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Pfeifentabakbrevier
| Autor: | Heinz H. Holtappels |
| Verlag: | W. Heyne Verlag/München |
| Jahr: | 1996 |
| ISBN: | 3-453-11432-9 |
| Preis: | € 7,80 |
Olaf Schumacher:
Der Pfeifentabakbrevier dient sicherlich einigen Pfeifenden - eventuell besonders den Neueinsteigern - als erste Orientierungshilfe im schwer überschaubaren Tabak-Angebot. (Zumindest bevor sie den Tabakbrevier von d.a.f.t. kennen lernen.)
Im Vorwort wird besagtes Werk als "kompaktes Nachschlagewerk" beschrieben, welches "ausführliche Charakteristiken" der einzelnen Sorten wiedergibt. Bei der folgenden, obligatorischen Erläuterung der Fachbegriffe ist mir lediglich die etwas ungenaue Erklärung des Begriffes 'Cavendish' aufgefallen. Es wird nicht klar, das hier ein Verfahren zur Bearbeitung von Tabak und nicht eine eigene Sorte gemeint ist. Nach der geschmacklichen Einordnung von einigen typischen Tabaken folgt der eigentliche Teil des Buches.
Die verschiedenen Tabaksorten sind alphabetisch sortiert, wobei mir nicht ganz klar ist nach welchem Kriterium? Tabakhersteller oder nur Markenname. So findet sich zum Beispiel unter 'Bankers' und 'Fox Bankers' eine nahezu identische Beschreibung. Ich gehe davon aus, das es sich hier um den gleichen Tabak handelt. 'Indigo' und 'Rose and Crown' finde ich nicht unter 'Stanwell' sondern unter 'T' (The Rose and Crown) bzw. 'I'. Ein Index ist leider nicht vorhanden, sodass sich die Suche mitunter etwas mühsam gestaltet. Das eigentliche Dilemma des Werkes ist jedoch die Beschreibung der Tabake. Aufmerksam geworden durch eine Vermutung in der NG, habe ich mir die Mühe gemacht, die Texte des Buches mit denen auf den Tabakdosen zu vergleichen... et voilà! Es handelt sich - soweit ich das nachverfolgen konnte -, um die meist wortwörtlichen Werbesprüche der jeweiligen Hersteller. Selbst der kitschige 'Black Diamond' Text wurde nur leicht umgearbeitet und fand als "mildes Juwel" und schwarzer Tabakdiamant seinen Weg ins Buch. Da meine bescheidene "Tabaksammlung" mir nicht ausreichend erschien, um solch eine ungeheuerliche Anschuldigung auszusprechen, zumal z.B. bei den Rattrays und Dunhills auch keine Infos zu finden sind, habe ich weiter geforscht. Ergebnis: Sowohl die Formulierungen der einzelnen Tabake im 'DanPipe2000' als auch im 'Ermuri-Katalog' stimmen jeweils überein. Kleine Wortumstellung hat sich Herr Holtappels hier und da geleistet. Kann natürlich auch an der zeitlichen Verschiebung liegen, da das Taschenbuch bereits aus 1996 stammt und die Kataloge aktuellen Datums sind. Eine letzte Chance hat der 'Pfeifentabakbrevier' noch: Vielleicht fanden die Hersteller die Texte im Buch so gut, dass sie diese schlichtweg übernommen haben? Der krönende Abschluss ist das kurze Kapitel 'Tipps für den Pfeifenraucher'. Dieses könnte als Kurzform des Kapitels 'Jeder hat einmal klein angefangen - Kurz-Kurs für Pfeifenneulinge' aus Helmut Hochrains 'Neues Pfeifenbuch' durchgehen. Teilweise sind die Sätze bis auf das kleinste Satzzeichen kopiert.
Fazit:
Der Pfeifentabakbrevier ist IMO nicht mehr -aber auch nicht weniger- als eine Aneinanderreihung von Werbetexten. Von der Qualität der persönlichen Tabakbewertungen auf der d.a.f.t.-HP bzw. in der NG ist dieses Buch meilenweit entfernt. Die Idee einen d.a.f.t.-Tabakbrevier herauszugeben hätte somit also seine volle Berechtigung. Einsteiger sollten, solange es dieses Buch noch nicht gibt, besser auf die Homepage schauen.
