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Pollner Pfeifenmacherzwischen Rennsteigund Rhoen

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Die Pfeifenmacher zwischen Rennsteig und Rhön

Autor:Otto Pollner
Verlag:heka-Verlag
Jahr:1997
ISBN:3-928700-40-5
Preis:€ 25,50

Marcus Jacob:

128 Seiten, zahlreiche, teils farbige Abbildungen, Hardcover

Achtung ! Dieses Buch ist leider nicht mehr im Buchhandel lieferbar (out of print). Zur Zeit gibt es noch welche bei DanPipe oder in manchen Tabakläden, evtl. hat auch Herr Pollner selber noch ein paar.

Heute ist es schon fast vergessen, dass Thüringen einst ein bedeutendes Zentrum der Pfeifenmacherei in Deutschland war. Otto Pollner zeigt in einem kleinen Streifzug durch über 250 Jahre, wie aus einfachem Messerschleifern zunächst Beschlagmacher und dann Pfeifenmacher wurden. Er gibt einen Einblick in die frühen Jahre, die Hoch- und Blütezeit, aber auch in die späteren Jahre des Verfalls und Vergessens. Anhand von Firmenportraits beschreibt er den Werdegang von Unternehmen und Orten zugleich. In Ruhla sind es zum Beispiel die Gebrüder Ziegler, deren Unternehmensgeschichte eingehend beschrieben wird. Für den Ort Schweina, der sich die Pfeifenmacher-Tradition bis heute bewahren konnte, stehen die Firmen August Reich Söhne und C.S. Reich. Die Geschichte der letzteren fand 1952 mit der Verstaatlichung und der Umwandlung in das Unternehmen Howal ihr Ende. In den Siebziger Jahren wurde dann auch die bis dahin eigenständige Firma August Richard Kühn von Howal einverleibt. Nach dem Ende der DDR und der vorübergehenden Schließung von Howal wurde die Tradition in den alten Gebäuden jedoch durch Design Berlin fortgeführt. Auch die Geschichte von Tabarz und seinen Pfeifenmachern, von denen ja nur noch Herr Kallenberg aktiv ist, wird erzählt. Zusätzlich zu diesen geschichtlichen Schilderungen widmet Herr Pollner der Arbeitsweise der Handwerker eigene Kapitel. Technisch detailliert beschreibt er die Arbeit der Pfeifen- und Rohrdrechsler und der Horn- und Bernsteindrechsler. Zahlreiche Abbildungen der Maschinen und Fertigungsschritte machen den Text auch für technische Laien leicht verständlich. Natürlich wird nicht vergessen, auch auf die Porzellanmacher und -maler und auf die Fabrikation von Tonpfeifen einzugehen. Besonders ausführlich beschreibt das Buch die Herstellung der Meerschaum-Pfeifen, die in Ruhla seit 1750 gefertigt wurden. Ein Interview mit der Witwe von Franz Thiel, dem letzen Thüringer Meerschaumdrechsler, gibt, zusammen mit Fotos aus der bis heute unberührten Werkstatt, Einblicke in den Arbeitsalltag und die Kunstfertigkeit. Otto Pollner beschreibt zudem sehr ausführlich die Arbeitsschritte und die Werkzeuge und erklärt die verschiedenen Methoden des Siedens, also des Wachsen und ölens der Meerschaumköpfe. Auch das Geheimnis der Herstellung von sogenanntem Massameerschaum, bestehend aus gepressten Meerschaumresten, wird zumindest teilweise gelüftet. In den letzten Kapiteln wird kurz auf die Zubehörindustrie mit dem Beschlag- und Etuimachern, den Schlauchmachern und den Fabrikanten von Spezialmaschinen eingegangen. Das Buch schließt mit einer Darstellung der Arbeits- und Sozialverhältnisse anhand von historischen Dokumenten, sowie den Reproduktionen alter Firmenkataloge und Werbeschriften.

Fazit: Ein gut recherchiertes Buch, sehr gefühlvoll geschrieben. Eine Empfehlung für jeden, der etwas über die Geschichte und historische Arbeitsweisen erfahren möchte.


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