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Zubehör: Feuerzeuge - vom Frackanzünder zur Jetflamme

Uwe Hesse

"Mein Vater rauchte beständig Pfeifen, aber, als Feind aller Neuerungen, niemals Zigarren, nahm daher auch niemals Reibhölzer, sondern blieb bei Zunder, Stahl und Stein oder Fidibus."
(Wilhelm Busch (1832-1908): Von mir über mich (1893), Autobiografie)

Lange Zeit wurden zum Anzünden von Pfeifen ein verkohltes Stück Stoff (Zunder), Zunderbüchse, Holzspäne (Fidibusse), glühende Kohlen, eine Kerze o.ä. und Zündhölzer (Phosphorhölzer ab 1827, Sicherheitszündhölzer mit spezieller Reibfläche ab 1844)verwendet.
Im Jahre 1904 ließ sich der Österreicher Auer von Welsbach eine "pyrophore Metalllegierung" patentieren, Cerium (Cer)-Eisen oder Zündstein genannt; mit Hilfe des Zündsteins konnte man benzingetränkte Watte entzünden. Dieses Streichfeuerzeug wurde wegen seiner unsicheren Handhabung auch scherzhaft als "Opas Frackanzünder" bezeichnet.

I. Brennstoffe

1. Benzinfeuerzeuge

Das einfache englische Benzinfeuerzeug WW I (Imco Triplex) erlebte seine erste große Verbreitung bei den Soldaten in den Schützengräben des ersten Weltkrieges und wird heute noch als billiges und unverwüstliches Gerät für den Rucksacktouristen hergestellt.

Legendärer Star unter den Benzinern ist das 1932 vom Amerikaner George Grant Blaisdell entwickelte Zippo aus Bradford/ Pennsylvania (USA), Slogan "Use it to start something". Ausgestattet mit einer lebenslangen Funktionsgarantie und bekannt durch das markante Klicken beim Öffnen, hat es sich eine treue Fangemeinde weltweit erobert. Das Zippo gibt es in allen denkbaren nicht immer geschmackssicheren Dekoren und in zwei Größen als Taschenfeuerzeug.

www.zippomfg.com
www.zippo.de
www.zippothek.de

2. Gasfeuerzeuge

Als Gas wird ausschließlich Butan verwendet. Das erste Gasfeuerzeug "Gentry" wurde am 19. Juni 1947 vom Franzosen Marcel Querica vorgestellt, damals noch als Tischgerät. Die handliche Taschenversion folgte wenige Monate später unter dem Namen "Crillon".

1961 wurde von der französischen Firma Cricket das erste preiswerte Gasfeuerzeug eingeführt, dies war gleichbedeutend mit dem Niedergang der Streichholzindustrie. Im Jahre 1964 folgt aus Deutschland das erste elektronische Feuerzeug von Rowenta (Akronym aus dem Erfindernamen Robert Weintraud) mit lautloser Batteriezündung. Ein anderer Feuerzeugerfinder war Tomio Nitta, der 2002 verstarb.

Ohne Batterie arbeiten die Gasfeuerzeuge mit Piezo-Zündung. Nach diesem Prinzip funktioniert das 1968 vorgestellte BiC electronic. Dem französische Erfinder Baron Marcel Bich "verdankt" die Welt auch andere Einwegprodukte wie die BiC Kugelschreiber (seit 1950) und Nassrasierer (1976). Seit 1972 produziert BiC täglich vier Millionen Feuerzeuge, etwa 10 Billionen Stück sind seither schon verkauft worden.

www.bicworld.com

3. Chemische Feuerzeuge

Eine weitere Brennstoffart waren chemische Feuerzeuge, die sich jedoch am Markt nicht durchgesetzt haben.


II. Zündungsarten

Zum Entzünden des Brennstoffs gibt es drei wesentliche Zündungsarten:

1. Steinzündung

Bei der bekannten Steinzündung wird mit einem Daumenrad oder einer Metallzündrolle ein Funke am Feuerstein erzeugt, der das Benzin oder Gas entzündet. Der Zündstein ist dabei das Verschleißteil. Diese Zündung wird bei Benzinfeuerzeugen ausschließlich verwendet.

2. Batteriezündung

Erstmals von Rowenta 1964 vorgestellte lautlose elektrische Zündung (1972 auch in Kombination mit Solarzellen), wird nur noch selten angeboten.

