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Becker Paolo

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Paolo Becker

Jörg Lehmann

nachdem ich kürzlich über Paolo Becker schon kurz berichtet habe, hier nun ein ausführlicheres Review: Ich danke Paolo für die Geduld beim Beantworten meiner Fragen:

Paolo Becker fertigt seit 20 Jahren Pfeifen an, die sich vor allem durch eine überaus große Harmonie und eine abwechslungsreiche, z.T. sehr kühne Formgebung auszeichnen. Die Liebe zum Pfeifenbau hat er mit seinem Vater, dem angesehenen und in nahezu universeller Hinsicht hochbegabten Künstler und Pfeifenmacher Fritz Becker, geteilt. Paolo Becker raucht selbst ausschließlich Pfeife und bevorzugt bei der Arbeit in der Werkstatt oder am Computer ausschließlich kleinere (Gr.3), kurze, gerade Pfeifen, die er gern mit englischen Tabaken füllt.

Beim Pfeifenbau bevorzugt er leicht gebogene Pfeifen von ausgewogener Linienführung. Zu seinen Spezialitäten gehört eine zierliche Horn-Variante, die auch als "Oliphant" bezeichnet wird. Auch einer speziellen Art einer Cross-Grain Pfeife (ich würde sie als eine besondere "Blowfish"-Variante bezeichnen) hat er sich sehr verschrieben, da sie eine besondere Herausforderung darstellt. Die Inspiration für seine Pfeifen schöpft Paolo aus sehr unterschiedlichen Quellen. Er schreibt, dass er abertausende Pfeifen in seinem Geschäft verkauft, aber auch repariert hat. Zudem ist er glücklich, in Rom zu leben und aus der faszinierenden, künstlerischen Atmosphäre dieser Stadt erfährt er ebenfalls viel Inspiration.

Ein nicht unerheblicher Teil seiner Pfeifen sind sandgestrahlt. Dabei legt Paolo Wert auf die Feststellung, dass er das Sandstrahlen nicht als eine Art der Fehlerkorrektur sieht, sondern als eigenständige Gestaltungsmöglichkeit. Wenn die Maserung nicht besonders herausragend ist, macht er lieber eine schöne, helle Sandgestrahlte als eine mittelmäßige Glatte. Häufig kombiniert Paolo auch das Sandstrahlen mit einer speziellen Formgebung (Scallop = Kamm-Muschel). Für seine Pfeifen verwendet Paolo Becker Bruyere aus Kalabrien. Ausschlaggebend dafür ist seine Bekanntschaft mit dem Pfeifenmacher Domenico Grenci, der schon Fritz Becker in die Geheimnisse der Auswahl von gutem Bruyere eingeweiht hatte.

An Ziermaterialien verwendet Paolo besonders gern Horn zur Holmverlängerung, da er die Natürlichkeit dieses Materials sehr mag. Er verwendet aber auch verschiedene Hölzer wie Buchsbaum und Palisander. Besonders gern fertigt Paolo Silberarbeiten (Ringe, Spigots) an, besonders bei schwarz-sandgestrahlten Pfeifen bieten diese einen eleganten Kontrast.

Wenn ich Paolo Becker richtig verstanden habe, hat er sich aus dem Alltagsgeschäft seines Ladens "Becker & Musico" zurückgezogen, um sich ausschließlich dem Pfeifenbau zu widmen. Als Ziel einer möglichen Produktion nennt er 650 Pfeifen pro Jahr. Seine Pfeifen sind in Italien nur im Ladengeschäft in Rom erhältlich, der erheblich größere Teil geht im Moment in die USA. Eine Vereinbarung mit der Firma Diehl in München ist vorgesehen.

Momentan kann man aber eine ordentliche Auswahl auch in seinem on-line shop bewundern und ordern. Das Geschäftsverhalten ist tadelsfrei, die Lieferung erfolgt binnen weniger Tage über einen privaten Lieferservice. Ein "Schmankerl" für Sammler ist die zusätzlich gelieferte "Garantieurkunde" mit dem Bild der Pfeife, dem Namen des Käufers und dem Lieferdatum.

Das Grading von Paolo Becker orientiert sich an den Symbolen eines Kartenspiels. Rustizierte Pfeifen werden mit "Karo", schwarz-sandgestrahlte mit "Pik", hell-sandgestrahlte mit "Kreuz" und glatte Pfeifen mit "Herz" gestempelt. Innerhalb jeder Gruppe gibt es ein bis vier Symbole. Außerordentliche Stücke bekommen einen "Royal Flush" verliehen (je ein Karo, Herz, Pik, Kreuz). Noch herausragendere Stücke trage die Bezeichnung "Royal Flush Elite A bis C".

Abschließend sei bemerkt, dass meine Paolo Becker sich hervorragend raucht und gewiss nicht meine letzte Pfeife von ihm sein wird. Auch die "Scallop" Oberfläche ist keinesfalls störend, sondern überraschend gut zu handhaben.

Eine bebilderte Version des Reviews findet ihr hier: http://www.rz.fh-ulm.de/~jlehmann/paolobeckeri_info.htm

(19. 01. 2004)


Bilder

Eine hübsche Variation einer Stand-up-Poker als Halfbent, beinahe schon "dänisch".

(Manfred Arenz, 24.05.2008)

Diese bemerkenswerte Oberfläche bei Paolo Becker heisst Scallop (Kamm-Muschel).

(Jörg Lehmann)

Apple Handmade 1984-87

(Klaus J. Pfeifer)

Eine Calabash mit dem Grade "4 Herz"

(Manfred Arenz)

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