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Europas Pfeifenmacher. Marken und Modelle
| Autor: | Stan Hill (Pseudonym für Hans-Joachim Block) |
| Verlag: | Delius Klasing Verlag / Bielefeld |
| Jahr: | 2007 |
| ISBN: | 978-3-7688-1987-9 |
| Preis: | ca. € 25,- |
Oliver Walter
Endlich mal wieder ein neues Pfeifenbuch in deutscher Sprache! Unter dem Pseudonym "Stan Hill" (aus Stanwell und Dunhill zusammengesetzt) stellt Autor Hans-Joachim Block die Pfeifenmacher Europas vor.
Vom Einband und dem Titel her erinnert das Buch stark an den Rutzen ("Pfeifen – Die Pfeifenmacher der Welt: Marken & Modelle"), jenes Büchlein, das sämtliche damals aktuellen Pfeifenmacher verzeichnete. Schlägt man nun "Europas Pfeifenmacher" auf, so wird man feststellen: Da fehlen aber etliche! Während die Dänen noch halbwegs vollzählig sind, fehlt die gesamte neue deutsche Garde, von den Etablierten immerhin jemand wie Ingo Garbe! Bei den Österreichern werden nur Andreas Bauer und Ludwig Lorenz erwähnt. Kein Wort von David Wagner oder Joseph Prammer, Peter Matzhold wird in einem Halbsatz erwähnt. Dieses Buch ist also kein Kompendium im Stile eines Rutzens, wonach wurden dann die Macher ausgewählt? "Stan Hill", dessen Pseudonym schon seine Leidenschaft für die Pfeife zum Ausdruck bringt, hat sich gegen Quantität und für Qualität entschieden. Nicht in Bezug auf die Macher, sondern in Bezug auf seine Berichterstattung. Statt die Macher einfach anzuschreiben und deren Stellungnahmen mangels anderer Quellen mehr oder minder kritiklos zu übernehmen, hat der Autor dieses Buches jeden Macher persönlich besucht. So stammen auch nahezu alle Fotos von ihm selbst. Das Buch lebt von den persönlichen Kontakten Stan Hills, und vor allem von den Anekdoten, die daraus resultieren. So erfährt man, dass Poul "Stanwell" Nielsen das Rauchen mit Filter für völlig falsch hielt, dennoch Geschäftsmann genug war als einer der ersten ausländischen Produzenten Filterpfeifen für den deutschen Markt zu konzipieren. Oder dass Jan-Harry Seifert einige Modelle für Petersons Sherlock Holmes – Serie entworfen hat. Und auch, dass Nanna Ivarsson ihre erste Pfeifen im zarten Alter von 9 Jahren verkauft hat! Diese Beispiele zeigen eines sehr deutlich: Der Untertitel des Buches ist vollkommen verfehlt! Um „Marken und Modelle“ geht es nun wahrlich nicht, sondern um Menschen und deren Geschichten. Und diese gelingen dem Autor hervoragend, er erzählt "in Farbe und bunt", wirklich unterhaltsam und kurzweilig. Davon lebt das Buch und deshalb ist es absolut lesenswert. Wer ein Kompendium sucht ist bei José Manuel Lopes "Pipes - Artisans and Trademarks" besser aufgehoben.
Fazit: Der Titel und die Aufmachung suggerieren leider etwas, das dieses Buch nicht bietet und auch gar nicht bieten will. Wer die erste kleine Enttäuschung überwindet und sich auf dieses Büchlein einlässt, wird viel Freude damit haben. Ein herrliches Lesebuch zum Thema Pfeife, das man sich nicht entgehen lassen sollte, so man sich denn für die Menschen interessiert, die hinter den Rauchgeräten stecken.
(30.9.2007)
Christian Schneider:
Der kleine, aber feine 200-seitige Band besticht durch kostbare Aufmachung mit vielen qualitativ hochwertigen, aber leider etwas klein geratenen Farbabbildungen. Ohne eine genauere, über das Allgemeine hinausgehende Rauchanleitung für den Anfänger zu geben, verwirft der Autor gleich zu Beginn die Einrauchmethode mit Drittelfüllungen beginnend oder mit Ingredienzien wie Honig oder Whisky und plädiert dafür, gleich normal zu rauchen. Nahtlos geht es über zur Herstellung einer Pfeife, was sehr interessant zu lesen ist. Es folgt eine kleine Geschichte der Pfeife, und die verschiedenen klassischen Pfeifenformen werden vorgestellt.