3. Piezo-Zündung

Dabei werden bestimmte Quarzkristallen und Turmaline aufeinander geschlagen und somit eine elektrische Spannung erzeugt, die den Zündfunken speist. Diese Zündung funktioniert praktisch wartungsfrei und ist weit verbreitet.


III. Flammenarten

Bei Feuerzeugen wird die schmale Flamme für Zigaretten, die breite für Zigarren und die diagonale bzw. horizontale für Pfeifen unterschieden. Die neueren Entwicklungen sind Glutpunkt- (nur für Zigaretten), Turbo- bzw. Jetflammen-Feuerzeuge mit einer windsicheren Flamme, die auch kopfüber brennt.


IV. Ausgewählte Traditionshersteller

1. Cartier Paris

Louis Francois Cartier gründete 1847 in Paris seine Uhrmacher- und Juwelierdynastie. Die schönen ovalen Feuerzeuge sind häufig im Beisortiment von Edeljuwelieren zu finden.

2. Dunhill

Dunhill Unique

Der bei Pfeifenfreunden wohlbekannte Alfred Dunhill begann 1893 in London mit einer Firma für Reisebedarf. Im Jahre 1924 wurde das "Unique" Feuerzeug mit Reibrad vorgestellt (Auswahl unter drei verschiedenen Düsenarten), dies war das erste Feuerzeug zur Einhandbedienung und der Vorläufer aller modernen Luxusfeuerzeuge. 1956 folgte das "Rollagas" mit seitlicher Drehrolle. Beide Modelle gibt es jeweils in zwei Größen und in verschiedenen Materialien. 2000 erschien das Dunhill "Unique Turbo Sports".

3. S.T. Dupont Paris

Der zweite französische Hersteller für Edelfeuerzeuge ist gleichzeitig in Deutschland mit 75% Marktanteil der Bedeutendste im Luxussegment. Die Buchstaben am Anfang stehen für die Vornamen des Gründers Simon-Tissot Dupont, der 1872 in Paris eine Fabrik für hochwertige Lederkoffer und Reisenec-cessaires gründete. 1943 wurde das erste Benzinfeuerzeug - kriegsbedingt zunächst noch aus Aluminium hergestellt. 1952 wird ein Patent für ein Gasfeuerzeug angemeldet, Modell "Linie I". Weitere klassische Feuerzeugmodelle sind das schlankere "Linie II" (1977) besonderes Merkmal ist deren heller "Kling"-Ton beim Öffnen; die kompakten "Linie D" (1985) und "Gatsby" (1989) sowie das an ein altes Hammerfeuerzeug erinnernde "Urban" (1999). Neu vorgestellt wurde 2000 das moderne Jetflammenfeuerzeug "X-Tend".

Jedes klassische Dupont-Feuerzeug wird aus einem massiven Messingblock herausgearbeitet, der gleichzeitig auch den Gastank bildet. Über 60 Einzelteile werden in Handarbeit zusammengefügt, die Oberflächen mit Guillochendekor versilbert, vergoldet, mit Platin- oder Palladiumbeschichtung, Chinalack oder gar mit Brillanten versehen. Als besonders edle Möglichkeit der Personalisierung bietet Dupont die Einlage der Unterschrift, des Familienwappens oder Firmenlogos in den Chinalack an. Dieser edelste Lack aus dem Harz des asiatischen Rhus-Baumes wird in bis zu zehn Schichten aufgetragen, gebrannt und handpoliert. Dupont Feuerzeuge lassen sich aufgrund ihrer speziellen Einfülldüse nur mit dem eigenen teuren Feuerzeuggas auftanken, diese Nebenkosten sollte man vor dem Kauf einkalkulieren.

Außerdem stellt Dupont in Lizenz die "Davidoff"-Feuerzeuge her, die mit ihrem diagonalem Flammenaustritt besonders für Zigarren und Pfeifen geeignet sind. Merkmal dieser Feuerzeuge ist die extra lange Zündrolle zur bequemen Handhabung.

4. Caran d'Ache of Switzerland

Sehr schöne Feuerzeuge bietet dieser in Deutschland weniger bekannte Schweizer Hersteller an, darunter mit der "Private Collection Riviera" eines der elegantesten (extraflach) und teuersten Modelle überhaupt (US?$ 1.600), dass es auch in einer sportlichen Carbon-Variante gibt.