Michael Karrengarn:
Das Buch von Heinz H. Holtappels ist ein Taschenbuch mit insgesamt 258 Seiten. Auf der vorderen Umschlagseite werden „Informationen und Tipps für den Pfeifenraucher“ und „500 Tabaksorten im Test“ angekündigt.
Als erstes fällt auf, dass es in diesem Buch weder ein Inhaltsverzeichnis noch ein Register gibt. Das ist für einen Roman ganz normal, für ein Sachbuch eher ungewöhnlich.
Den größten Abschnitt in diesem Buch bilden die „Tabakcharakteristiken von A – Z“. Ein Test oder Vergleich von Tabaken gibt es nicht und eine Analyse der Mischungen ist schon gar nicht vorhanden. Es werden lediglich die Herstellerbeschreibungen und Werbetexte der verschiedenen Tabake in alphabetischer Reihenfolge abgedruckt. Mit dem Alphabet gibt es allerdings gleich zu Anfang Probleme: Alsbo Mixture Sweet Cherry, AB 70 International, Adventure, Alsbo Gold, Alsbo Silver. Das ist sicherlich nicht weiter tragisch. Aber was wollen und sollen mir Beschreibungen sagen wie z. B.
Seite 75: „Corvado Vanilla Mexikanisches Markenkonzept, das klare prägnante Farben, unverwechselbare Symbole und Impressionen aus Mexiko aufgreift. Unverkennbares Vanille-Aroma“
Seite 96: „Falcon Light Aromatic Mild, sanft, ein Genuss für jeden Raucher.“
Die Beschreibungen z.B. des „Wappen von Hamburg“, des „Copenhagen Cavendish“ und weiterer Tabake sind nahezu wörtlich im DanPipe Katalog zu finden.
Darüberhinaus ist das gezielte Auffinden bestimmter Tabake schwierig, da mal der Hersteller für die Position im Alphabet herangezogen wird (z.B. Mac Baren Navy Flake unter M) und manchmal der Name des Tabaks ohne Berücksichtigung des Herstellers (z.B. Käpt’n Brammers Klabautermann von DTM unter K).
Erstaunlicherweise habe ich eine Beschreibung des MacBaren Rum Cake gefunden. Meines Wissens nach gibt es diesen Tabak schon seit Mitte der achtziger Jahre nicht mehr (oder irre ich mich da...?)
Im Abschnitt „Tabakmarken Geschmacks-Kurzcharakteristik“ werden alle Tabake zur Charakterisierung mit zwei oder drei Adjektiven belegt. Ich denke, auch hier sind nur Herstellerangaben verwendet worden. Auffällig ist z.B., dass unter dem Stichwort „zungenmild“ nur 3 Tabake von Exclusiv zu finden sind. Meiner Meinung nach ist diese Auflistung völlig nichtssagend.
Den Abschnitt mit den „Tips für den Pfeifenraucher“ habe ich dann nur noch überflogen, aufgefallen ist mir dabei noch, dass der Autor zur Tabakbefeuchtung weder Humydrole noch Tabaksteine kennt.
Zusammenfassend möchte ich sagen, dass man mit diesem Buch eine Auflistung vieler gängiger Tabakmischungen mit den zugehörigen Beschreibungen und Werbetexten der Hersteller bzw. Importeure erhält. Dem selbstgestellten Anspruch „Eine einzigartige Tabakkunde: über 500 Tabaksorten werden beschrieben, ihre Geschmacksrichtung und ihr Charakter erklärt, und ihre Mischung wird analysiert.“ (Umschlagrückseite) wird dieses Buch leider nicht gerecht. Den Kaufpreis von 14,90 DM kann man verschmerzen, aber manch ein Käufer wird sich fragen, ob er dieses Geld nicht besser in eine Dose seines Lieblingstabaks hätte investieren sollen.