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Pannier Pipe Line

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Pipe-Line: Das Buch zur Pfeife

Informationen, Tips und Trends rundum den Fetisch Pfeife

Autor:Jörg Pannier
Verlag:Daedalus Verlag / Münster
Jahr:2004
ISBN:3-89126-163-2
Preis:24,80 EUR



Adrian Schmidtke:

Ein äusserst umfangreiches Werk flatterte mir da per Post auf den Schreibtisch: 264 Seiten stark ist das Buch von Jörg Pannier, ordentlich gebunden ist es und macht bereits auf den ersten Blick einen recht modernen, zeitgemäßen Eindruck. Dabei, soviel ist bereits nach den ersten Seiten klar, bedient der Autor ein Segment, welches seit den frühen 60er Jahren traditionell von Helmut Hochrain besetzt ist: die umfassende (d.h. alle relevanten Bereiche berührende) Einführung des Anfängers in die Welt des Pfeiferauchens. Gleich zu Beginn weist der Autor zwar darauf hin, dass auch die "gestandenen 'Pipesters'" (7) bei ihm richtig seien; ich bin da indes anderer Meinung. Der passionierte Pfeifenraucher oder gar -sammler wird an diesem Buch weniger Freude haben, nur wenig neues finden und daher eher auf die bewährten Werke zurückgreifen.

Ebenso schnell wird aber auch deutlich, dass der Autor sich vom hochrainschen Vorbild, - zumindest sprachlich - wo immer möglich, abzugrenzen sucht. Gerade aus dem "Vorurteils-Dunstkreis rustikaler Schankstubenmentalität, behäbiger Wohnzimmergemütlichkeit und snobistischer Eitelkeit" (8) möchte der Autor das Pfeifenrauchen befreien. Die Zeiten hätten sich geändert, deshalb "ist dieses Buch neu. Deshalb ist dieses Buch unverzichtbar" (ebd.). Die wohl auffälligste Folge dieser Einschätzung: Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite gekennzeichnet durch einen fast penetrant lockeren Sprachstil, der vielen, da bin ich mir sicher, zusagen wird, nimmt er doch demonstrativen Abstand vom etwas altbackenen Stil Hochrains. Mich persönlich stößt diese geradezu zwanghaft Lockerheit doch sehr ab - zumal ich bezweifeln möchte, dass dieses Buch auf der rein praktische Ebene (ich spreche nicht von Herstellern etc.!) wirklich so viel neues bietet. Der größte Kritikpunkt, der damit schon einmal abgehakt wäre, verweist aber auch auf den absolut lobenswerten Anspruch des Buches, eine zeitgemäße Alternative zu bieten und ich bin mir sicher, dass dieses Buch allein schon aus diesem Grund viel Zuspruch erfahren wird.

Inhaltlich, es klang bereits an, versucht der Autor abzudecken und abzuhandeln, was immer mit dem "Fetisch Pfeife" zu tun hat: Praxis des Rauchens, Pfeifenpflege (Kapitelüberschrift: "Fit for Fun - Fitneßprogramme für Pfeifen"), Pfeifenherstellung und -einkauf, einen Überblick über die Tabakherstellung und eine kleine Sortenkunde, einen Überblick über wichtige Hersteller, die wichtige Frage "Was trinke ich dazu?" und, und, und... Besonders hevorheben möchte ich die wirklich umfangfreiche Bibliographie und den Einbezug aktueller Medien, d.h. des Internets. Auch www.daft.de wird dabei lobend erwähnt (225) und zwar noch vor kommerziellen Anbietern wie www.pfeiferauchen.de, www.pfeife.de etc.; a.s.p., die Übermutter des Pfeifen-Usenets, findet hingegen leider kein Erwähnung.

Auf der sachlichen Ebene ist dies ein Buch ohne Fehl und Tadel. Kleinere Ungenauigkeiten stören das Bild kaum und seien hier in beliebiger Reihenfolge angesprochen: Einen Plug scheint der Autor wohl noch nicht in der Hand gehabt zu haben, denn die zerfallen nicht "wie von selbst in der Hand" (197). Twists und Ropes in ihrer eigentlichen Form finden keine Erwähnung, allerdings sind die ja auch eher etwas für den fortgeschrittenen Pipero. Filter, so betont, der Autor, sind zwar ein "weitgehend germanisches Phänomen" (108) und folgerichtig wird sogar dem Filterdöschen ein eigenes kleines Kapitel gewidmet (182), die Tips zum Rauchen "Mit 'Ohne'" (114) füllen hingegen nicht mal eine Seite. Schade, aber eben irgend wie doch germanisch...

Demgegenüber hocherfreulich finde ich beispielsweise die Kapitel zu den Pfeifenherstellern ("My Favorite Things - Marken und Macher", 141-165), wo der Autor zwischen Serienherstellern und Einzelstückherstellern unterscheidet, nach Ländern sortiert und bei den Freehandern sogar noch einmal eine Trennung nach unterschiedlichen Stilistiken vornimmt. Sicherlich tauchen gerade dort ein paar Namen auf, die da nicht unbedingt hingehören (ich nenne keine) und der ein oder andere hätte ganz sicher Erwähnung verdient, natürlich werden für meinen Geschmack einige Hersteller mit zu viel, andere mit etwas zu wenig Lob überschüttet; von diesen Kleinigkeiten abgesehen führt der Autor hier aber eine Vollständigkeit vor, die in diesem Segment ihresgleichen sucht.

