daft.de

.

Aktuelles

Termine

Pfeifen

Tabak

Schnupftabak

FAQ

Artikel

Bücher

Download

Läden

Linklisten

Zigarren

Hilfe

Mailingliste

Kontakt

Impressum


Ehrenburg 13 Pfeifen

zurück

13 Pfeifen und andere unwahrscheinliche Geschichten

Autor:Ilja Ehrenburg
Verlag:Volk und Welt, Berlin
Jahr:1984 (1. Aufl. Moskau 1922)
ISBN: 
Preis: 

Peter Meier:

Dies ist die Vorstellung keines Pfeifenanleitungsbuches, sondern eines kleinen Erzählungsbandes, erstmals 1922 erschienen. Der kaum noch bekannte sowjetrussische Schriftsteller Ilja Ehrenburg (1891-1967), selbst begeisterter Pfeifenraucher, hat darin dreizehn recht amüsante Erzählungen rund um die unterschiedlichsten Besitzer von Tabakspfeifen versammelt.

Die einzelnen Geschichten der "13 Pfeifen": Die Pfeife des Diplomaten, Die Pfeife des Kommunarden, Die Pfeife des Juden, Die Friedenspfeife, Die Pfeife des Lords, Die Pfeife des Schauspielers, Die Pfeife des Holländers, Die Pfeife des Kapitäns, Die Pfeife der Neger, Die Pfeife Peters des Großen, Die verwirrende Pfeife, Die bayrische Pfeife und Die schwarzgerauchte Pfeife.

Aus dem Vorwort:
... Sofern der Leser, während er dieses Buch liest und dabei eine Pfeife raucht, in Nachdenken versinkt über die Größe und die Schwierigkeiten der Liebe, über das schnelle Schwinden der Jahre, über die Flüchtigkeit des Rauches und der Hoffnungen, über die erkaltete Asche der Erinnerung, sofern er, gleichmäßig in die Pfeife atmend, sich ruhig seiner Seele hingibt, ist die eifrige Arbeit der Junimußestunden des Autors gerechtfertigt.

Zitat:
Wer sich einbildet, eine neue Pfeife einzurauchen sei nicht schwerer, als etwa ein neues Haus trocken zu wohnen, der irrt sich. Das letzte kann jeder, abgesehen vielleicht von einem Rheumatiker. Eine Pfeife einzurauchen - das können nur wenige. Keinerlei gedruckte Traktate, keine geistreichen Anweisungen seitens der Herren Tabakhändler sind hier imstande, fehlende Begabung zu ersetzen. Wenn der Säugling in der Wiege ruhig mit der Klapper spielt - dann ist er prädestiniert. Wenn er jedoch grundlos weint, lacht, in die Händchen platscht, Fliegen zu fangen versucht und dabei aus der Wiege purzelt, kurz, wenn er sich als ein noch unentfaltetes Bündel menschlicher Leidenschaften darstellt, so sollte man ihn besser von vornherein davor bewahren, ein echter Pfeifenraucher werden zu wollen. Man lässt die Versuchung gar nicht erst an ihn herankommen und drückt ihm beim Verlassen des College ein Damenzigarettenetui mit parfümierten Liliput-Zigaretten in die Hand. Denn wer eine Pfeife zwischen die Zähne nehmen will, der muss über die höchsten Tugenden verfügen: die Leidenschaftslosigkeit eines Heerführers, die Schweigsamkeit eines Diplomaten und die Kaltblütigkeit eines Falschspielers.

Es ist daher wohl begreiflich, dass es auf unserem ungestümen Planeten nur eine einzige Stelle gibt, wo man gut eingerauchte Pfeifen findet. Diese Stelle ist natürlich die Insel, die sich Großbritannien nennt und vom übrigen Festland durch Wasser und Weisheit geschieden ist, eine Insel, wo in tugendhafter Isolierung Millionen von Briten leben, von denen jeder einer solchen Insel mit der entsprechenden Anzahl von Dampferverbindungen gleicht.

