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Schnupftabak: Schnupftabak für Anfänger
Jan Hauck
Schnupftabak ist eine in Europa verbreitete und beliebte Form des Genusses von Tabak. Zum Schnupftabak gehören die fein gemahlenen Tabake, die zum Konsum über die Nase bestimmt sind. Überliefert ist, dass dies bis Ende des 19. Jahrhunderts die verbreitetste Art in Europa war, Tabak zu konsumieren. Dabei wurden keine gesellschaftlichen Schichten unterschieden. Man hört dabei die Legende, Schnupftabak sei einerseits bei den Medici gegen Kopfschmerz in Gebrauch gewesen, andererseits wird Tabak in dieser Form auch von Bergleuten unter Tage sehr geschätzt.
Auch bis nach China drang der Genuss von Schnupftabak vor. Davon zeugen bis heute die in oft filigranster Arbeit hergestellten Schnupftabakfläschchen, meist mit dazu gehörigem Portionierungsschälchen. Die Jade- oder Porzellanfläschchen sind heute mitunter gesuchte Sammler- und Kunstobjekte. Welche Arten von Schnupftabak sind heute im Gebrauch, werden hergestellt oder können unterschieden werden? Die Antwort in diesem Fall umfasst zweierlei. Erstens den sogenannten Snuff, zweitens den sogenannten Schmalzler.
Snuff ist in jedem Fall sehr fein gemahlener Schnupftabak, dem je nach Marke und Hersteller mehr oder weniger große Mengen an Zusatzstoffen beigemischt sind. Dazu gehört in Europa das Menthol, aber auch Aromen verschiedenster Art, sei es Aprikose, Himbeere, Waldfrüchte....an dieser Stelle gibt es grundsätzlich keine Grenzen. Diese Aromen und andere Beimischungen sind heutzutage zumeist Öle, die den Tabak auch zusätzlich anfeuchten und so dem Genuß förderlich sind.
Schmalzler wiederum unterscheidet sich von Snuff hauptsächlich durch eine höhere Grobkörnigkeit, aber auch durch einen höheren Anteil an fettenden Ölen. Schmalzler ist in der Regel auch dunkler als Snuff. Die Bezeichnung resultiert historisch aus der Beimischung von Butterschmalz. Die Haltbarkeit des Schmalzlers wurde durch das Schmalz selbst sehr begrenzt, deshalb wird heute auf Öle zurück gegriffen, die nicht dazu neigen, ranzig zu werden. Schmalzler wird hauptsächlich in Bayern bevorzugt.
Eine wichtige Bemerkung an dieser Stelle: Niemand sollte sich von der Bezeichnung Snuff verleiten lassen, einen Bekannten um ein Mitbringsel aus den USA zu bitten, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Snuff ist nach US-amerikanischem Verständnis ein Pulver, das über die Mundschleimhaut konsumiert wird. Achtung also.
Wie wird Schnupftabak dem Anfänger größtmöglichen Genuß bieten? Dazu gehört vorerst die Auswahl des richtigen Tabaks. Der Schmalzler ist generell ein sehr risikoarmes Gebiet, soll also hier ausgeklammert und empfohlen werden. Snuff andererseits erfordert eine höhere Informationsdichte. Man unterscheidet im Bereich Snuff verschiedene Richtungen. Grundsätzlich sind in Deutschland und Europa beinahe alle erhältlichen Snuffs mit Menthol versetzt. Nur vereinzelt hört man von naturbelassenen Snuffs. Dem Menthol kann sich der Anfänger zu Beginn so gut wie gar nicht entziehen. Jedoch existieren sehr verschiedene Grade der Schärfe, also des Mentholgehalts. Dies sind einerseits die "englischen Sorten", andererseits die "aromatisierten Sorten". Englische Snuffs sind nicht immer in England hergestellt worden, doch aber nach englischem Stil. Das bedeutet, der Mentholgehalt ist sehr hoch, der Snuff ist sehr fein gemahlen und in den meisten Fällen ein heller Tabak. Dabei ist zu bemerken, daß ein Tabak milder wird, je dunkler er ist. Den Grund dafür kennt man nicht, so viel ich weiß, aber es ist eine Tatsache, die auf Erfahrung beruht.
Der Anfänger sollte sich also wenn möglich den dunkleren Marken zuwenden. Erkennen kann man die Marken englischer Rezeptur auf Anhieb nicht. Daher empfiehlt sich eine Beratung durch den Tabakverkäufer, das Surfen auf Websites bekannter Snuffhersteller wie Pöschl, Bernard oder Gawith Hoggarth, aber auch nicht zuletzt die Anfrage in DAFT.
Entscheidet sich der Anfänger für eine dunkle Sorte, sollte er zusätzlich bedenken, ob ihm eine Aromatisierung recht ist oder nicht. Falls nicht, bleibt ihm der Griff zum Schmalzler, oder etwa zu Pöschls Gletscherprise. Dies ist der weitgehend am einfachsten erhältliche Snuff, dem obendrein eine Aromatisierung fehlt. Unter Aromatisierung versteht sich hier die Beimischung von Aromastoffen, die dem Snuff einen fruchtigen Charakter geben, dies im weitesten Sinne. Auch etwa Anis oder Lakritz würde dazu gehören, wobei jene nicht eben fruchtig wären. Der Anfänger kann insgesamt durchaus auf eine breitere Testpalette finanziell risikofrei zurück greifen, denn ausgezeichnete Snuffs bekommt man für wenig Geld, meist unter zwei Euro in Deutschland.
