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Paris Loriental

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Paris - À L'Oriental

"À l'Oriental",
Inhaberin Rakel van Kote

Jardins du Palais Royal,
Galerie de Chartres
Paris (1. Arrondissement)
Telefon: +33 (0)1 42 96 43 16

http://aloriental.canalblog.com
Mail: aloriental@tele2.fr

Martin Reck:

vor 2 Wochen war ich mit der Familie ein paar Tage in Paris. Natürlich habe ich mich zuvor schlau gemacht, womit Paris pipologisch aufzuwarten

hat und hatte, nachdem die Tipps eher dünn waren, keine großen Hoffnungen. Geringe Erwartungen sind häufig die beste Voraussetzung für angenehme DCberraschungen, und so war es auch hier. ;-)

Auf dem Rückweg vom Louvre machten wir an dem Kunstwerk (den zebragestreiften Pollern, die so herrlich zum Sitzen einladen ;-) ) Rast. Direkt dort, unter den Arkaden im Durchgang, liegt ein schmaler, völlig unscheinbar scheinender Laden. Mit dem Sandwich in der Hand tigerte ich daran vorbei - nur um aus dem Augenwinkel im Schaufenster ein aus Pfeifen bestehendes Chaos zu entdecken.

Damit war meine Neugier natürlich geweckt. Ein näherer Blick in die Vitrine von "À l'Oriental" (so heißt der Laden) verriet Verheißungsvolles: Da lagen zwischen den üblichen französischen Verdächtigen wie Butz Choquin und Chacom haufenweise (teilweise buchstäblich ;-) ) L'Anatras, Mastros, Castellos, Peterson's und nicht zuletzt Dunhills. Das Ambiente ließ aber von außen eher auf einen geschlossenen, längst aufgegebenen Laden schließen. Doch weit gefehlt: In der schmalen Tür, die in das noch schmalere und außerdem völlig zugestellte Lokal führt, hing ein Hoffnung weckendes "Ouvert"-Schild. Und tatsächlich öffnete sie sich auf zaghafte Klinkenbetätigung hin.

Einmal eingetreten (durch die Tür hindurch, einen Schritt zur Seite, um sie schließen zu können, eben diesen Schritt wieder zurück, um die einzige größere Stelle zu erreichen, an der mehr als eine Person stehen kann), erblickt das Pfeifenraucherherz Begeisterndes: Pfeifen, wohin das Auge blickt, allerdings ohne jede Ordnung oder System. Jedes ursprünglich freie Fleckchen beherbergt Pipen - sozusagen ein gigantischer Wühlkorb, nur dass der Inhalt erheblich vielversprechender ist als der im Pfeifenladen um die Ecke. Aus dem hinteren Bereich nähert sich die Inhaberin, Rakel van Kote, ehemalige israelische Schönheitskönigin und wohl inzwischen ebenso ehemalige Chanteuse. Ich greife vor: Zu meinen Pfeifenkäufen gab's ihre beiden CDs als Dreingabe. ;-)

Madame erkundigt sich sehr freundlich nach meinem Begehr. Ich sage ihr, dass ich in den Schaufenstern Pfeifen gesehen hätte, die mich interessierten. Angesichts der Tatsache, dass von innen kaum ein Mensch vernünftig etwas aus diesen herausholen kann, geschweige denn ein zweiter danebenstehen und den Suchenden dirigieren könnte, bittet sie mich nach draußen, um ihr von dort aus die Stücke zu zeigen, die ich begrabschen möchte. Die holt sie dann mit langen Armen, spitzen Fingern und erstaunlichen Verrenkungen hervor.

Wieder im Laden, nehme ich die potenzielle Beute in Augenschein. Besonders haben es mir eine Peterson's mit geradezu atemberaubenden Cross Grain und eine winzige, federgewichtige L'Anatra angetan. Die Preise klingen vernünftig; es ist allerdings auch in ihrer Auszeichnung nicht wirklich ein System zu erkennen - Pfeifen des gleichen Herstellers und der gleichen Qualitätsstufe können preislich himmelweit auseinanderliegen. Es schadet also nicht, ein grobes Preisraster im Hinterkopf zu haben.

Hat man sich auf seine Auswahl versteift, geht's ans Verhandeln; "À l'Oriental" trägt seinen Namen unter diesem Aspekt nicht zu Unrecht. Madame meint: "Alors, on fait des prix." Notiert sich die ausgezeichneten Preise, addiert, wiegt den Kopf hin und her, denkt nach und macht ein Angebot, das etwa 10 % unter der errechneten Summe liegt.

Meinen etwas zweifelnden Blick (die beiden Schönheiten waren eh schon günstig ;-) ) legt sie so aus, als dass sie mich wohl noch weiter anfüttern muss, und lässt weitere 15 Euro nach. Da habe ich dann nicht länger überlegt und zugeschlagen. Das sind die beiden Hübschen, die mich zusammen 220 Euro gekostet haben:

Irgendwoher aus ihrem Chaos zauberte Mme van Kote Originalschachteln und -beutel, reinigte das angelaufene Silber an beiden Pfeifen, ging noch schnell mit einem Poliertuch darüber, legte Pfeifenreiniger dazu und drängte mir sehr freundlich - ich erwähnte es oben schon - ihre CDs auf.

In dem kleinen Pläuschchen, das sich anschloss, berichtete sie, dass sie viele Zelebritäten zu ihren Kunden zählen könne. Minister und

Modemacher gingen bei ihr ein aus, Jean-Paul Gaultier sei beispielsweise ein besonders guter Kunde. Für seine Schauen habe sie schon Pfeifen geliefert, und er selbst sei ebenfalls Pfeifenraucher (hört, hört!). Tatsächlich findet sich an einem der wenigen pfeifenfreien Flecken an der Wand eine von ihm signierte und Mme van Kote gewidmete Zeichnung, in der er sich für ihre Dienste herzlich bedankt. Schräg darüber hängt eine Urkunde der französichen Pfeifengesellschaft; 2001 wurde sie feierlich in ihre Kreise aufgenommen.

Allzuviel von Pfeifen zu verstehen scheint sie aber nicht, und eigentlich ist sie auch überzeugte Nichtraucherin. Fast schon verschämt gibt sie allerdings zu, dass sie, seit sie den Laden habe, so ein- bis zweimal in der Woche doch ein Pfeiühen rauche.

So viel zum Atmosphärischen, nun zu den hard facts:

Sortiment:

Schwerpunkt moderne Pfeifen, viele italienische darunter, Hauspfeifen (RvK) aus schönem Holz für kleines Geld, interessante Exoten (so z.

B. Handmades eines korsischen Pfeifenmachers aus wunderbarem Holz), historische Pfeifen, auch aus Meerschaum - und ganz sicher noch vieles mehr, was auf Stöbernasen wartet. Ach ja, aufgearbeitete Estates gibt's auch - allerdings zu Fabelpreisen. Für eine hundsgewöhnliche

und ziemlich heftig gerauchte Danmore wollte sie allen Ernstes 220 Euro sehen...

Keine Tabakwaren - dazu braucht man in Frankreich eine gesonderte Lizenz.

Preisniveau:

Uneinheitlich. Teilweise sehr günstig, teilweise unverschämt.

Präsentation:

Je nach Blickwinkel "liebenswert verschroben" oder "Affensauerei". Das Motto scheint "Genie beherrscht das Chaos" zu sein.

Mein Fazit:

Wer Paris besucht, sollte sich "À l'Oriental" nicht entgehen lassen. Es ist mit Abstand der verrückteste Pfeifenladen, den ich bis jetzt kennengelernt habe.

(17.06.2006)

Bilder:

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