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Pfeifen - Magie und Flair eines Genusses
| Autor: | Crole, Robin |
| Verlag: | Delius Klasing, Bielefeld |
| Jahr: | 1999 |
| ISBN: | 3-7688-1151-4 |
| Preis: | € 26,- |
Lutz Boden:
Das Werk kommt äußerlich ansprechend daher, eine schöne Aufnahme einer rötlich gebeizten Billiard ziert den Umschlag. Man bekommt sofort Lust, sich eine anzuzünden.
Leider vermag der Inhalt nicht zu überzeugen. Das beginnt mit dem ersten, schönen Bild im Buchinneren. Abgebildet ist eine Billiard zwischen Angelhaken mit deutlich lesbarer Aufschrift "Tilshead". Der Text dazu zwei Seiten weiter behauptet, es handele sich um eine "Klassische Italienerin - eine Straight von Savinelli.
So geht es weiter. Abgebildet ist eine Comoys, Modell "Jade", mit Holzmaserung und jadegrüner Beize/Lack, im Kopfbereich rissig. Der Text dazu behauptet, die Pfeife sei ganz aus Jade.
Auf Seite 16 findet sich eine Abbildung mit rauchenden Eingeborenen, der Text dazu lautet: "Eingeborene ernten Hanf und genießen ihn". Leider bleibt offen, woher die Weisheit stammt, Ernteaktivitäten sind nicht dargestellt, und das Kraut ist nicht als Hanf identifizierbar.
Der Blödsinn geht weiter. Ein Bild zeigt Walter Raleigh beim Rauchen, eine Person übergießt ihn mit Wasser. Text: "Sir Walter Raleighs Dienerschaft war so beflissen, daß sie ihn jederzeit löschte, wenn er "brannte"". Es wird der Eindruck erweckt, es sei mehrfach vorgekommen, dass Raleigh "gelöscht" wurde. Im Buchtext dann war es (einmal) der Gärtner, so wie es allgemein bekannt ist.
Eine abgebildete Bulldog von Barling (S. 94) wird als "Londoner" bezeichnet, die gezeichteten Pfeifen, welche die unterschiedlichen Formenbezeichnungen illustrieren sollen, sind unproportional und für den Einsteiger nicht anschaulich genug. Bei der abstrakt-generellen Darstellung einer Pfeife mit Bezeichnung ihrer Teile (S. 97) wird das Mundstück als "Ebonit-Mundstück" bezeichnet, was den falschen Eindruck erweckt, ein anderes Material fände keine Verwendung. Der Buchtext behauptet, Mundstücke würden heutzutage aus Ebonit hergestellt. Später ist noch von durchsichtigen Lucite die Rede. Ein Hinweis auf schwarzes Acryl als sich langsam durchsetzend fehlt, ebenso die hierzulande gebräuchliche Bezeichnung Para-Kautschuk für Ebonit.
Auf S. 98 sind einige Arbeitsgänge der Pfeifenherstellung abgebildet (Peterson mit Silbercup). Der Text dazu meint, eine Peterson sei erst mit Silberrand vollendet. Damit wird der völlig unzutreffende Eindruck erweckt, alle Petersons hätten eine Silberrand am Kopf. Ein unbedarfter Anfänger könnte meinen, seine 100,-- DM Peterson sein unvollständig oder nicht echt.
Die Ausführungen zum Tabakanbau sind, soweit ich es beurteilen kann, zutreffend. Für den Anfänger bzw. seine Pfeifen gefährlich sind jedoch die Ausführungen zum "Wie" des Pfeiferauchens.
Zwar stellt der Autor die Methode, die Pfeife innen mit Honig einzureiben, als "eine Lehrmeinung" dar, er versäumt aber, die von der "herrschenden Lehre" vertretene Ansicht, eine neue Pfeife sei am Besten mit Totalfüllung und ohne Mittelchen einzurauchen, zu erwähnen. Obwohl die "Teilfüllungsmethode" noch erwähnt wird, versäumt der Autor eine eigene Stellungnahme, es wird jedoch deutlich, daß er der Honigmethode anhängt. Natürlich ist es dem Autor erlaubt, seine eigene Ansicht als zutreffend darzustellen, jedoch erfordert m. A. die Eignung des Werkes für Anfänger, zunächst wertfrei die vorhandenen Ansichten mit Vor- und Nachteilen darzustellen.
Undistanziert wird das Ausklopfen der Pfeife erklärt, ein Hinweis auf die pfeifenschonendere Methode, die Pfeife mittels des Pfeifenbestecks auszuräumen, findet keine Erwähnung. Allerdings ist auf der Illustration zum "richtigen" Ausklopfen ein in Benutzung befindliches Pfeifenbesteck zu sehen.
Die spiegelverkehrte Abbildung auf S. 133 ist nach alldem nur noch ein kleiner Schönheitsfehler. Alles in allem ist dem erfahrenen Raucher das Buch zur Unterhaltung zu empfehlen, es sind viele und gute Abbildungen enthalten, und die Formulierungen sind kurzweilig. Als Anleitungsbuch für den Pfeifenanfänger eignet sich das Werk jedoch nicht.