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Zubehoer Entwicklung Filtersysteme

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Zubehör: Entwicklung von Filtersystemen für Tabakspfeifen

Volker Götz

Ich selbst rauche ohne Filter - was aber mit den Filtern an sich damals bei der Entscheidung nichts zu tun hatte. Darüber habe ich mir erst sehr viel später Gedanken gemacht und Informationen gesammelt.

Kondensatfallen in Form von Wassersäcken gibt es m.E. seit min. 200+ Jahren - siehe Porzellanpfeifen und Ulmer Maserpfeifen oder auch der Pfeifentyp Cavalier um die Jahrhundertwende 18./19 Jahrhundet. Das Peterson System ist eine Abwandlung davon, bei der man einerseits den Wassersack nicht von außen sieht und andererseits der Kondensationspunkt definiert in den Holm gelegt wurde.

Kondensatfallen ohne besonderen Kondensatbehälter gibt es m.E. seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Meist handelt es sich dabei um gut wärmeleitende Metallteile, die im Rauchstrom plaziert werden. Hierzu gehört auch die inner tube von Dunhill. Die Patentschrift zu dieser inner tube steht mehrfach im Netz und sollte mit google gefunden werden. In ihr ist die prinzipielle Wirkungsweise erklärt. Solche Kondensatfallen wurden und werden immer noch weltweit vor allem in Pfeifen der unteren Preisklassen eingebaut.

Filterpatronen aus unterschiedlichsten Materialien gibt es wohl auch bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Vauen hat aber wohl damit als erster Hersteller ein überregionales erfolgreiches Marketingkonzept auf die Füße gestellt. Der zweiterfolgreichste Hersteller in dieser Hinsicht ist vermutlich Dr. Grabow in den USA.

Den Verkauf einer Pfeife mit dem Verkauf eines Filtersystems zu verbinden, das den regelmäßigen Nachkauf von Verbrauchsmaterial erfordert, hat angenehme Aspekte für den Hersteller. Zum einen bindet er den Kunden an "sein" Filtersystem, zum anderen hat er ein müheloses und berechenbares Folgegeschäft. Im Laufe der Zeit stellten die beiden o.g. Hersteller jeder für sich eine Pseudonorm im Markt, der sich inzwischen alle anderen Filtersysteme anpassen mußten oder in der Bedeutungslosigkeit verschwanden.

Bis in die sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts stellten Filterpfeifen aber von VN und Dr. G. abgesehen ein recht kleines Marktsegment dar, das mehr oder weniger als Gesundheitspfeifen oder "die Pfeife, in der der Tabak brennt anstatt die Zunge" vermarktet wurde.

1964 kam dann der erste AntiRauchReport, der Terry-Report. In diesem Urreport aus den USA wurde erstmals der Zusammenhang zwischen Rauchen und bestimmten Krebsvarianten statistisch dargestellt. Dabei wurde zwischen Nichtrauchern, Zigarettenrauchern, Zigarrenrauchern und Pfeifenrauchern unterschieden. Einzelheiten können in www.pipes.org nachgelesen werden.

Der Terry-Report hatte zwei nennenswerte Auswirkungen. Die Zigarettenindustrie bot leichtere Zigaretten mit neuentwickelten Filtern an. Der Marlboroughtyp entstand und setzte sich gegenüber den damals noch überwiegend üblichen filterlosen Zigaretten durch.

Zum zweiten hatten die Statistiken ergeben, daß Pfeifenraucher lt. den erhobenen Zahlen und deren Auswertung in ihrem Gesundheitsrisiko ungefähr den Nichtrauchern entsprachen. Zahlreiche gesellschaftliche Leitfiguren konvertierten damals zu Pfeifenrauchern und zeigten dies öffentlich. Dazu kam die mit positiven Annahmen besetzte Vorstellung vom Pfeifenraucher. Also folgten viele Zigarettenraucher den positiven Beispielen - wenn auch manchmal nur in der Öffentlichkeit. In Deutschland griffen Vauen und Denicotea an der Spitze diese Welle auf und konnten sich besonders in der stückumsatzreichen unteren Mittelklasse mit Filterpfeifen große Marktanteile holen.

Die deutschen Pfeifenraucher bildeten hinfort drei Gruppen. Nach WKII konnten sich viele Zigarettenraucher die teuren industriell gefertigten US-Zigaretten nicht leisten und griffen deshalb zur verschämt Shagpfeife genannten Mutzpfeife und billigem Feinschnittabak, um Geld zu sparen. Die wenigsten blieben bei der Pfeife, als es uns wirtschaftlich wieder besser ging.

Eine weitere Gruppe bildeten die, die immer schon Pfeife - meist nach englischem Vorbild - geraucht hatten. Die blieben dabei und rauchten meist ohne Filter weiter.

