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Uckermärker Tabak - Anbau-Handel-Verarbeitung
| Autor: | Lutz Libert |
| Verlag: | Schwedter Jahresblätter / Museum der Stadt Schwedt |
| Jahr: | 1987 |
| ISBN: | |
| Preis: | EUR 1,- |
Jörg Lehmann:
Vorbemerkungen:
Nachdem ich nun schon seit fast 23 Jahren gelegentlich in Schwedt bin, habe ich erstmals Zeit gefunden, mir das Stadtmuseum anzusehen. Für viele liegt Schwedt irgendwo in einem undefinierbaren Nirwana, manche wissen, dass es unweit von Stettin liegt und dem Bewohner der ehemaligen DDR ist das Petrolchemische Kombinat irgendwie ein Begriff. Dementsprechend wird mit Schwedt oft ein Zusammenhang mit vergammelter Industrielandschaft assoziiert. Weit gefehlt: Schwedt liegt landschaftlich reizvoll in der Uckermark an der Oder, einem der drei großen deutschen Tabakanbaugebiete Deutschlands. Bevor -wegen der peripheren Lage- Schwedt ab etwa 1960 zu einem Zentrum der Petrochemie ausgebaut wurde, war der Tabakanbau und die Tabakverarbeitung eine wichtige wirtschaftlich Stütze.
So nimmt es nicht Wunder, dass mit Dr. Lutz Libert einer der bekanntesten Tabakfachleute als Kustos des Museums dort wirkt(e?). Das Schwedter Museum ist bezüglich der Tabakhistorie heute kein Highlight mehr, was allerdings durch das benachbarte (und in positivem Sinne wohl als Ausgliederung zu verstehende) Tabakmuseum in Vierraden mehr als ausgeglichen wird. Dieses Museum habe ich schon zuvor beschrieben.
Zur Literatur:
Das unscheinbare, 84 Seiten starke Heftchen erhielt ich auf Nachfrage an der Museumskasse für einen Euro. Das Heftchen ist mit ca. 100 sw-Bildern reich illustriert, hinzu kommen Tabellen und Grundrisse.
Der Inhalt befasst sich zunächst mit der Einführung des Tabakanbaus in der Uckermark ab etwa 1670. Schon ca. 1700 tauchen in den Statistiken 280 Tabakbauern, 72 Tabakplanzer, 103 Tabakspinner, 18 Tabakhändler und 1 Pfeifenmacher auf.
Es folgt dann ein Exkurs durch das Arbeitsjahr des Tabakbauern mit zahlreichen historischen Reminiszenzen. Sehr heiter liest sich das folgende Kapitel "Tabakanbau zwischen Förderung und Einschränkung", es zeigt, dass schon vor 300 Jahren "Vater Staat" nicht zu knapp am Tabakkonsum mitverdient hat. Es folgt ein Kapitel über den Tabakhandel , der schon sehr frühzeitig staatlich kontrolliert und reglementiert wurde.
Das fünfte Kapitel befasst sich mit der Herstellung von Rauch- und Schnupftabak, die sich im großen und ganzen nicht wesentlich voneinander unterschied- Hier wird auch ausführlich die Tätigkeit des Tabakspinners beschrieben, der schlussendlich den Rohtabak in eine rauchbares Produkt verwandelte. Interessant ist die Tagesleistung eines geübten Tabakspinners: Etwas 1 ½ Zentner Tabakrollen! Entsprechend der Bedeutung dieser hochspezialisierten Fachleute widmet sich das folgende Kapitel dem Leben und der beruflichen Organisation der Tabakspinner.
Das siebte Kapitel beschreibt die ersten Tabakmanufakturen in Schwedt, die ca. 1780 gegründet wurden. Man erfährt manch erhellendes über die Schnupftabakherstellung. Auch Produktionszahlen werden genannt: In zwei Manufakturen (J.L. Harlan) wurden von 160 Arbeitern jährlich ca. 50.000 Zentner Rauch- und Schnupftabak und 6.000 Zentner Rollentabak produziert. Diese Betrachtungen erfolgen bis zum 1. WK.
Die weiteren Kapitel (9. und 10.) widmen sich dann der Zigarrenproduktion. Noch 1926 gab es 19 (!!) Zigarrenfabriken in Schwedt.
Die weiteren Kapitel widmen sich dann den sozialen Fragen der in der Tabakproduktion Beschäftigten. Und natürlich fehlen auch die in der offiziellen Literatur der DDR pflichtgemäß einzubindenden Kapitel zu den Besonderheiten der sozialistischen Produktionsweise nicht. Erfreulicherweise gelingt es Libert aber auch hier, die Sachinformation in der Vordergrund zu stellen.
Fazit:
Dieses Büchlein wurde mit viel Sachkenntnis und viel Liebe zum Detail geschrieben. Es ist sicher eher eine nüchterne wissenschaftliche Publikation denn ein kurzweiliger Schmöker. Durch die vielen Details ist es aber dennoch sehr lesbar und spannend.
Ich weiß nicht, ob weitere Exemplare dieses Heftchens noch verfügbar sind. Ein Anruf im Museum sollte da Klarheit schaffen können:
Stadtmuseum Schwedt/Oder
Jüdenstr. 17
16303 Schwedt/Oder
Tel: 03332-23460
(27.08.2002)