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Porzellanpfeifen - Bilder zur Lebenswelt der Studenten in Landshut und München im 19. Jahrhundert
Katalog zur Ausstellung im Stadtmuseum Landshut vom 25. September bis 12. Oktober 1997
| Autor: | Museen der Stadt Landshut / Franz Niehoff (Hrsg.) |
| Verlag: | Museen der Stadt Landshut |
| Jahr: | 1997 |
| ISBN: | 3-924 943-06-0 |
| Preis: | EUR 12,80 |
Adrian Schmidtke:
Die Geschichte des akademischen Lebens einer bestimmten Epoche zu schreiben heißt beinahe zwangsläufig, die Geschichte des politischen Lebens zumindest miterzählen zu müssen. Dies gilt auch und vor allem für die Geschichte studentischen Lebens, die immer auch eine politische gewesen ist. Umso erstaunlicher wirkt dieses - stets schwierige - Unterfangen, wenn versucht wird, eine solche Historie anhand von historischen Porzellanpfeifen zu versuchen. Und noch erstaunlicher ist es, wenn ein solches Unterfangen - wie im vorliegenden Fall geschehen - zu gelingen scheint.
Die Autoren versuchen zunächst, ein Bild des studentischen Lebens der Stadt Landshut im 19. Jahrhundert zu zeichnen. Landshut, eine Stadt mit damals gerade 7000 Einwohnern, hatte mit etwa 500 immatrikulierten Studierenden einen extrem hohen Anteil (angehender) Akademiker, was sich stets auch im öffentlichen Leben bemerkbar gemacht hat. Daß das Zusammenleben von "Kleinbürgern und Handwerkern" (11) auf der einen und den "freigeistigen" Studenten auf der anderen Seite angesichts der extrem unterschiedlichen Habitus ein gewisses Konfliktpotential birgt, dürfte auf der Hand liegen. Interessanterweise war ein nicht unbedeutender Anteil dieses Konfliktpotentials auf den zuweilen exzessiven Tabakkonsum der Studierenden zurückzuführen; und wenn schon nicht die Ursache von öffentlichen Auseinadersetzungen zwischen Obrigkeit und Studentenschaft im Tabak zu suchen war, so fand er doch häufig im studentischen Verhältnis zu Tabak und Pfeife zumindest seinen Ausdruck.
Etwas unkritisch und meiner Meinung nach zu oberflächlich erfolgt leider die Auseinandersetzung mit den politischen Ansichten der Landshuter Studentenschaft im 19. Jahrhundert, die sich im Gegensatz zur organisierten Studentschaft der meisten übrigen Universitäten vor allem wohl aus lokalpatriotischen Gründen stramm pro-napoleonisch gab. Eine etwas detailliertere Auseinandersetzung hätte auch die Möglichkeit beeinhaltet, auf die an Widersprüchen und Ambivalenzen reiche Geschichte der Studentenverbindungen an sich einzugehen.
Diesem alles in allem dennoch sehr gelungenen historischen Abriß folgt eine verhältnismäßig kurze, aber sehr informative und - wie ich finde - gelungene Abhandlung über die Geschichte des (abendländischen) Tabakkonsums. Den Abschluß der historischen Einführungen in die Thematik bildet ein Überblick über die historischen Entwicklung der Corpspfeife, ihre Herstellung und Verwendung.
Der größte Teil des Ausstellungskataloges wird dann von der Katalogisierung der eigentlichen Ausstellung (es handelt sich um knapp 170 Exponate) in Anspruch genommen. Zahlreiche sehr schöne Fotografien veranschaulichen die Kunstfertigkeit, mit der Porzellanpfeifen im 19. Jahrhundert hergestellt und bemalt worden sind. Neben Stadtansichten sind es häufig Zeugnisse studentischen Lebens, die mit einer unglaublichen Detailtreue die Porzellanköpfe zieren. Eben diese Deatiltreue trägt dazu bei, daß der Anspruch dieser Ausstellung, das studentische Leben a n h a n d historischer Porzellanpfeifen darzustellen, tatsächlich gelingt.
Fazit:
Ein gelungener Katalog, der vor allem durch seine schönen Abbildungen besticht. Auch der einführende Teil zur Geschichte studentischen Lebens ist - soweit mir ersichtlich - kompetent und gelungen, auch wenn ich mir an einigen Stellen eine etwas kritischere und tiefergehende Auseinandersetzung gewünscht hätte.
Erhältlich ist dieser Katalog u.a. auch direkt über die Museen der Stadt Landshut.
(13.05.2002)