Dann geht der Autor gleich zur Sache, der Titel des Buches ist Programm. Den „großen Wegbereitern der Bruyère-Branche“ (Alfred Dunhill, Sixten Ivarsson, Poul Nielsen Stanwell, Carlo Scotti und Achille Savinelli jr.) werden eigene Kapitel gewidmet. Reich bebildert werden aktuelle Modelle vorgestellt und Geschichte und Werdegang der Firmen und Menschen bis in die Gegenwart geschildert. Der Autor war vor Ort und hat mit fast allen betreffenden Personen Interviews geführt; er weiß also, wovon der schreibt. So kann er viele sonst unbekannte Details liefern. Die Fotos stammen beinahe alle vom Autor.
Dann werden einzelne Pfeifenmacher und –fabriken nach Ländern geordnet vorgestellt: Dänemark, Schweden, Deutschland (Rainer Barbi, Paul Becker, Bentley, Klaus-Dieter Billerbeck, Werner Bürmann, Karl Heinz Joura, Reiner, Jan Harry Seiffert, Vauen sowie weitere wie Denicotea, db-Design etc.), Österreich (Andreas Bauer, Ludwig Lorenz sowie weitere wie Strambach, Franz G. Szabo, Peter Matzhold sowie Schweizer werden erwähnt), Italien, Frankreich, Niederlande, Großbritannien und Irland (Peterson). Auch hier zeigt sich die Detailfreudigkeit des Autors in den Beschreibungen, viele interessante Pfeifen werden im Bild dargestellt. Der Mensch mit seiner jeweiligen Biographie und Produkt stehen im Mittelpunkt. Auch bereits Verstorbene sind vertreten, mit denen der Autor noch sprechen konnte, dadurch ist das Buch ein wertvolles Dokument. Die Lektüre ist kurzweilig, und man bleibt durch die viele gebotene Hintergrundinformation immer geistig frisch und neugierig auf Weiteres. Für den fortgeschrittenen Pfeifenraucher und Sammler sehr zur Lektüre bei seiner Lieblingspfeife zu empfehlen!
(14.10.2007)
Martin Östreicher:
Ich habe das Buch gerade gelesen und bin doch sehr erstaunt, dass es so milde und wohlwollend beurteilt wurde. Tenor: Das Buch halte zwar nicht ganz was der Titel verspreche, es sei halt kein Kompendium sondern lebe von den persönlichen Kontakten Stan Hills, und vor allem von den Anekdoten, die daraus resultieren. Allgemeines Fazit: Man müsse halt froh sein, dass überhaupt mal wieder ein Pfeifenbuch erscheine.
Nur Werner Mummert hat (zu Recht!) gemurrt, die Kriterien, um in das Buch aufgenommen zu werden, seien ihm suspekt. Wenn er sich die Aufzählung der Pfeifenmacher ansehe, würden die letzten 5 Jahre fehlen... Dem wäre hinzuzufügen: Nicht nur die letzten 5 Jahre... Um nur einige zu nennen, die es nicht mal mit einer namentlichen Erwähnung in dieses Buch "geschafft" haben:
Leo Borgart, Roger Wallenstein, Baldo Baldi, Per Georg Jensen, Stefano Santambrogio, Rudolf Apelt, Marco Biagini (Moretti), Jean Sommer, Les Wood, Hasso Baudis, Maurizio Tombari, Gerhard Wilhelm, Cesare Talamona, Volker Bier, Elio & Guido Rinaldo, Gabriele Dal Fiume, René Wähner, Axel Glasner, Domenico Romeo, Holmer Knudsen, Anton Manger, Frank
Stollenwerk, Alain Albuisson, Heiner Nonnenbroich, Werner Johst, Horst Fuchs, Hans Wormit, Eckhard Stöhr, Mauro Armellini, Tom Richard, Tonino Jacono, Preben Holm uva.
Klar, kein Buch, daß sich mit Pfeifen beschäftigt kann vollständig sein (selbst im Lopes fehlen ein paar Namen) - aber für den hochtrabenden Titel sind das schon ein bißchen sehr viele, die fehlen. Alles nicht unbedingt Hersteller von maschinell gefertigter Billigware
wohlgemerkt. Hier sei darauf hingewiesen, dass Werner Mummert zumindest namentlich erwähnt wird. Am jeweiligen Ende der Kapitel über Deutschland, Dänemark und Frankreich räumt der Autor immerhin ein, dass es noch ein paar "weitere" Pfeifenmacher gebe und nennt - ohne näher darauf einzugehen - Namen wie z.B. Werner Mummert, Safferling, Otto Pollner, Peter Klein, Design Berlin (ohne Schirwitz oder Hartmann zu nennen), Helmer Thomsen, Indo Garbe, Paolo Becker oder Franco Rossi (Il Ceppo). Ob dieses "unter ferner Liefen" eine "Anerkennung" oder schlicht eine Frechheit ist, sei dahingestellt. Er hat sie jedenfalls nicht besucht, der Autor.