Bleibt zum Abschluß die richtige Schnupftechnik, denn auch von ihr hängt der Genuß ab. Dieses Thema ist in Kürze abgehandelt. Der Anfänger schnupft den Tabak von einem beliebigen Körperteil seiner Wahl. Zumeist ist dies der Handrücken. Dorthin gibt er eine möglichst kleine Portion Tabak und schnupft diese wenn möglich nicht über den Raum, den die Nasenlöcher freigeben, hinaus. Das bedeutet, der Erstversuch ist in der Regel unbefriedigend und wenig genußvoll, weil der Tabak leicht zu tief in die Nase gezogen wird. Bei trockenen Sorten aber auch generell kommt es vor, daß dann der Tabak im Kanal zwischen Mund und Nase stark kratzt, und dies sollte vermieden werden. Lieber schnupfe man noch eine Portion nach, wenn dem Anfänger danach ist, als gleich zu Beginn sich den Genuß zu verleiden, der nach mehreren Versuchen durchaus eintreten wird.
Schnupftabak wirkt dann derart, daß der Konsument plötzlich eine freie und prickelnde Nase hat, inwendig, ein Gefühl, das zugegeben von vielen Menschen als unangenehm empfunden wird, weil ungewohnt. Der Tabak wird sein natürliches oder zugefügtes Aroma entfalten, je nach Tabaksorte wird man einen mehr oder minder starken Drang haben, sich die Nase zu putzen, sowie die Nasenschleimhaut nimmt eine Menge an Nikotin auf, die so klein ist, daß sie auf den Körper äußerst anregend wirkt. Viele Schnupfer berichten auch von einem quasi urplötzlich geklärten Geist, der dann leistungsfähiger seine Aufgaben bewältigt.
Die Krebsgefahr soll auch hier angesprochen werden. Genaue Studien gibt es im Bereich des Schnupftabaks wenig, aber generell kann man sagen, daß Kondensate wegfallen, die beim Rauchen entstehen. Deshalb ist Schnupfen in jedem Fall risikoarm, wobei selbstverständlich auch eine Suchtgefahr durch Nikotin besteht. Diese Fakten sind jedoch momentan alles, was fest steht. Außer jener, daß Schnupfen eine sehr empfehlenswerte weil genußreiche Art des Tabakkonsums ist.
Zusatz von Klaus Komischke, leicht poliert von Jan Hauck:
Beim Schnupftabak ist zwischen den hellen und dunklen Sorten zu unterscheiden. Die hellen Sorten werden eher im Norden Deutschlands bevorzugt, und sind vorwiegend mit mehr oder weniger Menthol aromatisiert. Sie sind recht stark, sowohl vom Tabak als auch von der Aromatisierung und sollten daher nur in kleineren Prisen genossen werden. Nicht aromatisierte helle Snuffs sind eher selten. Im Süden Deutschlands werden eher die dunklen Sorten geschnupft. Diese bestehen meist aus durch lange Fermentation gereiften Tabaken und sind daher milder. Diese Tabake benötigen meist keine Aromatisierung, da durch die Fermentation eine gewisse Süße und ein sehr differenzierter Geschmack entstehen. Der Nikotingehalt ist bei diesen Sorten geringer als bei den Snuffs.
Feuchtigkeit macht Schnupftabak nasenfreundlich. Bei Schmalzler wird diese Funktion von Paraffinöl übernommen, der das in früherer Zeit enthaltene Butterschmalz ersetzt, das damals schnell ranzig wurde. Zu den dunklen Sorten gehören auch die sog. grünen Tabake. Diese sind im Endprodukt von den übrigen dunklen Sorten in der Farbe nicht zu unterscheiden. Das Grün kommt daher, daß für diese Schnupftabake (Kownoer, Russischer Augentabak...) die Tabakblätter in grünem Zustand geerntet werden. Durch die anschließende Fermentierung werden diese dann genau so dunkel.
Diese Tabak sind die kräftigsten unter den dunklen Sorten und kommen ohne Aromatisierung daher. Auch wenn der süße schwere Geruch der dunklen Sorten zunächst eine Aromatisierung vermuten läßt, so ist es der durch die Fermantation entstandene typische Tabakgeruch, der je nach Verarbeitungsweise ganz unterschiedliche Nuancen hervorbringt.
Zur Schnupftechnik lässt sich folgendes ergänzen, falls sich jemand an der Technik "Daumen-und-Zeigefinger" versuchen möchte: Im Prinzip ist es egal wie ich den Schnupftabak in die Nase bringe. Wichtig ist nur, daß ich ihn nicht zu weit in die Nase hochbefördere. Die Prise vom Handrücken leicht aufgeschupft funktioniert genauso wie mit Daumen und Zeigefinger in die Nase einbringen. Wobei letzteres wohl am schwierigsten zu erklären ist:
- Man (Frau natürlich auch) nehme die Prise zwischen Daumen und Zeigefinger aus der Schnupftabaksdose.
- Man führe den Schupftabak mit beiden Fingern zu einem der beiden vorhandenen Naselöcher so, daß der Daumen zum Gesicht zeigt.
- Man hebe den Zeigefinger ab und drücke dir Prise unter leichtem Aufschnupfen in das Nasenloch.
(28.10.2002)