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Havannas. Großer Genuss aus Kuba
Die weltbesten Zigarren in Kombination mit den besten Weinen und den feinsten Gerichten
| Autor: | Michel Permeke |
| Verlag: | Neuer Umschau Buchverlag / Neustadt/Weinstr. |
| Jahr: | 2007 |
| ISBN: | 978-3-86528-283-5 |
| Preis: | € 48,- |
Adrian Schmidtke:
Havannas gelten nach wie vor als Inbegriff des exklusiven Zigarrengenusses. Michel Permeke, Inhaber des berühmten „Mike’s Havannas“ in Antwerpen, versucht gar nicht erst, an diesem Nimbus zu rütteln, sondern stellt ihn vielmehr in den Mittelpunkt seines Buches. Allerdings macht er nicht den Fehler, bei aller Huldigung von Luxus und Lifestyle, auch nur einmal den Verdacht aufkommen zu lassen, es mangele ihm an Sachkenntnis. Zwar lädt das Buch allein schon durch sein Format (stattliche 34 x 26 cm) und die vielen wunderschönen, zum Teil auch äußerst subtilen Fotografien von Kris Vlegels eher zum entspannten Blättern denn zum schnelle Nachschlagen ein; zwischen den großformatigen Bildern verbirgt sich aber im exklusiven Schriftsatz so ziemlich alles, was man über Havannas wissen möchte.
Inhaltlich lässt dieses Buch keine Wünsche offen: Der Leser erfährt alles Wissenswerte über den Anbau und die Anbaugebiete des Tabaks für die ‚Grandes Marques’, die Herstellung und die ideale Lagerung der Havannas, über Jahrgangszigarren und limited editions und natürlich die Rauchpraxis. Etwas eingeschoben wirken die Seiten 64-87, auf denen drei Spitzenköche Menuvorschläge machen, die mit passenden Weinen und Zigarren abgerundet werden. Auch das Thema Zigarre und Gesundheit wird behandelt, allerdings erfährt man hier aus der Feder eines Lungenarztes lediglich, dass Zigarren in Maßen genossen nicht besonders schädlich sind, das schachtelweise Inhalieren von Zigaretten hingegen schon, nichts Neues also. Ein weiteres Kapitel behandelt die Frage, welches Getränk zu welcher Zigarre passt, auch hier, wie schon bei den Kochrezepten, gelingt es Permeke, die Gewässer der Beliebigkeit und Überflüssigkeit haarscharf zu umschiffen. Dass dies gelingt, ist seiner beeindruckenden Sachkenntnis und Eloquenz bei der geschmacklichen Beschreibung von Zigarren zuzuschreiben, der vor allem das nächste Kapitel gewidmet ist. Hier findet sich etwas, was ich bisher in allen mir bekannten Büchern zum Thema Tabak, Pfeife und Zigarre vermisst habe: Eine systematische Darstellung der verschiedenen Aromen, die sich in einer Zigarre finden können. Ein Überblick über die wichtigsten Hersteller, die gängigsten (und skurrilsten) Formate, sowie ein kleines Zigarrenlexikon runden den Band ab. All das darf man sich keineswegs als trockenen Sachtext vorstellen, sondern als großformatigen Fotoband, der eher im Beitext über das Wesentliche informiert – ohne auch nur einmal den Eindruck zu erwecken, etwas auszulassen, übertrieben zu vereinfachen oder der Einfachheit der Darstellung halber zu unterschlagen. Dies ist nicht zuletzt auch eine sprachliche Leistung, die nicht unerwähnt bleiben sollte.
Zuweilen überspannt Permeke den Bogen etwas, wenn beispielsweise Zigarren nicht einfach „geraucht“, sondern „degustiert“ werden. Er unterschlägt dabei nämlich die – wenigstens eben so ausgereifte und in einem anderen Sinne „kultivierte“ – Rauchkultur des kubanischen Alltags oder der in mehreren Kapiteln gewürdigten kubanischen Despalilladores, Rezagadoras und Torcedores, die bestimmt nicht darüber nachdenken, welchen Wein sie zu Thunfisch-Carpaccio an Sorbet à la Geuze und Bouchont-Muscheln sowie einer Upmann Magnum 50 nehmen könnten (Permeke und seine Spitzenköche schlagen einen Cervaro della Salla 2001 aus Antinori/Umbrien vor…). Allerdings steckt hinter der Unterscheidung von Rauchen und Degustieren für Permeke weitaus mehr, als nur bloße Huldigung des Edlen und Teuren. Ihm geht es zuvorderst um die Aufmerksamkeit und den Respekt, den man der Zigarre widmet, wenn man in aller Ausführlichkeit und bewusst genießt – und nicht einfach „nur“ raucht. Der Zugewinn für den persönlichen Rauchgenuss dadurch in der Tat enorm.
Woran zu keinem Zeitpunkt auch nur der leiseste Zweifel aufkommt: Dieses Buch ist eine Liebeserklärung – an Kuba, an seine Menschen, an Zigarren und an die Lebensfreude, was vor allem auch auf den Fotografien zum Ausdruck kommt. Dabei macht Kris Vlegels nicht den Fehler, Kuba als Bilderbuch-Idyll darzustellen; vielmehr gelingt es ihm, auch die maroden Seiten der Karibikinsel einzufangen, ohne dass der Eindruck eines visuellen Bruchs entstehen würde. Dies ist sicherlich eine der ganz großen Leistungen dieses Bandes. Die andere lieg darin, dass dieses Buch sofort Appetit macht – auf eine Zigarre und einen Kaffee oder eben auch ein dreigängiges Menu mit einer abschließenden Jahrgangszigarre.
Als willkommene Beigabe liegen dem Buch eine Schablone mit den gängigen Ringmaßen und ein großformatiges Poster mit Zigarren der wichtigsten Formate bei. Auch dies verweist darauf, dass dieses Buch zwar vordergründig ein nobler Bildband ist, dabei aber immer auch einen deutlichen Praxisbezug hat. Bei allem Lifestyle- und Luxushabitus ist dieses Buch immer eines von passionierten Zigarrenrauchern für passionierte Zigarrenraucher und solche, die es gerne wären.
(15.08.2007)