Bei dem Wort Pfeifenmacher denkt man üblicherweise an Handarbeit. Hill macht
da aber keine deutliche Unterscheidung. Rainer Barbi und Paul Becker stehen dann eben in einer Reihe mit Vauen - Claudio Cavicchi und Luigi Radice in einer mit Brebbia. Naja. Warum auch nicht? Was letzlich raus kommt sind ... Pfeifen. Klar, dann fallen Dunhill und
Stanwell bei Stan Hill ebenfalls unter den Oberbegriff "Pfeifenmacher". Man fragt sich bloß, warum dann andere "Pfeifenmacher" wie Oldenkott, Denicotea, Pipa Croci, Rossi, Gasparini oder Aldo Pierluigi (Mario Grandi, Mastro Beraldi) nicht mal am Rande erwähnt werden. Handelsriesen wie Butz Coquin und Gubbels werden (mehr oder weniger) ausführlich behandelt, aber ein anderer Handelsriese wie Cardogan (Comoy, BBB, Dr. Plumb's, GBD, Orllik) fand aus welchen Gründen auch immer - nur eine Erwähnung ganz am Rande. Ach ja, und in Spanien, Schweiz, Türkei und Osteuropa gibt es offenbar überhaupt keine "Europäischen Pfeifenmacher". (Das Internet nicht ganz ohne Bedeutung für Europäische Pfeifenmacher - gibt es übrigens auch nicht bei Stan Hill.)
Nun mag es sein, dass auch mir beim Auflisten all der fehlenden Namen Fehler unterlaufen. Dem Buch fehlt nämlich noch etwas: Ein Register. Es gibt keinen Anhang ausser einer Danksagung. Keine Adressen, kein Glossar, keine Links - nix. Dieses Buch ist schlicht nicht dafür geeignet, um etwas nachzuschlagen. Man soll es wohl einfach nur ... lesen.
Also gut, aber was berichtet uns Stan Hill denn nun eigentlich? Schwer zu sagen, denn er plaudert so vor sich hin. Andektoden sind es eigentlich nicht. Dafür fehlt die Pointierung. Hill schreibt darüber, dass er einige "Pfeifenmacher" in ihrer Firma bzw. Werkstatt besucht hat. Das zumindest wird deutlich. O-Ton Hill: "Rückblick ins Jahr 1981: Ein sportliches Lancia Coupé biegt schwungvoll in den Hof der Pfeifenfabrik im Norditalienischen Molina de Barasso ein". Dem Wagen entsteigt Achille Savinelli (jr) und führt den Autor durch seine Manufaktur. By the way erfahren wir z.B. dass Savinelli das "Aushängeschild für hervorragende Pfeifen im Stiefelland" ist. "Stiefelland" puuuh, solche Wortfindungen muss man mögen, wenn man dieses Buch aushalten will. ("Aushängeschild" ist eigentlich auch völliger Quatsch. Savinelli als Aushängeschild für Mastro de Paja, Castello & Co. oder was? )
Im Artikel über Claudio Cavicchi steht der einprägsame Satz: "Bei einem Händler in Bologna bestellte der junge Italiener die hölzerne Schönheit". "Hölzerne Schönheit"? Hhölzerne Sprache würde ich sagen. Hill schreibt ein bißchen wie ein schlechter Sportreporter. Man wartet darauf, dass plötzlich irgendwo der "flinke Linksfuss" oder der "schußgewaltige Lauterer" "auftrumpft". Da "wetteifern" schon mal die "Unikate mit den kugelrunden Köpfen" oder "Rauchgeräte" geraten ins "Hintertreffen". Hill (der - wie im Waschzettel nachzulesen ist - mit bürgerlichem Namen eigentlich Hans-Jürgen Block heißt, Journalist ist und aus Kiel stammt) so scheint es, will uns weniger informieren als vielmehr unterhalten. Das gelingt ihm in gewisser Hinsicht. Wir bekommen wenig Informationen und der unterhaltsame Teil wirkt arg gewollt.
