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Hildesheim - Neddermeier
Bernd H. Winter:
Ich war zu Besuch bei meinen Eltern und stattete der Stadt in der ich studiert hatte einen Besuch ab. Hildesheim.
Nachdem ich die Stätten der Erinnerung an Studienzeiten abgewandert hatte fiel mir auf, dass ich vergessen hatte Pfeife und Tabak einzustecken. Die kurze Reise durch meine Erinnerung hatte mich jedoch in die Laune versetzt eine Pfeife zu rauchen und beschloss den Tag mit einer genussvollen Pfeife in meinem alten Stammcafé zu beenden.
Ich brauchte also Pfeife und Tabak und machte mich auf die Suche nach dem Geschäft in dem ich früher Tabak und Pfeifen gekauft hatte. Neddermeyer. Schuhstraße, Ecke Scheelenstraße. Meine Erinnerung an das Geschäft war etwas verblasst. Zumal ich damals den Blick in die Auslagen eher vermied um meinen Geldbeutel nicht unnötig in Gefahr zu bringen.
Ich betrat nach kurzer Suche das Geschäft Neddermeyer. Rechts der Verkaufstresen mit der üblichen Auswahl des "schnellen Glücks" an Zigaretten, links die Zeitschriften, an der Wand ein Regal mit Pfeifentabaken und hinten links in der Ecke drei Schaukästen mit Pfeifen und eine viel versprechende Anzahl von Schubläden.
Die Stimmung des Ladens war betont durch eine Ladensanierung in der man auf alles geachtet hatte außer auf eine gemütliche angenehme Atmosphäre. Alles sah sehr ordentlich und gerade aus aber eben auch irgendwie sehr kühl. Doch ich war ja nicht dort um die Ladenausstattung zu begutachten, sondern um eine Pfeife zu kaufen.
Mein Blick streifte also die Regale mit den Pfeifentabaken. Von den aktuellen Larsen Tabaken über Klassiker wie Rum & Maple, Erinmore Mixture, Dunhill de Luxe Navy Rolls und Three Nuns war die Auswahl für ein Geschäft in einer kleinen Stadt wie Hildesheim umfangreich sortiert. Ich sah einen Punch Erinmore Mellow legte ihn auf den Ladentisch und sagte dem Mann hinter dem Ladentisch , dass ich noch eine Pfeife dazu kaufen möchte.
Wie sich später herausstellte war das der Ladeninhaber, dessn Vater das Geschäft eröffnet hatte. Er rief eine Mitarbeitern aus dem Lager herauf um sich die Zeit zu schaffen mich auf meiner Suche durch die Schubladen zu begleiten. Ich sagte ihm was mir vorschwebte. Eine Rhodesian oder eine Bulldog ohne Filter. Er wies mich darauf hin, dass alle Pfeifen mit Filterbohrung seien was mich jedoch nicht störte, da ich ja auch Filterpfeifen ohne Filter rauche. Er liess mir ausgiebig Zeit zu gucken und wir fanden schnell im Rhythmus des »Auf und Zu» der Schubladen zu einem kleinen Gespräch über die verschiedenen Qualitäten und Macharten.
Es gab dort ausgesprochen gute Vauen Pfeifen, Petersons, Savinellis, Larsens, Stanwells und andere Hersteller. Die Pfeifen waren nicht wirklich sortiert und einige hatten leider auch Quetschstellen und leichte Kratzer. Doch waren das auch eher die unattraktiven Modelle (nicht nur aufgrund der Kratzer). Die unterschiedlichsten Preisgruppen lagen beieinander. Was zu dem erfreulichen Effekt führte, dass ich mal wieder feststellen konnte, das die Preise in Städten wie Frankfurt am Main etwas überzogen sind. Viele der Stücke aus Serienproduktion die ich bei ihm im Sortiment sah hatte ich in Frankfurt für 50 EURO mehr in den Auslagen gesehen. Ich kam dann sehr schnell zur Wahl und erwarb eine Savinelli Bulldog. Wunderschön gearbeitet mit Cumberland Mundstück und Messingapplikation. Schönes Grain gut gebohrt und ohne die von mir bei Savinelli eigentlich erwarteten frechen Kittstellen. Herr Neddermeyer gab einen kurzen Einblick in sein Fachwissen, was sich bei diesem wirklich kurzen Streifzug als sehr umfassend darstellte aber vermutlich nur theoretischen Hintergrund hat.
