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Sonstiges: "Knigge" für Raucher & Nichtraucher
Uwe Hesse
"Wir als Aficionados sollten uns selbst als verständige Menschen begreifen. Nur so ist es möglich, etwas an den Vorurteilen vieler Menschen zu ändern und dafür zu sorgen, dass die wachsende Zahl der Zigarrenfreunde positiv aufgenommen wird. Dieses Ziel vor Augen, lohnt es stets, auf Mitmenschen zuzugehen." Zino Davidoff (1906-1994)
1. Einleitung
Angesichts der in unserer Fitness-Gesellschaft nach nordamerikanischem Vorbild zunehmenden Raucherfeindlichkeit, ist es für jeden Raucher um so wichtiger, sich rücksichtsvoll zu verhalten, um diese grundsätzliche Tendenz nicht noch unnötig zu verschärfen - im Interesse aller Raucher. Dabei sind heute Raucher als Gesundheitsschädlinge immer in der schwächeren Position und sollten nicht auf ihr vermeintliches Recht pochen - genußvolles Rauchen ist unter solchen Umständen ohnehin nicht möglich. Der Klügere gibt nach!
Pfeifenrauchern bleibt der schwache Trost, dass ihr Rauchen von Nichtrauchern noch als am wenigsten gesundheitsgefährdend oder im Glücksfall gar als angenehm empfunden wird - vorausgesetzt man schmaucht nicht die hoch konzentrierte Latakia-Mischung. Zigarrenraucher haben hingegen eher mit dem deutschen Neideffekt gegenüber ihrem Kapitalistenschnuller zu kämpfen und organisieren sich deshalb ihrerseits in exklusiven Clubs. Angemessenes Verhalten gilt aber umgekehrt auch für alle Nichtraucher. Richtiger Benimm setzt dabei die Kenntnis der gesellschaftlich anerkannten Regeln für gutes Benehmen voraus. Ob man sein Verhalten danach ausrichtet oder als antiquiert abtut, sollte jeder für sich entscheiden. Berücksichtigen sollte man aber, dass diese gesellschaftlichen Spielregeln überall in der Welt von den einflußreichen Kreisen bestimmt werden und wer sie nicht befolgen kann oder will, draußen bleibt.
Grundsatz: Gutes Benehmen ist immer etwas komplizierter als schlechte Manieren, aber beides hinterläßt einen nachhaltigen Eindruck.
2. Anmerkungen für Raucher
Uneingeschränkte Rauchverbote gelten (außer in ausdrücklich gekennzeichneten Raucherzonen): - in Krankenhäusern - auch und vor allem für Krankenbesucher, - in Wartezimmern sämtlicher Ärzte, - in Räumen in denen sich ältere Menschen oder gar Kinder aufhalten, - in Küchen, - in besonders engen Räumen wie Aufzügen, - in Kirchen, Theatern, Museen und Schwimmhallen, auf Friedhöfen, - in öffentlichen Verkehrsmitteln, - in Parkhäusern, an Tankstellen und anderen explosionsgefährlichen Orten und - im Wald bei akuter Brandgefahr.
Beachte: In den USA gilt umgekehrt eine Raucherlaubnis nur für den allein lebenden Raucher in den eigenen vier Wänden, soweit der nächste Nachbar nicht näher als zehn Meilen entfernt wohnt; rauchende Colts sind hingegen deutlich problemloser ;-))
Rauchen in Gesellschaft Höfliche Standardfrage jedes Rauchers gegenüber Nichtrauchern sollte immer sein Stört es Sie, wenn ich rauche? / Englisch: Do you mind if I smoke?. Anderenfalls könnten Sie sehr schnell z. B. im Restaurant die mehr oder weniger aggressiv vorgebrachte Frage hören Stört es Sie, wenn ich esse? Dies gilt übrigens auch wenn ein Aschenbecher bereit steht (könnte auch nur für Tischabfälle gedacht sein) und wenn sich der Raucher in seinen eigenen vier Wänden oder im eigenen Büro befindet!!
