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Artikel: Zweitmarken
Martin Östreicher
Seit ich Pfeifen sammle, interessiere ich mich dafür, wer (zu) wem gehört,
welche Pfeifen aus dem welcher Werkstatt, bzw. welcher Firma stammen, warum
Pfeifen des gleichen Herstellers verschiedene Markennahmen haben, worin die
jeweiligen Unterschiede bestehen usw.
Ich habe das Internet und diverse Bücher lange vergeblich nach einer
möglichst übersichtlichen Liste über Zweitmarken, Seconds, Sub-Brands
durchsucht, fand aber anfangs zunächst wenig. (Inzwischen gibt es nach
Ländern geordnete Listen im
Pipedia.
Im Lauf der Zeit habe ich zusammengetragen, was ich finden konnte, und von
Freunden, Kollegen und Pfeifologen gehört habe. Es handelt sich - das sei
hier ausdrücklich betont - um Infos, die überwiegend aus zweiter oder
dritter Hand stammen. (es ist ein bißchen wie mit unseren täglichen
Zeitungsnachrichten :-) )
Es liegt im Wesen der Sache, dass es nahezu unmöglich ist,
"Allgemeingültiges" über Pfeifen-Zweitmarken zu schreiben. Es muss permanent
relativiert werden, da es von Ungereimtheiten, Ausnahmen und Besonderheiten
nur so wimmelt. ZB hat Peter Hemmer in anderem Zusammenhang etwas zum Thema
Parker und Dunhill geschrieben, aus dem sehr anschaulich hervorgeht, dass es
heutzutage zumindest fragwürdig ist, Parker als "Zweitmarke" von Dunhill zu
bezeichnen. Wenn ich in der Auflistung trotzdem Parker Dunhill zuordne,
geschieht dies weil Parker zumindest einmal eine Zweitmarke von Dunhill WAR.
Es gibt einige ähnliche Fälle. Ich betone "ähnliche", denn die sind
natürlich wieder ein bißchen anders. (... ächts) Das liegt sicher auch
daran, dass die unterschiedlichen Hersteller teilweise ganz verschiedene
Gründe haben, ihre Pfeifen unter dem Namen einer Zweitmarke zu verkaufen.
Klären wir einleitend am besten erst einmal den Begriff "Zweitmarke". Im
Wikipeda findet sich folgende Definition:
"Zweitmarken werden von Herstellern neben einer Erstmarke aufgebaut und im
Handel plaziert, um zusätzliche Kunden anzusprechen und bestimmte
Marktsegmente nicht den Konkurrenten zu überlassen oder um bestimmte
Teilmärkte zu besetzen, für die man aus strategischen Gründen nicht die
Erstmarke verwenden möchte oder kann.
Die Positionierung der Zweitmarke erfolgt meist in deutlicher Abgrenzung zur
Erstmarke, zum Beispiel durch die Betonung anderer Markenattribute oder
einen erheblich günstigeren Preis. Für letzteren Fall ist auch das Gegenteil
möglich, dann nennt man die Zweitmarke Premiummarke.
(ZB : Die Magarine Sanella ist eine Zweitmarke der (Erst-) Marke Rama.
Hersteller: Unilever. - Die Batterie Daimon ist eine Zweitmarke der (Erst-)
Marke Duracell, Hersteller: Duracell International. - Der Sekt Carstens SC
ist eine Zweitmarke der (Erst-) Marke Henkell Trocken Hersteller: Henkell &
Söhnlein usw. )
Zweitmarken können qualitativ durchaus gleichwertig zu Erstmarken sein,
bisweilen sind sie sogar weitgehend baugleich. Gut geführte Zweitmarken
können im Laufe der Zeit einen Erstmarkencharakter erwerben. Zweitmarken
sind nicht zu verwechseln mit Handelsmarken (Hausmarken/Private Labels). Bei
noch weiterer Segmentierung des Marktes werden auch Dritt- oder
Ergänzungsmarken geführt."
Diese Definition scheint mir im Prinzip auch zutreffend für den
Pfeifen-Markt zu sein. Doch gibt es bei Pfeifen gegenüber anderen Produkten
in Sachen Zweitmarke zwei Besonderheiten, die einerseits mit dem
Herstellungsvorgang (handgemacht oder teilmaschinell gefertigt) und
andererseits mit den sehr speziellen Qualitätskriterien bei Pfeifen zu tun
haben.
Besonderheit 1:
Unter dem Namen einer Zweitmarke werden Pfeifen angeboten, die nicht wie die
Erstmarke reine Handarbeit sind, sondern teilmaschinell hergestellt werden,
z.B. mit vorgedrehten Köpfen oder maschinell gefertigten Mundstücken
ausgestattet werden.