Eine dritte Gruppe konvertierte aus gesundheitlicher Rücksichtnahme zum Pfeifenrauchen. In dieser Gruppe wurde der Filter lebhaft begrüßt. Diese nach kurzer Zeit zahlenmäßig größte Gruppe bildete einen phasenweise sehr lebhaften Wachstumsmarkt, an dem andere Hersteller vor allem zunächst aus Dänemark und Frankreich partizipieren wollten und dies - wie wir heute wissen - auch erfolgreich getan haben.

Die Importeure standen nun vor der Entscheidung entweder zwei parallele Sortimente mit und ohne Filterbohrung anzubieten oder ein Sortiment für die größte Interessentengruppe. Letzteres war und ist natürlich kostengünstiger. Also begann man, das Filterkonzept auf breiter Fläche mittels Marketing, Werbung und Einflußnahme auf die Fachhändler durchzusetzen und natürlich auch das Folgegeschäft mit dem Verbrauchsartikel Filter mitzunehmen. Hinzu kam, daß zu jener Zeit der Löwenanteil des Umsatzes im Markt von Pfeife und Tabak keineswegs von den Fachhändlern gemacht wurde, sondern durch Handelsketten, Kaufhäuser und Lebensmitteleinzelhändler. Es ging um den Massenmarkt, der damals in der Tat noch einer war - wenngleich ein Winzling gegenüber dem boomenden Zigarettenmarkt. Es war die Zeit von Lincoln und Stanwell - drei Dinge braucht der Mann Pfeife, Feuer, Stanwell. Heute informiert der durchschnittliche Fachhändler - der sich von diesem Fachhandel alleine meist nicht mehr ernähren kann, sondern anderes wie Zigaretten, Zeitschriften, Lotto usw. hinzunehmen muß, um zu überleben - den Kunden meist nicht einmal über die möglichen Alternativen mit oder ohne Filter. Ja - er kann es sich meist nicht einmal erlauben, da ihm sein - oft mit sanftem Zwang des Großhändlers oder der Einkaufsgemeinschaft vorgeschriebenes - Sortiment nur noch die Option mit Filter zu verkaufen ermöglicht. Wenige Fachhändler mit der Möglichkeit für den Verkauf hochpreisiger Ware können es sich wirtschaftlich erlauben, daraus auszubrechen.

Dies mag hier als Hinweis auf die Entwicklung der angebotenen Sortimente genügen. Nun aber zur individuellen Entscheidung für oder gegen den Gebrauch des Filters oder auch für einen Mischbetrieb.

Die Qualität des Rauchgenusses hängt letztlich von den Bedingungen beim Rauchen ab. Dazu tragen bei:

  • der Tabak und dessen Konsistenz,
  • das Material der Pfeife,
  • die Gestaltung des Brennraums,
  • die Gestaltung der Pfeife als solcher[1] ,
  • die strömungstechnisch günstige oder ungünstige Führung des Rauchstroms[2],
  • die Fertigkeit des Rauchers beim Stopfen
  • die Fertigkeit des Rauchers beim Langsamrauchen.

[1] Ich bin davon überzeugt, daß es für Pfeifen so etwas wie einen goldenen Schnitt gibt.
[2] ... der ja nichts anderes als ein Aerosol ist.

Dem Raucher sind nun vereinfacht zwei Optionen zur Wahl gestellt.

Option I ist der Gebrauch des Filters in der Absicht, dem Rauchstrom störende bzw. als schädlich erkannte Bestandteile zu entnehmen. Die Anwesenheit des Filters im Weg des Rauchstroms verursacht dann aber eine ungünstigere Strömungsführung des Rauchstroms mit vermehrter Absetzung von Kondensaten und die verzögerte Steuerung des Glimmprozesses, da der Filter sowohl hinsichtlich der Wahrnehmung als auch der Reaktion auf sich verändernde Glimmtemperaturen als Dämpfungselement wirkt.

Option II, nämlich ohne Filter zu rauchen, bietet hingegen bei Normalbohrung und sauberer Verarbeitung des Innenlebens des Rauchkanals den Vorteil einer strömungstechnisch günstigeren Führung des Rauchstroms und einer ungedämpften Kontrolle des Glimmprozesses. Außerdem werden keine - womöglich den Geschmack wesentlich beeinflussenden - Inhaltsstoffe des Rauchstroms zurückgehalten.

Aus einer für 9mm-Filter vorgesehenen Pfeife ohne eingelegten Filter zu rauchen ist ein Kompromiß. Die streckenweise erhebliche Aufweitung und anschließende Verengung des Rauchkanals wirkt sich strömungstechnisch ungünstig aus und bedeutet ebenfalls eine gegenüber der durchgehenden Normalbohrung erhöhte Absetzung von Kondensat und damit der Ausfällung von Inhaltsstoffen des Rauchstroms.

Welche Option der einzelne Raucher letztlich wählt, kann er nur durch Versuch und Überlegung für sich selbst entscheiden.

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