Outdoor-Raucher sollten darauf achten, wer ihren Rauch abbekommt sowie herumfliegende Glut und Aschereste vermeiden, da ansonsten leidige Schadensersatzforderungen für beschädigte oder verschmutzte Klamotten die Folge sein können. Rauchen in fremden Autos ist natürlich nur mit Einverständnis des Besitzers erlaubt, da der Einbau von Aschenbechern (noch) unabhängig von den Vorlieben des Besitzers erfolgt. Wer Aschereste auf dem Fußboden oder in Blumentöpfen verteilt, braucht sich über ein Hausverbot nicht zu wundern. Außerdem sollten Pfeifenraucher Dritten den Anblick und insbesondere den Geruch von benutzten Pfeifenreinigern ersparen!
Beim Essen sollte auch zwischen den einzelnen Gängen nicht geraucht werden, da ansonsten bei Nichtrauchern und auch viele Rauchern der weitere Essengenuß empfindlich gestört wird. Üblicherweise kann erst zum Aperitif bzw. Dessert geraucht werden und dann möglichst in einem anderen Raum (in der früheren feinen Gesellschaft nur die Gentlemen im Raucherzimmer im Smoking) oder notfalls im Freien. So wie man nicht mit vollem Mund beim Essen sprechen sollte, ist es alles andere als cool, mit der Zigarre oder Pfeife im Mundwinkel zu reden (Ausnahmen nur für Könner).
Rauchen am Arbeitsplatz Auf der Arbeit sollte der Raucher seiner Leidenschaft nur frönen, soweit die Kollegen uneingeschränkt zustimmen, ansonsten könnte schnell dicke Luft im Team aufsteigen. Bei längeren Konferenzen und Tagungen sollten in der Tagesordnung angemessene Raucherpausen berücksichtigt werden. Pfeifenrauchen wird in der heutigen Gesellschaft selten mit den Adjektiven jung und dynamisch verbunden, so dass man sich u. U. unbewußt Karrierechancen verbaut. Derzeit ist das Zigarrenrauchen en vogue, soweit es nicht als lächerliche Aufsteigerattitüde angesehen wird, die allenfalls beim Big Boss glaubwürdig ist. Fazit: IMO ist Genußrauchen eine der schönsten Nebensachen am Feierabend und ein guter Grund mehr, sich auf das Leben nach der Arbeit zu freuen.
Exkurs: Wer gibt wem Feuer? Diese Frage stellt sich für Pfeifen- und Zigarrenraucher nicht, da diese sich selbst versorgen, allenfalls kann man dem Raucherkollegen freundlicherweise sein Feuerzeug oder Zündhölzer zum Gebrauch ausleihen. Ansonsten gilt im Zweifel die alte Regel wie beim gegenseitigen Bekanntmachen: der Rangniedere dem Ranghöheren, der Herr der Dame, der Jüngere dem Älteren.
Wenn du oft Unbehagen fühlst, weil du nicht tun kannst, was du willst, denk dran: ein jeder Mensch muß sich bequemen, Rücksicht auf andere zu nehmen. (aus einem historischen Plakat eines Tabakherstellers)
3. Anmerkungen für Nichtraucher
Sein gutes Recht, nicht zum Mitraucher wider Willen zu werden, sollte man immer mit der gebotenen Höflichkeit vertreten. Benutzen Sie Formulierungen wie Wären Sie bitte so freundlich, hier nicht zu rauchen? oder Entschuldigen Sie bitte, aber ich kann Rauch nicht vertragen. Vielleicht ist dem Raucher die Nichtraucherzone auch einfach unbemerkt geblieben. Heute ist es auch längst nicht mehr unhöflich die Frage eines Rauchers nach einer Raucherlaubnis abzulehnen. Es sei denn man ist Gastgeber und weiß um die Leidenschaft seiner Raucher-Gäste, dann sollte man sich zumindest um Kompromisse bemühen, z. B. das Rauchen auf dem Balkon oder am geöffneten Fenster gestatten. Aschenbecher werden nur für Asche und Kippen gebraucht, Knüllpapier, Obstkerne und Kaugummis gehören nicht hinein. Nichtraucher die glauben erzieherisch wirken zu müssen, gehen mit ihrem persönlichen Weltnichtrauchertag den Rauchern unheimlich auf den Geist.
Auch wenn dir Leute widerstreben, die gern sich dem Genuß hingeben, denk dran: das Ansehen jenes Menschen steigt, der Toleranz statt Strenge zeigt! (aus einem historischen Plakat eines Tabakherstellers)
Internet: Arbeitskreis Stil & Etikette