Leider hat das Buch nur sehr wenige Abbildungen und gar keine Fotografien, die das ganz überwiegend positive Bild abgerundet hätten. Alles in allem ein wirklich erfreuliches Buch, auch wenn es vor allem sprachlich meinen persönlichen Geschmack nicht unbedingt trifft. Auch der passioniert Sammler wird sich um dieses Buch nicht schlagen müssen - als Anfänger aber hätte ich mir ein solches Buch gewünscht.

(06.06.2004)

Frank Nicolai:

Das vorweg: ich finde es erfreulich, ein neues Buch über das Pfeifenrauchen lesen zu können. Hier haben der Autor und der Verlag das Risiko nicht gescheut, einem immer kleiner werdenden Publikum ein neues Buch vorzustellen, dass dem Pfeiferauchen ein wenig von dem Ruch des Elitären zu nehmen. Ob das gelingt, indem man Anglizismen als Überschriften nutzt und den Text mit englischen Worten spickt auch an Stellen, wo es mir unangebracht scheint, bleibt abzuwarten. Lobenswert allemal und die Ausstattung des Buches ist rundum gelungen. Jedoch mangelt es an Fotos. Einige wenige Zeichnungen bietet das Buch zur Illustration; Fotos von Pfeifen oder Tabaken sucht man vergebens. Schade drum.

Das Buch ist aufgebaut wie es all die Ratgeber sind, die es schon gibt. Aufbau der Pfeife, erstes Rauchen, Pflegetipps, Hinweise zu Marken und Namen und ein Kapitel über den Tabak. In genau der Reihenfolge, wie es Hochrain vormachte. Und das genau ist das Manko des Buches: Es wird, trotz poppigen Anstrichs, genau dem roten Faden anderer Bücher gefolgt. "Nun gut" kann man einwerfen, "wie soll man das anders machen?" Das kann ich nicht genau beantworten. Doch wenn jemand antritt, der in den ersten Sätzen des Buches verspricht, Schluss zu machen mit alten Zöpfen und dann genau diese Zöpfe auf Hochglanz poliert. Da macht sich der Autor lustig darüber, dass in aller bisherigen Literatur immer von Pfeifenrauchern und nie (oder abwertend) von pfeiferauchenden Frauen gesprochen wird... und macht all die lächerlich, die dieser Theorie anhängen. Allerdings las ich nichts als den Allgemeinplatz, dass Frauen genauso rauchen sollten wie es die Männer tun. Das halte ich nicht für eine unbedingt neue Erkenntnis.

Was mir noch viel übler aufsteigt ist, dass der Autor offenbar nur sehr wenig selbst recherchiert hat. Alles, was er über Pfeifen berichtet ist den einschlägigen Quellen (Rutzen, Dunhill u.a.) entnommen. Man schaue sich das Quellenverzeichnis an. Mich erinnert das sehr an Diplomarbeiten, die nichts anderes enthalten als Zitate. Hundertmalgesagtes wird wiedergegeben; eigene Gedanken werden kaum dargestellt. Zwar liest sich dieses Konglomerat aus Drittwerken flüssig und gut; aber ein paar eigene Argumente hätten dem Autor schon einfallen müssen. Bei den Beschreibungen der Hersteller von Serienpfeifen habe ich den Eindruck, dass der Autor sich auf Werbezettel der Hersteller verlassen hat. Kein Wort davon, dass die Qualität der Petersons z.B. in den letzten Jahren merklich nachgelassen hat. Auch kommen mir die Pfeifenmacher etwas zu kurz. Wobei ich aber zugebe: das mag daher kommen, dass ich mich nun fast tagtäglich mit dem Thema (durch daft) befasse; dem "normalen" Leser des Buchs wird es möglicherweise genügen.

Ähnliches lässt sich über das Tabak-Kapitel sagen. Auch hier scheint es, als wäre der Autor nicht direkt mit Herstellern in Verbindung getreten. So wird zwar Frickert zitiert - aber die DTM-Manufaktur wurde offenbar nie besucht. Diese Oberflächlichkeit zieht sich durch das gesamte Kapitel - das ich zugegebenermaßen besonders kritisch las. Ich muss jedoch zur Ehrrettung anmerken, dass in diesem Buch (meines Wissens erstmalig) etwas differenzierter beim der Aufzählung der Tabakrichtungen vorgegangen wird. Hier gibt es die (von mir in den Reviews schon lang eingeführte) Unterscheidung zwischen dänischen und deutschen Aromaten. Und auch irische und amerikanische Tabake werden als "Stilrichtung" benannt. Hier ist das Buch auf jeden Fall moderner als seine nur in drei Kategorien denkenden Vorgänger.

Völlig fehl ist das Kapitel "das Getränk zur Pfeife". Hier wird dem Trend, den auch die Pipe & Cigar frönt, Genüge getan. Mit dem Thema hat das - zumal nur angeschnitten und nicht in Gänze wirklich auf eigene Erfahrungen gründend - nur wenig zu tun. Dafür wird www.daft.de als *die* beste Webseite zum Thema gewürdigt und vorgestellt. Allerdings tut dieser (mich) bauchpinselnder Hinweis der Kritik am Buch keinen Abbruch.

Fazit: Das Buch ist handwerklich gut gemacht (wenn auch die Fotos fehlen) und flüssig und leicht geschrieben. Aber es ist nicht mehr als ein von Spinnweben befreiter Hochrain. Es wird sicherlich manchem neuen Pfeifenjünger als Ersteinstieg dienen können und die Alt-Raucher in ihren Ansichten stärken ("hab ich's doch gewusst"), bietet jedoch nichts so grundsätzlich Neues, dass der Kauf für den lohnt, der Hochrain, Rutzen und Pollner schon im Regal zu stehen hat.

(13.06.2004)


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