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Hacker Die Kunst

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Die Kunst Pfeife zu rauchen

Autor:Richard Carleton Hacker
Verlag:Wilhelm Heyne Verlag München
Jahr:1991 (4. Auflage)
ISBN:3-453-04768-0
Preis:49,80 DM

Frank Nicolai:

Hackers Buch wird oft als "Standartwerk" bezeichnet - sicherlich nicht ganz zu Unrecht. Mir liegt die 4-te Auflage von 1991 vor; eine erweiterte Auflage soll im Frühjahr 2000 bei Heyne erscheinen. Womöglich sind dann auch die Kritikpunkte beseitigt, die ich hier angebe.

"Die Kunst Pfeife zu rauchen" zeigt vor allem eines: Nämlich dass es keine Kunst ist. Das Buch bietet dem Leser einen ziemlich kompletten Streifzug durch die Geschichte des Tabaks und der Tabakspfeifen, geht auf die unterschiedlichen Materialien für den Pfeifenbau ein und reißt kurz auch den Anbau des "gelobten Krautes" an. Hacker schreibt über die Tabaksorten (englisch/dänisch) und vor allem über die Sammlerleidenschaft.

Das Buch ist sehr amüsant zu lesen, wennauch einige Passagen wohl nur erzählt scheinen, den Leser zu erfreuen. (So die Geschichte des "Einrauchens" seiner ersten Pfeife im offenen Auto und die Erzählung über das "Rauchen einer Pfeife", bis der Pfeifenkopf abfällt.) Da es sich bei dem Buch um eine "europäisierte" Fassung seines "Ultimate Pipe Book" handelt, ist der Vorliebe für das Filterrauchen im deutschen Sprachraum einiges an Seiten gewidmet.

Sehr gut sind die als Extraseiten mitgebundenen Farbfotographien. Das betrifft sowohl die Qualität der Fotos als auch die Auswahl der Pfeifen. Leider lässt sich das von den s/w Fotos nicht eben sagen, die in einigen Fällen kaum erkennbar sind und garantiert nicht hochgelobte Straight Grains erkennen lassen.

Im Buch sind auch einige kleinere Unrichtigkeiten enthalten. So ist gerade im Anhang, der bestehende Pfeifenmacher und Fabriken aufführt, einiges im Gegensatz zum Rutzen beschrieben. Aber wie schon oben gesagt, ich denke, das wird sich mit der überarbeiteten Neuauflage ändern. Bei Hacker wird z.B. als Gründer der Fa. "Stanwell" Paul Stanwell benannt. Richtig ist jedoch, dass Poul Nielsen sich den Namen Stanwell zulegte, um auf dem Mark mit den englischen Markennamen besser konkurrieren zu können.

Fazit: Hackers "Die Kunst Pfeife zu rauchen" kann ich nur wärmstens empfehlen. Ein gut geschriebenes Buch, dass in oft spielerischer Weise Geschichten erzählt und aber auch Wissen vermittelt. An verregneten Abenden ein Muss für den Pfeifenraucher.

Thomas Schoke:

Ich lehne die allgegenwärtigen Mystifikationen des Pfeiferauchens ab und mag deshalb den Titel von Hacker's Buch "Die Kunst Pfeife zu rauchen" nicht. (Pfeiferauchen ist keine Kunst! Man kann nur so viel falsch machen, dass es einem wie eine Kunst vorkommt.)

Auch der englische Titel "The ultimate pipebook" ist für mich eher abstoßend als ansprechend. Ein ultimatives, also vollständiges und kaum verbesserungsfähiges Pfeifenkompendium ist Hackers Buch keinesfalls. Hacker selbst hat die Latte also bewusst oder unbewusst sehr hoch gelegt und muss sich nun an seinen eigenen Ansprüchen messen lassen.

Das Gute zuerst. Hacker hat sein Thema gut gegliedert, erklärt verständlich und hat es geschafft, trotz aller Komplexität der Materie 300 Seiten lang den roten Faden zu behalten. Das Buch deckt einen weiten Bereich um Pfeife und Tabak ab und bietet bei einigen Randthemen sogar ausführliche Spezialinformationen. So zum Beispiel im Kapitel über das Sammeln von Pfeifen und die damit verbundene Geschichte verschiedener Herstellerfirmen. Bei vielen anderen Themen bleibt Hacker jedoch erstaunlich kurz angebunden.