Andere international bekannte Hersteller sind z. B. Hadson, Ronson, Colton (UK), Tokai, ILL Corona, Sarome, Zaima (Japan), Winjet, Silver Match, Diplomat (Schweiz), Prometheus und Colibri (USA).

Neben den hier dargestellten Taschenfeuerzeugen gibt es auch von verschiedenen Herstellern elegante Tischfeuerzeuge und Stabfeuerzeuge für den Haushaltsgebrauch, z.B. Rowenta "Butler", die sich selbstverständlich auch sehr gut zum Anzünden von Pfeifen und Zigarren eignen.


V. Tipps zu Auswahl und Gebrauch von Feuerzeugen:

  • Für Pfeifenraucher ist das wichtigste praktische Kaufkriterium, dass ein ggf. vorhandener Klappdeckel dem Pfeifenkopf beim Anzünden des Tabaks nicht im Wege ist. Daher sind spezielle Pfeifenfeuerzeuge mit einem seitlichen Flammenaustritt ausgestattet. Gut brauchbar sind Piezo-Modelle, da diese keinen Deckel haben; es gibt auch hier Modelle mit seitlich austretender Flamme, z. B. Corona "Pipe Master". Ein von Pfeifenrauchern immer wieder empfohlenes Pfeifenfeuerzeug ist das "Old Boy" des japanischen Herstellers ILL Corona, auch als veredeltes Sillem's erhältlich. Dabei handelt es sich um einen preiswerten aber nicht billigen Nachbau des Dunhill "Unique"
  • Für das stilvolle Anzünden des Pfeifentabaks ist das Streichholz sicher die erste Wahl, zumal seine gegenüber einem Gasfeuerzeug deutlich niedrigere Flammentemperatur schonender für Tabak und Pfeife ist. Ein Zündholz sollte lang und geruchsneutral sein, deshalb sind Wachshölzer ungeeignet. Längere dänische ("Tor-denskjold Pibetaendstikker") oder schwedische ("Zündis") Zündhölzer sind besonders gut geeignet.
  • Zigarrenraucher sollten zum "Toasten" ihrer Zigarren ein Feuerzeug mit spezieller breiter Weichflamme verwenden, um eine größere Beflammungsfläche zu erhalten; auch hier gewinnen die Jetflammen (mit bis zu drei Strahlern) an Bedeutung, z. B. vom amerikanischen Hersteller Colibri.
  • Benzinfeuerzeuge sind nicht empfehlenswert. Sie sind meist undicht, rußen, bieten wesentlich weniger Zündungen als gleich große Gasmodelle und ruinieren mit ihrem Benzingeruch den Tabakgenuß, letzteres ist allerdings strittig.
  • Bei teuren Feuerzeugen ist nicht nur auf Schönheit, sondern auch auf Robustheit im täglichen Gebrauch zu achten. Eine Gravurfläche sollte vorhanden sein, da Luxusfeuerzeuge viele "Freunde" haben. Die Hartverchromung ist am robustesten gegen Kratzer von Schlüsseln, Geldmünzen u. ä.
  • Zum Nachtanken das Gasfeuerzeug senkrecht mit der Fülldüse nach oben halten und die Gasdose aufsetzen, kräftig nach unten drücken. Möglichst das vom Hersteller empfohlene Gas verwenden, dies kann z. B. bei den exklusiven Dupont-Gaskartuschen recht erhebliche Nebenkosten bedeuten. Colibri-Gas wird als hochwertig häufig empfohlen.

Unter Verwendung eines Artikels von: Morché, Pasqual: Heiße Teile, in: AutoForum 01/ 2000, Trend & Szene, S. 106-111

Weitere Infos im Internet: fundierte historische Darstellung: www.ijon.de

sonst gute historische Darstellung und Herstellerübersicht:
www.feuerzeug-geschichte.de
www.sammlernet.de/feuer/feuer00.htm

US-shop Edelfeuerzeuge www.alexanderstephens.com/alexanderstephens/lighters.html

Online-Shop: www.topsmoke.de/index2.htm

Ronson ronsoncorp.com die japanische Konkurrenz für BiC, mit Produktion u.a. in Mönchengladbach: www.tokai.de

ZippoDunhill London
  
Dunhill LondonDunhill London
  
S.T. Dupont ParisS.T. Dupont Paris
  
S.T. Dupont ParisS.T. Dupont Paris
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