Ich ging zur Kasse und wir sprachen ein wenig über das Pfeifenverkaufsgeschäft und sein Geschäft im allgemeinen. Ich kann seine Schilderung nur bestätigen. Das Sortiment an Pfeifen was bei Neddermeyer liegt ist ein gewachsener Bestand und hat einige schöne Stücke aus den letzten zehn Jahren zu bieten. Der Kauf war eine grosse Freude. Die Begleitung beim Kauf war angenehm kompetent und geduldig. Gerade Geduld ist ja etwas was beim Kauf einer Pfeife oft fehlt. Hier findet man sie in ausgewogenem Mass.
Einen Besuch ist dieser Familienbetrieb in der zweiten Generation auf jeden Fall wert. Wer weiss was er sucht und zufällig in Hildesheim weilt sollte dort einmal die Schubladen durchforsten. Zwischen allerlei Gewöhnlichem findet sich dort auch das ein oder andere gute Stück.
Meine Sammlung hat sich also um eine Savinelli Bulldog mit Cumberland-Mundstück erweitert. Mein Stammcafé gab es nicht mehr. Ich rauchte dann am Hildesheimer Dom mein Pfeifchen und traf dort interessanterweise noch einen alten Studienfreund.
(25.07.2005)
Sascha Schur:
Ein gutgelungenes Review wie ich finde, erstmal danke dafür. als gebürtiger Hildesheimer habe ich es natürlich mit besonderem Interesse gelesen. Es ist wohl sehr gut daß jemand anderes das erste Review zu diesem Laden verfaßt hat als ich, denn mein UIrteil wärte wohl etwas anders ausgefallen. Aber der Reihe nach...
Neddermeyer ist der einzige ernstzunehmende Pfeifenladen in HI, zentral gelegen und hat wohl zwischen Braunschweig und Hannover so eine Art Monopolstellung. Für mich bedeutete dies daß der Laden lange Zeit meine einzige Bezugsquelle für Tabakwaren war und ich dementsprechend oft dort kaufte (musste). Bernd, du hattest großes Glück von Hr. Neddermeyer persönlich bedient zu werden denn dem ist nicht immer so. Ist der Chef nicht zugegen so wird man von den IMHO unfreundlichen und wenig kompetenten Damen bedient die sonst halt nur Marlboro und Zeitschriften verkaufen. Entspannte Atmosphäre, Muße zum Stöbern oder gar Fachwissen suchte man dann vergebens. Das klingt hart aber ich mußte es lange Zeit erleben und auch Ole Hesprich könnte ein Lied von diesen leidvollen erfahrungen singen. Die Damen erwiesen sich zudem oft auch als "unfreundlich" aber genug davon.
Herr Neddermeyer besitzt in der Tat ein umfangreiches Fachwissen und ist sehr kompetent. Sein großes Steckenpferd sind "die Italiener", so hat er meist einige besondere Mastro de Paja oder Freehander dort. Seine Einstellung zu den dänischen Freehandern und Highgrade- Machern ist jedoch eher gespalten und ähäm "befremdlich". Dennoch gibt es immer wieder mal schöne einzelne Stücke dort zu entdecken. Vor einem Jahr hatte er seine Dunni-Bestände geleert und ein Freund hat eine Root Briar Gruppe 6 für ca. 200 Euro dort erstanden. Und wenn ich mich recht entsinne hat Ole dort auch mal eine Daniel Jud für einen Spottpreis gekauft. Wenn der Besitzer wirklich gut drauf ist steigt er in die Tiefen seines Kellers hinab und kommt mit einer Handvoll Pfeifen wieder hoch die wahre Augenöffner sind. Nach seinen Angaben hat er noch mehrere tausend Stücke z.T. noch aus den 60ern und 70ern dort lagern. Wenn man mal ein paar dieser schönen Stücke zu Gesicht bekommt glaubt man ihm dies unbesehen.
Wenn ich jetzt in Hildesheim zu Besuch bin, lohnt sich für mich ein Abstecher in den Laden immer nur dann wenn der Chef selber auch da ist und er Zeit für einen Plausch hat. Ich frage immer sofort ob er da ist und wenn dies nicht der Fall ist und mir die mißmutigen Damen "behilflich" sein wollen lehne ich zumeist dankend ab.
Fazit: Wenn man mal dort ist in jedem Fall vorbeischauen und vielleicht hat man Glück. Ach ja was noch als Besonderheit zu verbuchen ist, ist eine Tabak-Hausmischung. Diese ist die originale Mischung der F&T 34th Mixture bevor der Namen verkauft wurde und sich die Mischung änderte, da die Mixbücher nicht mitverkauft wurden.
Soweit meine Eindrücke des kleinen Ladens in Hildesheim der trotz aller Unbillen letztlich dafür verantwortlich war, daß ich beim Pfeiferauchen geblieben bin.
(25.07.2005)