Vor allem Pfeifenmacher kleinerer Manufakturen können auf diesem Wege
zusätzlich preiswertere Pfeifen anbieten.
Besonderheit 2:
Unter dem Namen einer Zweitmarke werden Pfeifen angeboten,, die es aufgrund
verschiedener Fehler während der Herstellung "nicht geschafft" haben, die
jeweiligen Qualitätskriterien zu erfüllen.
Bruyere-Holz ist bekanntlich unberechenbar. Viele Mängel werden erst im
Verlauf des Fertigungsprozesses sichtbar. Das kann sogar dazu führen, dass
das Stück im Abfall landet. In den meisten Fällen wird jedoch ausgebessert
bzw. gekittet, was dann eben zur Folge haben kann, dass die Pfeife den
Qualitätskriterien der Erstmarke nicht mehr gerecht wird.
Zu gewissen Verwirrungen kommt es oft zwischen "Reihen" bzw. "Serien" und
"Zweitmarken". "Stanwell - Hans Christian Andersen" war/ist ganz
offensichtlich eine Reihe, aber es gibt von Stanwell auch Hans Christan
Andersen Pfeifen ohne das Stanwell Logo. Wird sie damit zur Zweitmarke?
Ähnlich verhält es sich mit Savinelli Oscar, die es aber ebenfalls mit und
ohne SavinelliLogo gibt. (nicht der einzige Fall bei Savinelli) oder zB.
mit Windsor. Es gibt "Windsor by Sasieni" als auch Pfeifen, die nur mit
"Windsor" gemarkt sind. Ser Jacopo wiederum hat diverse Reihen
herausgebracht (Picta, Pipaccia, Leonardo, Modica, Fuma di finche tira usw.)
Warum Mastro Gepetto ein eigenes Logo hat und im Gegensatz zu den SJ-Reihen
als Zweitmarke erscheint, ist mir ein Rätsel, denn Mastro Gepetto Pfeifen
stehen den meisten SJ-Pfeifen der Reihen qualitativ in nichts nach, und ganz
sicher sind sie besser als die Pfeifen der Reihen La Fuma und Modica. Hier
müsste man eine Wortkonstruktion wie "Paralellmarke" bemühen. Diese
Bezeichnung würde auch im Fall Caminetto und Ascorti passen. Zwei
"gleichberechtigte" hochwertige Marken vom selben Pfeifenmacher..
Was ebenfalls zur Verwirrung beiträgt sind große Gesellschaften
wie Berrod-Regad, Dunhill, Cadogan u.a., die Markennamen kaufen und ganze
Manufakturen geschluckt haben oder noch schlucken werden :-)
ZB. gehört Charatans zwar inzwischen zur Dunhill Gruppe (die ihrerseits
wiederum zur Vendome Luxury Group, der Firma Richemont International SA
gehört ...) wird aber wohl niemals als Zweitmarke von Dunhill bezeichnet
werden, sondern hat selbst einige Zweitmarken hervorgebracht (siehe unten).
Die Marke Dr Boston gilt allgemein als Zweitmarke von Butz Choquin. Chap
dagegen würde man nicht als solche bezeichnen. Chap gehört jedoch wie Dr.
Boston zu Berrod-Regad Gruppe, als dessen Flagg-Schiff Butz Choquin gilt
... ... usw. usw.