Auf der anderen Seite neigt Hacker dazu, den Pfad der Sachlichkeit zu verlassen und "Pfeifenlatein" zum Besten zu geben. Sei es die Geschichte, bei der jemand die Pfeife aus dem fahrenden Auto hält, um sie einzurauchen, sei es die Posse, bei der jemanden angeblich die Pfeife komplett abgebrannt sei und er unbeeindruckt weitergeraucht habe. Wer soll das glauben? Da Hacker den Eindruck erweckt, diese Histörchen seien aus dem Leben gegriffenen Pfeifen-Realität, zwingt er den Leser, den Rest seines Buches sehr viel kritischer als nötig unter die Lupe zu nehmen.

Was mir an Hackers Buch sehr negativ auffiel, ist seine Einseitigkeit bei vielen Themen. Seitenweise geht der Autor auf britische Pfeifenhersteller (Dunhill, Charatan, Sasieni, GBD und Barling) ein und fertigt die dänischen Freehandkünstler und Pfeifenfirmen ausschließlich mit Nebensätzen ab. Kaum ein Wort über die Entwicklung des Danish Style durch Sixten Ivarssen und Preben Holm, kaum Informationen über die buntschillernde dänische Pfeifenszene der letzen 30 Jahre. Die kurzen Erwähnungen dieser Firmen und Personen im Anhang sind zu oberflächlich für ein "ultimatives" Pfeifenbuch oder anders formuliert: Man kann nicht über Grautiere schreiben, ohne den Esel zu erwähnen.

Weiterhin negativ fällt auf, dass es der Autor peinlich vermeidet, Stellung zu beziehen. In der englischen Originalausgabe brandmarkt er Pfeifenfilter als Geschmackstöter, in der deutschen Ausgabe bleibt er indifferent. Sehr geehrter Herr Hacker, wenn Sie eine Meinung haben, dann stehen Sie bitte dazu! Lieber lese ich eine von meiner eigenen abweichenden Meinung, als gar keine. Der Versuch, niemandem "weh tun" zu wollen, läßt sich bei Hacker auch an vielen anderen Stellen aufspüren und hier ist dem Autor die amerikanische Lebensweisheit entgegenzuhalten: If you try to be everybodys darling, you will end as everybodys fool.

Fazit: Das Buch ist leicht lesbar, launig geschrieben und durchaus informativ . Es besitzt allerdings weiten Raum für Verbesserungen, man darf also auf die angekündigte Überarbeitung gespannt sein. Dem Autor ist anzumerken, dass er mehr Pfeifensammler als Pfeifenraucher ist und dass sein praktisches Wissen im Umgang mit Pfeife und Tabak wohl eher begrenzt ist. Hackers "Ultimate Pipebook" ist lesenswert, nicht weil es uneingeschränkt überzeugt, sondern weil vergleichbare Bücher einfach nicht existieren. Neuauflage:

Joachim Scholz:

Ich konnte nicht widerstehen: Zusammen mit einer Dose Dunhill Deluxe Navy Rolls und einer Dose Vauen 15 habe ich die Neuauflage des Hackers erstanden. Der alte Hacker war damals mein erstes Pfeifenbuch (das liegt daran, dass es damals per Zufall in der Stadtbibliothek Ludwigshafen auslag).

Ausstattung:Ist schlechter geworden, statt der handsympathischen Leinenbindung wird jetzt in sich strukturierter Karton verwendet. Außerdem sind statt 24 Farbseiten jetzt nur noch 8 im Buch.

Inhalt:Ist noch besser geworden, obwohl immer noch ein paar Ungereimtheiten drin sind (z.B. der Rat, Pfeifen mit Honig einzuschmieren (obwohl das selbst Dunhill empfiehlt und ich noch keine Berichte von Leuten gehört habe, die sich so ihre Pfeife zerstört haben, sträuben sich mir bei diesem Gedanken die Nackenhaare)).

Eine Übersicht über ein paar (>120) Tabaksorten ist drin, die meisten davon sind allerdings nicht viel aussagekräftiger als die Beschreibungen auf Tabakdosen. Eine der löblichen Ausnahmen ist die Beschreibung von Escudo.

