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Mailand - Al Pascia
"Al Pascia"
Via Torino 61
Milano
Fon: 0039 0286450597
Mail: info@alpascia.com
http://www.alpascia.com/
Martin Reck:
Angeregt und neugierig geworden durch Heinz' und Nils' Mailand-Berichte bin ich bei meinem Aufenthalt dort vor zwei Wochen ihren Spuren gefolgt, habe aber auch einen weißen Fleck auf der daft-Karte Mailands beseitigt. Noli empfing mich mit vollem Haus (vier Verkäufer und acht Kundinnen und Kunden teilten sich den bei dieser Personenzahl klein wirkenden Verkaufsraum), herrlicher Auswahl vor allem in den diversen italienischen Herstellern (mit Schwerpunkt auf Castello, aber auch vielen schönen Stücken von L'Anatra, Radice und Caminetto) und Dunhill. "Meine" Pfeife war nicht dabei, so dass ich Noli unverrichteter Dinge, aber sehr zufrieden mit Auswahl, Atmosphäre und Beratung verließ.
Savinellis Stammgeschäft hatte ich dagegen für mich alleine, wenn man von dem netten Herrn hinter dem Verkaufstisch absah. Leider sprach er so schlecht englisch wie ich italienisch, so dass die Kommunikation etwas mühsam war. Das Preisniveau, das sich in den höheren Qualitätsstufen (Linea Artisan, Autograph) von dem der Castellos oder Radices bei Noli nur unwesentlich unterschied, schreckte mich am Ende jedoch ab, obwohl sich mir eine Linea Artisan (erkennbar handgemacht, kittfrei und mit ausgezeichnetem, glatten Finish) sehr verführerisch und werbend in die Hand geschmiegt hatte. Ich ließ sie reservieren, nur für den Fall, dass ich bei der dritten angepeilten Adresse, dem Traditionsgeschäft "Al Pascia", nur wenige hundert Meter entfernt, nicht fündig werden sollte.
In der Via Torino 61 (die ihren Anfang direkt gegenüber von Savinelli nimmt) bei ?Al Pascia? angekommen, findet man sich vor einer auf den ersten Blick eher unspektakulären Ladenfront wieder, deren sparsam, aber pfeifologisch hochinteressant bestückte Schaufenster nur unzureichend erahnen lassen, was sich dahinter in dem schmalen, aber sehr tiefen Verkaufsraum an Schätzen verbirgt. Seit 1906 hat sich "Al Pascia" der Pfeife (und nur der - eine Lizenz zum Verkauf von Tabakwaren besitzt man nicht) verschrieben, und selbst wenn man an dem langen Tisch steht, der die halbe Länge des Verkaufsraums einnimmt, lässt der Blick in die rechts und links aufgereihten Vitrinen einen zwar sehr vielversprechenden, aber immer noch unzureichenden Eindruck der ganzen Pracht (und Macht ;-) ) des Sortiments entstehen.
Äußert man dann auf Englisch seine Vorstellungen und Wünsche (Signore Sportelli gegenüber, dem sprachgewandtesten der ?Al Pascias?), so hebt ein geschäftiges Treiben an: Vitrinen und Kästen werden geöffnet, Schubladen aufgezogen, und im Nu breitet sich auf einer Samt-Präsentationsdecke eine breite Auswahl dessen aus, was man sich gewünscht hatte. In meinem Fall war das eine Canadian oder eine Lumberman, die mich aus Mailand nach Hause begleiten sollte. Vor allem Ascortis, Il Ceppos, Ser Jacopos und Mastro de Pajas in den unterschiedlichsten Größen und Varianten der gewünschten Form breiteten sich vor mir aus. Darunter war von recht einfach gehaltenen Pfeifen, die bei etwa 100 Euro lagen, bis zu in Holz, Maserung und Finish makellosen Stücken jenseits der 400 Euro alles dabei. Dennoch konnte ich nicht umhin, ein überraschend faires Preisniveau festzustellen. Begleitet hat mich am Ende eine elegante und leichte Ascorti "Sabbia Oro", die ich mit 138 Euro als günstig empfand.
Beeindruckt hat mich die freundliche, unaufdringliche Atmosphäre, in der in keiner Weise Verkaufsdruck erzeugt wurde. Vielmehr merkte man allen dreien (Signore Sportelli und zwei Damen) die Freude und den Enthusiasmus für ihr Produkt an.
Noch ein wenig Allgemeines zu "Al Pascia": Man lässt Hauspfeifen für sich herstellen, in verschiedenen Qualitätsstufen und Finishes (ich weiß allerdings nicht, bei wem). Zu Ascorti besteht eine sehr enge Beziehung; so hat dieser vergangenes Jahr exklusiv für "Al Pascia" drei verschiedene, riesige Pfeifen angefertigt. Dabei handelt es sich um eine gewaltige Squat Apple, eine etwa 12 cm hohe Chimney sowie eine gut 30 cm lange Canadian, alle drei rustiziert und mit schwarz-rotem Finish. Jede einzelne, einzigartige Sammlerstücke allesamt, ist mit 300 Euro noch günstig zu nennen. Nur Castellos sucht man bei "Al Pascia" vergeblich - deren Vertrieb liegt für Mailand exklusiv bei Noli.
Besonderes Augenmerk ist aber auf die Pfeifen des Dänen Leo Borgart zu legen, die "Al Pascia" seit zwei Jahren weltweit exklusiv vertreibt. Der Mann kann etwas, aber hallo! Leider sind seine Preise jenseits meiner Möglichkeiten, sonst wäre es eine von seinen Pfeifen gewesen, die mich künftig an Mailand erinnert hätte. Aber damit nicht genug: Auch einige Barbis liegen in den Schatzkammern...
Etwa 10.000 Pfeifen soll das Sortiment umfassen, und ich bin bereit, das nach meinem Besuch zu glauben. Ein Teil davon wird auf der eigenen Internet-Seite angeboten (http://www.alpascia.com - sowohl eine italienische als auch eine englische Sprachversion sind verfügbar). Außer Tabak - siehe oben - umfasst das Sortiment alles, was des Pfeifenrauchers Herz begehrt: Stopfer, Taschen, Ständer - you name it, they got it!
Mein Fazit: Für den Pfeifenfreund, der einmal in äußerst angenehmer Atmosphäre in einem kaum zu schlagenden Sortiment stöbern möchte, führt in Mailand kein Weg an "Al Pascia" vorbei. Pfeifologisch für mich die erste Adresse in Italiens vielleicht modernster und umtriebigster Stadt.
22.06.2004