Hier zur Übersicht unabhängig von "Firsts" und "Seconds" - einige größere
Gesellschaften und einige ihrer Marken:
Alfred Dunhill Limited
Marken:\\
Dunhill, Charatan¹s, Masta, Parker of London, Hardcastle,
(Parker-Hardcastle), Savory's Argylle, Ascot
Berrod-Regad
Marken:
Butz Choquin, Chap, Dr. Boston, Claude Romain, Bontemps, Jima, Jackie
Berrod, EWA
Cuty Fort Enterprises
Marken:
Chacom, Bayard, Jeantet, Lacroix, Ropp, Vuillard
Cadogan (Oppenheimer Gruppe)
Marken:
Comoy, BBB, Dr. Plumb¹s, GBD, Orlik
Sowie (zeitweise) Loewe, Kaywoodie, Sasieni, Ropp
Gubbels
Marken:
Hilson, Big Ben, Amphora, Royal Dutch, Humbry, Roermond
Denicotea
Marken:
Denicotea, Adsoba, Aldo Morelli, Wessex, Adventure,
Hier nun eine (zu ergänzende) alphabetische Auflistung der mir bislang
bekannten "Erst-" und "Zweitmarken", die es irgendwann mal gab - oder noch
gibt:
Alberto Paronelli
Clairmont, Maxim, Castelsardo (= Premium-Marke)
Aldo Pierluigi
Mastro Beraldi, Mario Grandi
Ardor (Familie Rovera)
Roverart, Rovera, Angelo
Ascorti
Caminetto ("Paralellmarken")
Ashton
Taylor, Taylor Made, Romford Pipes
Astey¹s
Tudor Rose
BBB
Major Daff, Non plus ultra, Capt. Kidd, Fairway, Frankau's, Glokar,
Thorneycroft, Ultonia
Bari
Don, Excellent
Barling
Michel, Topsall Portland, BB&S, John Peel,
Barontini
Aldo Velani, Cesare, L'Artigiana, Stuart
Benny Jorgensen/Lasse Skovgaard
Father & Son
Bentley
Albion
Bjarne
Viking
Brebbia
Cellini, Vincenzo Lombardi, Gino Lombardi
Butz Choquin
Dr. Boston, Claude Romain
Chacom
Bayard, Ascot, Casino de Luxe
Chap
Yves Saint-Claude
Charatans
Ben Wade (vorrübergehend), Mountbattens, Myfair, Tinder Box Unique, Falstaff
Comoy
Ace of Spades, Astor, Lion's Head, Drury Lane, Everyman, Scotland
Yard, Guildhall, Moorgate, Britannia, Town Hall, Mansion House, Sunrise,
Tinder Box Royal Coachman, Newcastle, Royal Falcon, Gresham Giants, Hyde
Park, Dorchester, St James, The Golden Arrow, Bond Street, Jost's Olde
English
Design Berlin (früher: Pfeifenstudio Hartmann)
Bristol, Copenhagen, Evening Star, Mc Lintock
Dunhill
Parker of London, Hardcastle, Savory's Argylle, Ascot, Poole & Smythe
Former/Tom Eltang
Nimbus
Gasparini
Ambassador, Il Ponte, MGM ( Premium-Marke)
GBD
Prince Of Wales, Dr. Plumb, Town Club, Oxford, Irwin's, Cornwall, Beau Nash,
Pinner, Digby, City, Deluxe, English Knight, Country, Superflame, Theydon,
Autumn Gold, White Ring, Sovereign, Topper, Wimbledon, Americana, Arizona,
Blue Jeans, Brunette, Chevreuse, City de Luxe, Clubhouse, Cordoban, Cyclone,
Daddy, Davos, Estacis, Fouquet, Garlan, House Of Commons, Insignia, Irwin's,
Kingswood, Marcee, Racines, Rest Lite, Rockwood, Scorpio Deluxe, Silverado,
Snap-Fit
Georg Jensen
White Star
Glass
Vermont, Siesta
Heibe
Goldpoint, Gentleman, World-Pipe
Eric Andersen
Marc Dane ("Paralellmarke")
Il Ceppo
Amarcord ( “Paralellmarke³)
Jørgen Larsen
Mr. Andersen, Jørgen L., Jesper of Denmark,
Peter Stokkebye ("Paralellmarke")
Kaywoodie
Yello Bole
Kriswill
Navigator, Kriscon
L'Anatra
Bellissima, Amarcord ( “Paralellmarke³)
Les Wood
Ferndown
Linkman's
Colossals, Dr. Grabow
Lorenzetti
Bradley
Lorenzo
Spitfire, Lloyds, Edison, Old Vic, Tinder Box
Mauro Armellini
Sumerler
Mastro de Paja
Calibano, Montini, Fiamma di Re, Contessa
Medico
Sir Del Nobile
Nørding
Eriksen, Aalborg, Ocaso, Son
Oldenkott
Derby, Eminent, Excelsior, Tower, Twibie-Luxus
Orlik
Captain Black, Byford
Peder Christian Jeppesen
Neerup
Peterson
Irish Seconds, Shamrock, Erica (system), Captain Pete's, Kinsell
Preben Holm
Rungstedt, Wengholt, Monte Verdi, Frasorteret, Harcourt, Ben Wade, Zodiac
Raganella
NCLR (= "Non Canta La Raganella")
Refbjerg
Soren, Danbark
Santambrogio