Unter meinen Pfeifen ist eine, die durch ganz besondere Schwärze des Holzes und außerordentliche Zartheit ihres unbeschreiblichen Duftes auffällt. Sie ist nicht nur in England aus einer harten, kräftigen schottischen Heidekrautwurzel hergestellt, sie ist auch von einem echten Engländer geraucht worden. Ich dürfte sogar die Behauptung wagen, dass meine Pfeife "E. X. 4" ein Unikum darstellt, das würdig wäre, die jährliche Pfeifenausstellung des Edinburgher Raucherklubs zu zieren, wenn nicht ein unseliges Ereignis eingetreten wäre, das die Pfeife vieler ihrer wertvollen Eigenschaften beraubt, ihr dafür aber auch dazu verholfen hat, den Weg aus dem sämischledernen Futteral des Lord Greyton in die Tasche eines bescheidenen russischen Dichters zu finden. Infolge einer ganz unerhörten Gleichmäßigkeit seiner Atmung war Lord Edward Greyton der beste Raucher Englands zu nennen. Niemals während der 52 Jahre seines adligen Lebens war Zorn oder Entzücken je über ihn gekommen, was auf seine über alles geliebten Pfeifen schädlich hätte einwirken können. Das Atmen leidenschaftlicher Menschen ist ungleichmäßigen und heftigen Windstößen ähnlich. Lord Edward Greyton stieß den Rauch seiner Pfeife mit der Regelmäßigkeit eines Manometers aus ...

(Anfang aus: Die Pfeife des Lords)

(12.01.2004)

Frank Nicolai

Hinweis: das ist keine Fachliteratur. Das ist Prosa.

Ich kenne keinen anderen Erzählband, in dem Tabakspfeifen die Hauptrolle spielen. Umso fazinierender kam mir dieses Bändchen vor, das schon lange in meinem Buchregal steht und das ich vor vielen Jahren auch schon einmal las. Aber damals war ich wohl noch kein Pfeifenraucher - ich konnte mich auch kaum noch an die Geschichten erinnern.

Lassen wir I. Ehrenburg sprechen: "... weil die Pfeife nicht einfach ein Gegenstand, sondern ein stark vergeistigter Gegenstand ist. Zernagt, durchräuchert, stellt sie sozusagen das menschliche Leben dar, eine Chronik seiner vielfältigen Leidenschaften, denn in dem Holz, in dem Ton oder in dem Stein verbirgt sich sie Spur des menschlichen Atems." (aus dem Vorwort des Autors)

In dem Büchlein begegnen uns Menschen und ihre Leidenschaften. Liebe, Leben, Tod und Weisheit - von all dem erzählt Ehrenburg. Mal in einem eher ironischen, manchmal als Anekdote und einige male sogar in wütendem Ton. So ist "die Pfeife des Diplomaten" eine wunderbare Geschichte darüber, dass nichts bleibt, wie es war. (Und vielleicht die erste Geschichte überhaupt, in der über eine Estate berichtet wird.)

Die Geschichten erscheinen mir wie ein Kaleidoskop in dem sich die Welt und die Zeit drehen und kleine Geschichten am Rande der Geschichte leuchten kurz auf und sind nach wenigen Seiten beendet. Der Leser wird nachdenklich oder fröhlich; ganz wie der Autor es wollte. Die 13 Erzählungen sind nicht im Zusammenhang geschrieben; haben auch keinen Zusammenhang miteinander. Die Klammer ist, dass Ehrenburg SEINE Pfeifen beschreibt und die Geschichten ausspinnt, die sie umgeben.

Dass Ehrenburg selbst Pfeifenraucher war, nimmt man ihm bei solchen Worten ab: "Wer sich einbildet, eine neue Pfeife einzurauchen sei nicht schwerer, als etwa ein neues Haus trockenzuwohnen, der irrt sich. ... Denn wer eine Pfeife zwischen die Zähne nehmen will, der muß über die höchsten Tugenden verfügen: die Leidenschaftslosigkeit eines Heerführers, die Schweigsamkeit eines Diplomaten und die Kaltblütigkeit eines Falschspielers." (aus "Die Pfeife des Lords")

Auch wenn man nichts "lernt" über das Pfeiferauchen (höchsten vielleicht, dass es bereits 1922 die Firma Dunhill (geschrieben bei Ehrenburg: Dounhill) gab; es ist ein sowohl amüsantes als auch nachdenkliches Buch. Eine wunderbare Lektüre zur abendlichen Pfeife.

"Sofern der Leser, während er dieses Buch liest und dabei eine Pfeife raucht, in Nachdenken versinkt über die Größe und die Schwierigkeiten der Liebe, über das schnelle Schwinden der Jahre, über die Flüchtigkeit des Rauches und der Hoffnungen, über die erkaltende Asche der Erinnerung, sofern er, gleichmäßig in die Pfeife atmend, sich ruhig seiner Seele hingibt, ist die eifrige Arbeit der Junimußestunden des Autors gerechtfertigt." (Aus dem Vorwort)

08.08.2004

Aktuelle Änderungen (alle) | Edit SideBar Letzte Änderung dieser Seite: 12.10.2007 10:29 Uhr bearbeiten | drucken | Versionen