Alles in allem ist www.daft.de aber deutlich besser ;-)

Neu ist auch ein Kapitel über Frauen und Pfeifenrauchen, das ich ziemlich unnötig finde. Aus seinem Zigarrenbuch wurde das Kapitel mit geistigen Getränken übernommen. Auch eher nett zu lesen als wirklich notwendig, es sollte kein Problem sein, passende Kombinationen selbst zu finden.

Der Autor vermutet, das Brookfield Black Bourbon ("schmeckt wie Zusammengekehrtes" hat Bill passend kommentiert) gut zu Bourbon passt. Er sollte keine Tabake beurteilen, die er nie geraucht hat. Aber das sind nur Kleinigkeiten. Alles in allem ist er wieder unterhaltsam zu lesen und enthält alle Informationen, die man benötigt.

Ebenso wie der Titel (Die Kunst, Pfeife zu rauchen -> Das Handbuch des Pfeifenrauchers) ist auch der Inhalt des Buches etwas sachlicher geworden. Der Preis (50DM) ist auch für die neue Ausgabe angemessen. Thomas Schoke:

Das "Handbuch des Pfeifenrauchers" soll eine Überarbeitung des vom gleichen Autor erschienen Buches "The ultimate pipebook" sein. Die wenigen guten Ansätze, die Hacker in seinem ersten Buch erkennen ließ, werden im vorliegenden Werk nicht fortgeführt, unter anderem Hinweise zur Datierung von Sammlerpfeifen.

Summa sumarum verrät uns der Autor nichts Neues. Er stellt seine persönliche Sichtweise des Pfeiferauchens vor, erläutert einige Tabakgrundsorten und gibt Ratschläge rund um das Pfeiferauchen, die bereits in anderen Werken umfassender und kompetenter abgehandelt wurden. Andere Kapitel sind der Besprechung einzelner Tabaksorten oder sogar den pfeiferauchenden Damen gewidmet. Wer allerdings Aufschlussreiches erwartet, wird bitter enttäuscht, an keiner Stelle gelingt es Hacker, den Boden der Banalität zu verlassen.

Der begrenzte Unterhaltungswert dieses Werkes liegt weniger in den gelegentlich eingestreuten, launigen Episödchen aus seinem Pfeifenraucherleben als vielmehr in den Passagen, in denen Hacker seine begrenzten Fähigkeiten als Pfeifenraucher mit unfreiwilliger Komik offenbart. Er rauche eine Pfeife mit riesigem Füllvolumen nur, wenn er mindestens eine dreiviertel Stunde zur Verfügung habe, lässt uns der Autor staunen. Welche Temperaturen er erzeugen muss, um den Tabak in einer überdurchschnittlich großen Pfeife in dieser Zeit zu vernichten, kann sich jeder Pfeifenraucher selbst ausmalen. An anderer Stelle gibt der Autor praktische Lebenshilfe und erklärt, wie man mittels eines Pfeifenputzers die sich ständig bildende Feuchtigkeit während des Rauchens entfernt, ohne die Umwelt zu belästigen. Tausende Pfeifenraucher in aller Welt haben auf diesen wertvollen Hinweis lange warten müssen. Streckenweise besitzt Hackers Nabelschau des eigenen Unvermögens komödiantische Qualitäten.

Völlig nutzlos ist die Einzelbesprechung handelsüblicher Tabaksorten, mit der Hacker sich augenscheinlich übernommen hat. Während er heftig gesossten Mischungen beste Trockenrauch-Eigenschaften attestiert, scheinen naturbelassene Tabake in seinen Pfeifen wie Wasserfälle zu wirken. Hier wird dem geneigten Leser nichts über Tabake verraten, sondern über die schlechten (Rauch) Gewohnheiten des Autors. Lieber Herr Hacker, wer sich damit brüstet, riesige Pfeifenköpfe in Rekordzeit leerzuqualmen und den Tabaken dann übermassige Feuchtigkeitsentwicklung unterstellt, sollte noch einmal - unter sachkundiger Anleitung - von vorn mit dem Pfeiferauchen beginnen!

