromen und Fruchtaromen vieler Arten wieder. Das geht von Alpenkräutern über Kirschen, Aprikosen, Himbeeren bis zu Orangen. Pöschl scheut sich dabei nicht, immer wieder neue Marken zu erproben (Ozona Cherry oder Silverstone Orange), und es lohnt sich hier, den fluktuierenden Markt zu beobachten.
Das fünfte Segment gehört vollständig den Herstellern aus Regensburg, nämlich Bernard. Sie decken zum Großteil die Wünsche der sehr traditionellen Verbraucher ab. So findet man in ihrem Angebot urbayrische Schmalzler, aber auch hochwertige Schnupftabake älterer Rezeptur. Besonders die letzteren sind einen Test nicht nur Wert, sondern Bernard profiliert sich dankenswerterweise in der Erhaltung dieser Sorten. Dazu gehören etwa der Pariser No.2, der Kownoer, Macuba, Offenbacher Cardinal oder Alt-Offenbacher Köstlich. Die Liste ist sehr lang, und wer naturbelassene Tabake mag, die nicht mentholisiert sind, sollte die Internetpräsenz von Bernard besuchen. Herausragend sind diese Marken auch deshalb, weil ihr Geschmack ausschließlich durch Mischung und Fermentation erzeugt wird, nur selten ist eine Sorte dabei, die ein Aroma mit sich führt. Aber auch dann nur konservativ (Fichtennadel oder Rum). Verpackt sind die Marken gelegentlich auch traditionell, z.B. in Zinnpapier. Wer also bei Bernard kauft, sollte ein Gefäß zu Hause haben, das eine Tabatiere darstellen kann.
Ein sechstes Segment hat Pöschl für sich reserviert. Ich nenne dies das "regionale" Segment, weil Pöschl verschiedene Marken lediglich regional anbietet, nicht in Döschen, sondern in Tütchen verpackt, und zielgerichtet für Bergleute. Hauptsächlich sind dies braun-englische Sorten, etwa der Red Bull Aromatic, der Glück-Auf oder der Spearmint. Teilweise treten auch aromatisierte Versionen wie Edelfrucht oder Jubiläumsprise auf. Alles in allem gibt es aber auf diesem Segment weniger als zehn Marken.
Das siebte Segment auf dem Schnupftabakmarkt würde man neudeutsch eventuell als "Merchandising" bezeichnen. Außerhalb Bayerns muß man Glück haben, hier etwas kaufen zu können. Dazu gehören Schnupftücher, Schnupftabakflaschen aus Porzellan oder Steingut in verschiedenen Größen oder Tabatieren aller Art, wobei auch Geschenksets dazu gehören. Bernard würde ich auch hier als führend bezeichnen, denn sie bieten deutschlandweit alle erwähnten Variationen dieses Zubehörs. Pöschl deckt beinahe nur Bayern ab, bis auf wenige Ausnahmen, während es bei Bernard nur einer Bestellung über das Internet bedarf.
Der deutsche Schnupfer muß also unter dem Strich ab und an etwas Aufwand betreiben, um seine persönliche Auswahl zu maximieren, allerdings ist Deutschland allemal keine Wüste in diesem Bereich.
(08.10.2003)