Im Vorwort betont der Autor, sein Buch hebe sich von anderen ab. Es berichte ausschließlich von persönlichen Kontakten. Doch besonders persönlich scheinen Hills Kontakte nicht gewesen zu sein, denn über die jeweiligen Charaktere der Pfeifenmacher oder Firmenbesitzer erfährt man wenig bis gar nichts, außer dass sie alle sehr "pfeifenbegeistert" sind und oft Kinder haben, die das Handwerk von ihnen lernen oder zumindest die Firma übernehmen. Wiederholt wird unterdessen erwähnt, dass die Frau des Autors geduldig dabei saß, worüber nun aber eigentlich gesprochen wurde, bleibt wage. Vermutlich wollte Hill nichts Nachteiliges über seine persönlichen Bakannten schreiben. Dadurch wirken alle Schilderungen sehr betulich. Dass die Frau des Autors
wirklich sehr geduldig gewesen sein muss, kann man jedoch immer besser nachvollziehen je länger man in diesem Buch liest.
Massimo Palazzi ("Italienischer kann eine Name kaum klingen" wie Hill meint) hat seinen Gast entweder nach Strich und Faden verarscht oder der Besuch in Pesaro lag bei Erscheinen des Buches schon 8 Jahre zurück und Hill hat dummerweise vergessen seinen Text zu
aktualisieren. Andrea Pascucci, der congeniale Partner von Palazzi seit dem Jahr 2000 (!!!) maßgebend mitverantwortlich für den Erfolg der Marke "L'Anatra" - wird tatsächlich wie so viele andere in diesem Buch mit keinem Sterbenswörtchen erwähnt. Gleichwohl steht
über dem 4-seitigen Artikel die Überschrift "L'Anatra".
Und so geht es immer weiter. Dauernd stolpert man beim Lesen über unzählige Fehler und Ungenauigkeiten. Z.B. heißt es da im Artikel über Brebbia: "So wurden die Häupter
berühmter Persönlichkeiten in Bruyere verewigt: Stan & Laurel (hierzulande als "Dick und Doof" bekannt) - Wie bitte? Handelt es sich um Stan Hill & Stan Laurel oder ist Stan Hill ein bißchen doof? Kaum jemand sagt heutzutage noch "Dick und Doof". Die beiden heißen immer noch Laurel & Hardy und sind inzwischen als solche auch hinlänglich bekannt. Eine Bagatelle - wenn's die einzige wäre. Man könnte sagen, das ist Film, davon hat er keine Ahnung, aber leider scheint er über Pfeifen auch nicht sehr viel besser bescheid zu wissen. Oder er hatte einfach nicht die Zeit (oder das Honorar), um seine Informationen
professionell aufzubreiten. Dem Verlag sei vorgeworfen, dass dieses Buch extrem schlampig (oder schlicht gar nicht?) lektoriert wurde.
Der Informationensgehalt des Buches kann als dürftig bezeichnet werden. Die wenigen Informationen, die es enthält, sind ebenso willkürlich wie unübersichtlich und unvollständig, eingewoben zwischen die "blumige" Prosa des Autors. Anders als es der Titel suggeriert erfährt der Leser wenig über Marken und noch weniger über Modelle.
Ein paar Infos für den absoluten Anfänger sind dabei, aber das Buch bietet so gut wie nichts über die jeweiligen Gradings, Reihen, Seconds, Erkennungszeichen und Logos, Pfeifenformen, Applikationen, Oberflächen, Filter, Mundstücke, Jahresproduktionen, Märkte und Händler also kaum Infos für Fortgeschrittene oder Sammler.
Die Optik des Covers ist unübersehbar dem Buch "Pfeifen" von Rolf Joachim Rutzen nachempfunden. Hill kann aber ihm aber weder fachlich noch inhaltlich das Wasser reichen. - Schade eigentlich, dass sich Rutzen seinerzeit mit zwielichtigen Aktionen (siehe daft Archiv) ins Abseits manövriert hat.
Stan Hill hat sein Buch aus etlichen alten Smokers-Club-Artikeln zusammengestellt. Das fände ich im Prinzip nicht verwerflich, wenn Hill wie allgemein üblich - seine Artikel zumindest überprüft, aktualisiert und überarbeitet hätte. Ich wäre sicher auch nicht so verstimmt, wenn Hill (bzw. der Verlag...) das Buch "Zum Dinner mit Viprati und andere Geschichten aus der Welt der hölzernen Schönheiten" oder so ähnlich genannt hätte. Auf dem
Buchrücken sollte dann stehen, dass hier alte und neue Artikel und Geschichten des Autors versammelt sind usw. Dann wüsste man, was einen erwartet.
Mein Fazit: Als Plauderbuch über Pfeifenmacher/Hersteller wäre das Buch im Prinzip okay, vorausgesetzt man stört sich nicht am geschwurbelten Sprachstil des Autors und den vielen kleinen inhaltlichen Fehlern. Aber das Buch kostet 24 Euro und wirbt mit dem Titel: "Europas Pfeifenmacher Marken und Modelle" . So etwas nennt man, glaube ich, eine "Mogelpackung".
(18.6.2008)