Stefano, Gianni, Gianni di Varese, Santafè
Savinelli
Baronet, Duca di Paolo, Duca di Milano, Hercules, Fiamatta, Capitol,
Estella, Melitta, Royal Oak, Bings, Molinella, Samanda, Duca Carlo,
Alligator, King's Cross, La Roma, La Una, Rimini, Sigla
Sasieni
Windsor, Richmond, Claret, Fantail, Berkeley Club, Gold Star, Henley Club,
Old England, Two Dot, Mayfair, Englandaire, Fantail, Craven,
Pickwick, Sandurst, Stump, Royal Stuart, His Royal Highness, Tweed, London
House
Ser Jacopo
Fumo, Mastro Gepetto
Stanwell
Danske Club, Sacandia, Christian, Royal Danish, Royal Guard,
Danish Sovereign, Royal Sovereign, Svendson, Sailor, Reddish, Bijou, Henley,
Kong Christian
Svendborg
Kaj Rasmussen
Tagliabue
Dr. Hardy, Monza
Tao/Poul Ilsted
Tao&Ilsted
Tom Eltang
Sara Pipes, Sara Eltang
Upshall
Tilshead
Viggo und Kai Nielsen
Faaborg
Viggo Nielsen
Antique
Vuillard & Strauss
Lord, Turf
Willard
Ajustomatic
Poul Winslow
Crown
Der Pfeifenmacher Karl Erik Ottendahl wurde bekannt mit der Marke "Karl
Erik". Den Namen verkaufte er schließlich gewinnbringend an die Planta
Gruppe und fertigte anschließend bis zu seinem Tod Handmades unter seinem
Nachnamen "Ottendahl". Als Zweitmarken von Karl Erik aus der Zeit als der
Name dem Meister noch gehörte sind "Sven Egholm", "Shelburn" und "Knute".
"Kansas" wird oft als Zweitmarke von "Vauen" genannt, es handelt sich jedoch
um Pfeifen, die von "Amadeus" in Griechenland hergestellt und von Vauen
lediglich vertrieben werden.
Mastro Beraldi, Mario Grandi, Aldo Velani, Angelo Venezia, Vincenzo
Lombardi, Gino Lombardi und Aldo Morelli sind allesamt nicht die Namen von
etwaigen Pfeifenmachern, sondern reine Phantasienamen.
Die Rechte am Namen "Aldo Morelli" besitzt die Denicotea GmbH. Hergestellt
werden die Pfeifen unter anderem in den Manufakturen von Cesare Barontini,
Gigi und Molina.
(Aldo Morellli wiederum bringt sehr schöne Shapes von Volker Bier in Serie
heraus. Das wäre ein Thema für sich. Siehe auch Stanwell Shapes, Grandi
Designer bei Brebbia oder Barontini für VN usw.)
Der Name "Ascot" wurde sowohl von Dunhill als auch von Chacom verwendet.
Der Name "Newcastle" wurde zuerst von Comoy's verwendet, später von Chacom.
Der Name "Ben Wade" wurde sowohl von Charatan als auch von Preben Holm
verwendet.
Ebenfalls von Preben Holm wurde der Name "Crown" verwendet, den inzwischen
auch Poul Winslow benutzt, der lange Zeit bei Preben Holm gearbeitet hatte.
Pfeifen mit dem Namen "Amarcord" können sowohl aus der Werkstatt von Franco
Rossi (Il Ceppo) stammen, als auch aus der Manufaktur von Massimo Palazzi/
Andrea Pascucci ( L'Anatra).
Spötter behaupten, GBD sei nur noch eine "Zweitmarke von GBD" seit die
Pfeifen anfang der 80 unter dem Dach von Cadogan hergestellt wurden. Einen
interessanten Artikel von Martin Farrent zu diesem Thema findet ihr unter:
http://www.pfeifenbox.de/artikel/ebay.htm
Amerikanische Zweitmarken fehlen hier leider fast vollständig. Ich bin
leider noch nicht dazu gekommen, mich näher damit zu beschäftigen, was auch
daran liegt, dass ich nur sehr wenige amerikanische Pfeifen besitze. Mein
erster oberflächlicher Eindruck ist, dass es in USA in Sachen Marken ähnlich
unübersichtlich zugeht wie hier...
Allen die mehr und Genaueres zum Thema lesen möchten, sei das Buch "Pipes
Artisans and Trademarks" von José Manuel Lopes wärmstens empfohlen.
Unter erfahreneren Pfeifenrauchern und Daft-Lesern, darf als bekannt
vorausgesetzt werden, dass die Annahme, es handle sich bei Pfeifen, die
unter dem Namen der Zweitmarke angeboten werden, um Pfeifen mit schlechteren
Raucheigenschaften, nicht völlig unbegründet, aber auch auf keinen Fall
grundsätzlich zutreffend ist. :-)
(27.12.2009)