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Mein Pfeifenschrank oder: Endlich hab ich meine Lösung!

Arno Vogt


Viele Stunden hab ich damit zugebracht, nachgedacht, dabei so manches Pfeifchen geraucht. Die Frage nach einem ausreichend großen, zur Einrichtung passenden Pfeifenschrank muß doch irgendwie preiswert zu lösen sein. Mit einigen daftlern an lauem Sommerabend in Koblenz ins Thema verstiegen, Kataloge geblättert, entworfen und verworfen.

Nach gut 18 Monaten gedanklicher Schwangerschaft, der zwischenzeitlichen Anschaffung einer bunten Sammlung von Pfeifenständern und dem unnachahmlichen Erlebnis, wenn man einen unbelüfteten Schrank (wenigstens mit Glastüren) am Abend öffnet..., sollte es losgehen, irgendwie.

Die Lösungen liegen manchmal so nah - der Sohn eines guten Freundes hatte seine Gesellenprüfung als Schreiner bestanden und Papa hatte begonnen, die Werkstatt zusammenzukaufen. Mitte Dezember 2002 sollte die Werkstatt fertig sein. Im gleichen Gespräch gestand mir meine Frau einen Platz neben unserer Buchenschrankwand zu! Jetzt nahm die Idee aber sofort Formen an:

Höhe 190 cm - Tiefe 30 cm - Breite 70 cm Unterteil: 40 cm hoch - 30 cm tief - 2 massive Türen Vitrinen Teil: 150 cm hoch - 16 cm tief - 2 Glas-Rahmentüren

Skizzen und Berechnungen folgten. In Gedanken hatte ich alles vor meinen Augen. Ich begann zu rechnen, wieviele Pfeifen es wohl werden könnten. Bei jeder Rechnung kam was anderes raus. Viel später, im neuen Jahr stand fest, es wird Platz geben für 196 Pfeifen.

Christian, der Schreiner, ließ ein leichtes Stöhnen vernehmen, als er meiner Beschreibung folgend, den Aufwand vor seinem inneren Auge abspulte.
Klar, man kann alles machen, das geht schon - aber das kostet Zeit! Zeit hab ich, jetzt hab ich so lange keinen Plan gehabt - da kann ich doch wohl ein bis zwei Wochen warten, dachte ich. Als ich das dann sagte, grinste Christian. Mein Wunsch war es, an der Produktion teilzunehmen. Ich wollte von Anfang an mitbauen.
Klar gehe das, meinte er. Uff - geschafft, kein anderer hätte sich darauf eingelassen, mich Schreinerstümper in seineWerkstatt zu lassen. Mein handwerkliches Niveau reicht gerade um eine Karnickelkiste zusammen zu kloppen. Was eine Abrichte ist, wußte ich zwar, aber an so einer Maschine gearbeitet hatte ich noch nie.

Das änderte sich aber alles ab dem 27.12.2002, dem offiziellen Baubeginn. Christian hatte das Holz besorgt. 4 Meter lange, unterschiedlich breite, ca. 26 mm starke Buchenbohlen. Ich stand da, und muß ausgesehen haben, wie ein Schwein, das ins Uhrwerk schaut. Irgendwie hatte ich erwartet, daß da fertig verleimte Bretter liegen...., bischen sägen, bischen schleifen, zusammenbauen, verleimen, fertig ist die Laube! Fertige Bretter seien viel zu teuer, außerdem sei er Schreiner und kein Heimwerker und wenn ich mitmachen wolle, dann auch von der Pike an, meinte Christian. O.K. hatte ich mein Fett weg, verabschiedete mich von den ein bis zwei Wochen und spuckte in die Hände, es konnte losgehen.

Die Bohlen wurden aufgesägt - auf ca.-Maße gebracht, gehobelt. Gut eineinhalb Tage waren rum, als wir mit dem Verleimen beginnen konnten. Da standen nun alle Teile des Schrankes im Rohbau. Relativ unförmige Bretter, alles noch sehr weit weg von erkannbaren Schrankteilen. Alles Holz gut verarbeitet, hielten wir inne. Es fehlt Holz! Für die Pfeifenbänke.
Christian hatte sich verrechnet. Als Nichtraucher war ihm das Ausmaß der erforderlichen Holzeinlegeböden für die Pfeifen nicht klar gewesen. Jetzt konnte ich mal einen Spruch lassen. "Nach meinen Berechnungen, fehlen rund 18,20 Meter - netto - in 8 mm Stärke, ca. 70 cm lang, 14 cm tief", frotzelte ich. "Kann man ja sicher mal übersehen, hähähä."