Das wirkliche Ärgernis dieses Buches ist jedoch der permanente Hinweis des Autors auf seine eigene Wichtigkeit. Kaum eine Seite vergeht, ohne dass der Autor wortreich darauf hinweist, dass dieser Tabak oder jener Pfeifenhersteller nur deshalb weltberühmt wurde, weil er - Hacker - in einem seiner Bücher über ihn berichtet habe. Der Autor will uns allen Ernstes glauben machen, Rainer Barbi, Ashton und viele andere Pfeifenmacher der Ausnahmeklasse kenne die Welt nur dank Hackers ersten Buch.

Fazit: Ein Autor, dessen Sachkunde kaum den Durchschnitt erreicht, schreibt folgerichtig ein genauso unterdurchschnittliches Buch. Die allgegenwärtige Lobhudelei des Autors auf seine eigene Person lässt die Lektüre zur Strafarbeit werden. Es ist unverständlich, wie dieses Konglomerat aus Banalität und Peinlichkeit das bekanntermaßen gute Lektorat des Heyne Verlages passieren konnte.

(18.01.2001)

Richard Schultze:

Ratgeber über das Pfeiferauchen gibt es mittlerweile ein gutes halbes Dutzend auf dem deutschen Markt. In den meisten Fällen beschränken sich diese Bücher nicht nur auf die Technik und die Geschichte des Pfeiferauchen, sondern beschreiben auch die aktuelle international Pfeifenszene. Diese Szene verändert sich laufend und die als Leitfaden für Einsteiger gedachten Hintergrundinformationen, verlieren ihre Aktualität innerhalb kürzester Zeit. Einige der heute verfügbaren Ratgeber deutscher Herkunft erscheinen mehr oder weniger unverändert seit mehreren Jahrzehnten. Gerade für Anfänger sind sie deshalb nur von beschränktem Wert. Andere gute Bücher sind auf Grund der umfangreichen Arbeit sie auf dem neusten Stand zu halten vom Markt verschwunden.

Das im Heyne Verlag erschienen "Handbuch der Pfeifenrauchers" bildet dabei eine rühmliche Ausnahme. Der vom amerikanischen "Pfeifenpapst" Richard C.Hacker geschriebene Ratgeber ist eine in vielen Teilen überarbeitete und ergänzte Neuauflage seines Buches "Die Kunst Pfeife zu Rauchen".

In elf Kapiteln deckt der Autor das gesamte Spektrum des Pfeiferauchens und der Tabakherstellung und bietet dem Leser eine Fülle an Informationen und Ratschlägen. Dabei verzichtet er auf die unter erfahrenen Pfeifenrauchern gerne diskutierten esoterischen Themen, die bei Einsteigern und Umsteigern häufig den Eindruck erwecken, dass das Pfeiferauchen kompliziert und schwer erlernbar ist und sie letztendlich davon zurückschrecken lassen.

Leider ist das Kapitel über das Pfeifensammeln stark zusammen gestrichen worden. Das mag allerdings daran liegen, dass der Autor in der Zwischenzeit ein Buch zu diesem Thema veröffentlich hat.

Der Leser wird mit einer typischen amerikanischen Präsentation des Themas konfrontiert. Obwohl der Autor versucht den Anschein zu erwecken ein Kenner der deutschsprachigen Pfeifenszene zu sein, ist das Buch in der amerikanischen Tradition der "Ulimiate Book of..." (so der Originaltitel der ersten Auflage) geschrieben. In diesen Büchern, die es zu allen möglichen Themen gibt, präsentiert ein durchaus fachkundiger Autor sein gesammeltes Wissen. Eine der Stilmerkmale der Darstellung ist das Unterstreichen seiner eigene Erfahrung und Kenntnisse, das mitunter dogmatische Züge annehmen kann. Dieser in Amerika durchaus üblicher und akzeptierter Stil, kann bei einem deutschsprachigen Publikum Befremden hervorrufen.

Das "Handbuch des Pfeifenrauchers" ist ein Buch das es in seiner Vollständigkeit und seiner Aktualität in den letzten Jahren auf dem deutschen Markt nicht mehr gegeben hat. Der für den deutschen Leser etwas befremdlich erscheinende amerikanische Stil, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, das der Autor ein Handbuch vorgelegt hat, das den Einsteiger die nötigen Information an die Hand gibt und dem Fortgeschrittenen Raucher Anstöße geben möchte bestimmte Themen seines Hobby 's zu vertiefen.

(22.01.2001)

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