Aber für Christian kein Problem. Wir kletterten auf den Boden der Werkstatt und zerteilten mal eben mit der Kettensäge eine ewig alte Bohle in handliche Stücke. Knapp 5 Meter lang, ca 30 cm breit und 5,5 cm stark.
Total lange abgelagert. Und dann ging die Sägerei, Hobelei und Abrichterei wieder von vorne los. Am Ende lagen jede Menge Bretter da. Genug Auswahl um ausreichend fehlerfreie zu selektieren, die in den nächsten Tagen bearbeitet werden sollten. Das sollte meine Aufgabe werden - was mich dann bis in meine Träume verfolgte und sich zu einer "partiellen Lochphobie" auswuchs.

Nachdem die Bretter aufs endgültige Maß geschnitten waren, konnte ich mir eine Schablone für die Löcher fertigen. Danach sollten dann alle anderen Bretter gebohrt werden. Irgendwie wurde mir klar, daß dieser Arbeitsschritt an der Ständerbohrmaschine zum Exzess wird. Also ran an die Profi-Maschine - Langlochbohrer, immer gleich drei Bretter auf einmal.
Also, rechnen, messen, anzeichnen - vertan. Nochmal das ganze. Endlich - alles richtig, 14 Pfeifen auf einem Brett. Das paßt. 14 Bretter für den Schrank, à zwei Löcher für jede Pfeife, das macht 392 Bohrungen. Irgendwie stieg mir bei dem Gedanken "Saures" aus dem Magen hoch. Mein Gesicht schien aus seinen üblichen Zügen geglitten zu sein, jedenfalls begann die Frotzelei jetzt erst richtig. Denn die 392 Bohrungen mußten ja noch mit der Oberfräse auf beiden Seiten bearbeitet werden - Kanten brechen, eben.
Wer bis hierhin mitgerechnet hat, weiß, es sind noch 784 Arbeitsschritte bis zum endgültigen Feinschliff. Und den natürlich von Hand.

Christian hatte sich in den Kopf gesetzt, daß wir die Bretter ordentlich mit den Seitenwänden verleimen wollen. Für Dübel oder ähnliche Eckverbindungen sind die Pfeifenbänke aber zu schmal. Also müssen wir in die Seiten eine Nut einfräsen. Präzises und konzentriertes Arbeiten. Alleine die paar Fräsungen dauerten 2,5 Stunden. Diese kleinen Halter, auf die man die Schrankböden sonst auflegt, waren für ihn natürlich gar keine Alternative. Wenn schon massiv, dann auch richtig, Punkt.

Inzwischen konnte ich wenigstens erkennen, daß aus all den Brettern wirklich das werden könnte, was ich mir vorgestellt hatte. Der Unterschrank wurde verleimt.

Leider mußte ich dann zwei Wochen Pause einlegen, um mal wieder einen Gehaltsscheck zu verdienen. Christian jedenfalls, baute den Schrank erst mal so weit fertig, daß ich ihn am 25.1.2003 nach Hause holen konnte.

Damit liegt die Bauzeit knapp unter einem Monat, wobei eigentlich fast täglich daran gearbeitet wurde. Natürlich war an diesem Samstag die Zeit reserviert, den Schrank einzuräumen und meinen Pipen das neue Zuhause zu übergeben.

Wer nun Lust bekommen hat, sich auch so ein individuelles Möbel bauen zu lassen - und auch mal ein paar Stunden daran mitarbeiten möchte, der kann sich direkt mit Christian in Verbindung setzen: christianrahardt@web.de, oder eben über mich.

Ach so, der Preis: mein kleines Geheimnis... aber sagen kann ich, deutlich günstiger, als alle Schränke, die ich sonst so in den Katalogen gesehen habe. Und wenn ich "deutlich" sage, dann meine ich das auch so.

(16.02.2003)

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